Bamberg
Gärtnerstadt

"Obere Gärtnerei" bleibt unangetastet

Der Bausenat erlässt eine Veränderungssperre für das alte Gärtnerland zwischen Nürnberger- und Egelseestraße.
So wie es ist, so wird es auch in Zukunft sein: Das Gärtnerland zwischen Egelseestraße (links im Bild) und Nürnberger Straße (rechts) muss als solches bestehen bleiben und darf nicht weiter bebaut werden. Foto: Ronald Rinklef
Wenn alles so bleibt, wie es ist, gibt das im Normalfall keine echte Nachricht her. In diesem Fall ist das anders: Der Bausenat hat in seiner Sitzung am Mittwoch einen neuen Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Sein Ziel ist es, die Flächen der "Oberen Gärtnerei"in Bamberg-Süd so zu erhalten wie sie jetzt sind. Damit schiebt der Stadtrat einer weiteren Bebauung den Riegel vor. Das in Innenstadtnähe gelegene Filetstück hat nämlich längst bei dem einen oder anderen Grundstücksbesitzer Begehrlichkeiten geweckt. Wie in der Sitzung am Mittwoch zu erfahren war, ist auch schon eine Klage gegen die Stadt anhängig. Mit Hilfe eines neuen Bebauungsplanes kann sie leichter abgewehrt werden.


Bestandteil des Stadtdenkmals



Im Sitzungsvortrag heißt es, die Gärtnerflächen der "Oberen Gärtnerei" seien "aus denkmalpflegerischer und stadtstruktureller Sicht ein elementarer Bestandteil des Stadtdenkmals Altstadt Bamberg. Hinsichtlich der stadtplanerischen Entwicklung besteht Konsens, dass diese Flächen langfristig als Freifläche gesichert und von Bebauung frei gehalten werden sollen." Mit der Aufstellung des Bebauungsplanes 236 B werden die noch vorhandenen Gärtnerflächen für den Erwerbsgartenbau verbindlich gesichert. So genannte Nachverdichtungen in zweiter Reihe werden weiterhin möglich sein, wenn sich die Bauten an "die Eigenart der näheren Umgebung nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der überbauten Grundstücksflächen" anpassen.

Ausschlaggebend für die Veränderungssperre war nicht nur die anhängige Klage beim Verwaltungsgericht Bayreuth - die Stadt hatte einen Vorbescheid für die Errichtung eines Einfamilienhauses in der Plattengasse abgelehnt - , sondern auch das Modellprojekt "Urbaner Gartenbau", das im November 2010 im Rahmen des Konjunkturpaktes I der Bundesregierung gestartet wurde. Mit seiner Hilfe und den daraus finanzierten Projekten will man bei der Stadt erreichen, dass die Bamberger Gärtnerkultur als Teil des Welterbes nicht nur museal erhalten bleibt: Die Gärtner sollen den wirtschaftlichen Gartenbau in der Stadt lebendig halten; der Berufsstand soll überleben. So werden im "Urbanen Gartenbau" die Betriebe bei der Entwicklung von Produkten und bei der Vermarktung unterstützt. Große Bedeutung kommt dabei "der Flächenaktivierung und -sicherung zu", wie es das Stadtplanungsamt formuliert. Während die Gärten zwischen Heiliggrabstraße und Mittelstraße durch ihre flächenmäßige Zugehörigkeit zum Unesco-Welterbe geschützt sind, liegen die Felder der "Oberen Gärtnerei" außerhalb an deren Rande. Die Tatsache, dass sie noch zum Stadtdenkmal gehören, bietet keinen absoluten Schutz.


Offene Türen eingerannt



Mit dem Antrag auf Einleitung des Bebauungsplanverfahrens und Erlass einer Veränderungssperre rannte die Verwaltung bei den Mitgliedern des Bausenats offene Türen ein. Manche Stadträte waren geradezu begeistert, so zum Beispiel Ursula Sowa, GAL, für die der Sitzungstag zum "Feiertag" wurde. Peter Röckelein, CSU, bedauerte lediglich, dass erst ein Gerichtsverfahren den letzten Anstoß geben musste, um die Sache auf den Weg zu bringen. Nur sein Fraktionskollege Pankraz Deuber goss Wasser in den Wein: Nicht alle Bamberger Gärtner seien vom Projekt "Urbaner Gartenbau " begeistert. Er selbst stimme aber dem Antrag auf Veränderungssperre zu, und er versprach, bei seinen Kollegen weiterhin Überzeugungsarbeit leisten zu wollen.
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