Die Ergebnisse einer Uni-Befragung geben den Sorgen über eine niedrige Wahlbeteiligung neue Nahrung.
Es ist ein Appell über alle Parteien und Gegensätze hinweg: Die drei OB-Kandidaten Wolfgang Grader (GAL), Gerhard Seitz (CSU/BBB) und Andreas Starke (SPD) schlagen Alarm. "Unsere Stadt braucht eine aktive Mitwirkung der Bürgerschaft. Nur wer wählt, entscheidet", heißt es in einem gemeinsamen Wahlaufruf, der von allen Bewerbern am 29. Februar unterzeichnet wurde. Er soll am 9. März im Rathausjournal veröffentlicht werden.
Eine vergleichbare Aufforderung dreier politischer Konkurrenten hat es nach Angaben der Stadt in Bamberg noch nie gegeben. Sie spiegelt die Sorge wider, dass viele Bürger aus dem Eindruck heraus, es sei bereits alles entschieden, am 11. März nicht zur Wahl gehen könnten - obwohl es um das Spitzenamt in Bamberg geht, von dem vieles abhängt, und obwohl an diesem Tag, einmalig in der jüngeren Geschichte Bambergs, über acht Jahre entschieden wird. Auch der OB, von dem die Initiative ausging, hat die Sorge, die Wähler und natürlich auch seine Anhänger nicht ausreichend mobilisieren zu können: " Je höher die Wahlbeteiligung, desto besser ist die Legitimation eines Oberbürgermeisters."

Ein Ruhmesblatt für die demokratische Gesinnung der Bamberger ist die Wahlbeteiligung bei den letzten OB-Wahlen nicht gewesen. In der Stichwahl am 20. März 1994 lag sie noch bei 62 Prozent. Damals hatten es Herbert Lauer (Freie Wähler) und Andreas Starke in die Endrunde geschafft. Am 26. März 2006, als sich die Bürger zwischen Andreas Starke und Peter Neller (CSU) entschieden, machten nur noch 44 Prozent von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Ein regelrechter Absturz.

Dass am Sonntag in einer Woche neue Tiefstände nicht ausgeschlossen sind, lässt auch eine repräsentative Untersuchung befürchten, die das Meinungsforschungsinstitut Baces der Otto-Friedrich-Universität durchgeführt hat. "In Bamberg haben viele das Gefühl, die Wahl sei schon entschieden", sagt Zoltán Juhász, Leiter des Instituts. Wie die Meinungsforscher herausfanden, glaubt von 538 befragten Bürgern nur eine Minderheit von 37 Prozent, dass der Wahlausgang am 11. März offen ist. Auch unter den CSU-Anhängern sind nur 41 Prozent überzeugt davon, dass es Überraschungen geben könnte.

Ähnlich sah es bei der Frage nach der Wahrscheinlichkeit einer Stichwahl aus. Nur 24 Prozent sind der Meinung, dass es dazu kommen könnte. 66 Prozent gehen davon aus, dass die Wahl in der ersten Runde entschieden sein wird. Ganz anders stellt sich die Situation übrigens in Hof und in Bayreuth dar, wo ebenfalls der OB gewählt wird. Auch dort hat Baces Wähler befragt, ist aber auf eine Stimmung gestoßen, die sehr viel mehr polarisiert ist als in Bamberg. Dort müssen sich die CSU-Amtsinhaber ernsthafter Konkurrenz erwehren.

Die Daten der Umfrage in Bamberg wurden in der Zeit von 13. Januar bis 10. Februar gesammelt und am 26. Februar veröffentlicht. Juhász geht davon aus, dass sich die Grundaussagen in den letzten vier Wochen nicht wesentlich verändert haben. Dazu rechnet der Soziologe vor allem die fehlende Wechselstimmung in Bamberg. "Unsere Zahlen zeigen, dass der amtierende Oberbürgermeister nicht nur bei den SPD-Anhängern, sondern auch bei den CSUlern sehr beliebt ist." In einer Werteskala, die von von minus fünf bis plus fünf reichte, erzielte Starke mit 3,2 das beste Ergebnis und wurde auch von den CSU-Anhängern besser bewertet (3,1) als sein Konkurrent Gerhard Seitz. Der erhielt von allen Befragten die Note 1,2, von den CSU-Anhängern eine glatte 2.

In dieser Skala schneidet auch Wolfgang Grader besser ab als Gerhard Seitz. Grader erhielt eine Gesamtnote von 1,7; die GAL-Anhänger gaben ihm eine 2,5. Nicht viel besser sieht es für die CSU bei der Bewertung als Partei aus. Hier erhalten die Christsozialen 1,2 Punkte, während die SPD auf 2,5 Zähler kommt und die GAL auf 1,9.
Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Kompetenzen, die die Wähler den Bewerbern einräumen. Auch hier dominiert Andreas Starke bei fast allen Werten - angefangen vom Rückhalt in der eigenen Partei bis zur Bürgernähe und der Führungsstärke. Im Mittelfeld bewegt sich der grüne Kandidat, der Starke immerhin bei der Glaubwürdigkeit übertrifft. Für Gerhard Seitz bleibt auf dieser Skala meist nur der undankbare dritte Platz.

Seitz will weiter kämpfen

Doch der CSU-Bewerber lässt sich von den Ergebnissen der Uni-Umfrage nicht entmutigen: "Diese Zahlen sind vier Wochen alt und ich will Wahlen gewinnen und keine Umfrage", sagt Seitz. Seinem Ziel, in die Stichwahl zu kommen, fühlt er sich in den letzten Wochen nähergerückt. So sei es ihm besser gelungen, die eigenen Parteimitglieder zu mobilisieren und seine Ziele deutlich zu machen.

Zustimmung findet das Ergebnis der Befragung bei Wolfgang Grader: "Ich freue mich, dass die grünen Wähler hinter mir stehen. Auch meinen hohen Wert bei der Glaubwürdigkeit sehe ich als Erfolg." Die Dominanz von Starke will Grader so nicht stehen lassen, er kämpft um die Stichwahl: "Warten wir es ab. Da ist noch viel im Fluss."
Auch Andreas Starke warnt davor, die Wahl schon als entschieden zu betrachten: "Stimmungen sind noch keine Stimmen", sagt der Amtsinhaber, der hofft, seine Sympathisanten am 11. März in ausreichender Zahl zur Wahl zu bringen. Gefreut hat ihn die Beliebtheit bei der CSU-Wählerschaft: "Ich sehe das auch als Ergebnis meiner überparteilichen Amtsführung. Ich war stets bemüht, Sachfragen frei von parteipolitischen Zwängen zu lösen."