Carolin (24) ist genervt. Der Bus ist zu voll, der Weg in die Uni somit ein Graus. "Es ist immer das Gleiche", sagt die Bamberger Studentin. Und wirft den Stadtwerken vor, dass sie es "nicht gebacken kriegen, endlich mal die Linienpläne den Bedürfnissen der Fahrgäste anzupassen." Immer öfter, vor allem im Sommer, steigt sie also gar nicht erst ein, sondern auf ihr Fahrrad um.

Damit ist sie nicht alleine: Marita Nehring, die Coburger Nahverkehrsbeauftragte, bemerkt in den letzten Jahren deutlich mehr Radfahrer. "Das haben wir durch die Aktionen ‚Stadtradeln‘ und ‚Mit dem Rad zur Arbeit‘ gefördert", sagt sie. "Klimaschutz und gesundheitliche Aspekte standen hier im Vordergrund."

Ein generell gesteigertes Umweltbewusstsein und einen damit einhergehenden Anstieg an Fahrgastzahlen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) kann Marita Nehring nicht bestätigen. Im Gegenteil: Seit 2007 seien die Fahrgastzahlen gesunken.


ÖPNV ist energie- und stresssparend



Dabei hat der ÖPNV Vorteile: Als Massentransportmittel ist er deutlich energiesparender als der Individualverkehr. "Außerdem sorgt die Parkraumersparnis für weniger versiegelte Flächen im Stadtgebiet", sagt Nehring.
Kristina Kessler von der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) sagt: "Busse und Bahnen produzieren für die gleiche Leistung etwa zwei Drittel weniger CO 2 als ein Pkw."

Kessler zufolge habe sich die Anzahl der Fahrgäste in Würzburg auf einem konstant hohen Niveau eingependelt: Rund 41 Millionen Fahrgäste würden jährlich transportiert. In Straßenbahnen, die mit CO 2 -freiem Strom betrieben werden, und Bussen, die mit schwefelfreien Kraftstoffen laufen.

Auch Sebastian (21) würde gerne häufiger den Bus nehmen. "Aber wenn ich abends von Bamberg nach Pödeldorf will, habe ich mit dem Bus keine Chance." Eine Linienerweiterung fände er klasse. "Zwei Haltestellen, das würde schon reichen."


Linienerweiterung ist ein großer Aufwand



Aber so leicht, wie sich Sebastian das vorstellt, ist es nicht. "Eine Linienerweiterung, und sei es nur um eine Haltestelle, ist ein enormer Aufwand", sagt Jan Giersberg, Sprecher der Bamberger Stadtwerke. "Wenn sich die Fahrzeit verlängert, passt die Abstimmung mit den anderen Linien am ZOB nicht mehr. Zusätzlich müssten die Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer angepasst werden." Dadurch entstünden Kosten in sechsstelliger Höhe.
Eine Linienverdichtung, wie Carolin sie sich wünscht, verursache ähnliche Probleme. Also fährt sie weiterhin mit dem Rad zur Uni - und Sebastian mit dem Auto nach Hause.

Volker Schwenk vom Verband deutscher Verkehrsunternehmer (VDV) zufolge ist der Beitrag des ÖPNV zum Klimaschutz schon jetzt groß: "Das System ist so angelegt, dass pro Person ein deutlich niedrigerer CO 2 -Austoß anfällt, als im Individualverkehr." Jeder, der in der Rush-Hour auf sein Auto verzichtet und stattdessen den Linienbus nimmt, spart somit mehr als 90 Prozent CO 2 ein. "Zusätzlich zum Busverkehr wird aktuell schon 60 Prozent der Transportleistung auf der Schiene, also elektronisch, erbracht", sagt Schwenk. Der VDV betreibe auch hier Anstrengungen, den benötigten Strom aus erneuerbaren Energien zu gewinnen.

Entsprechend sieht die Förderung aus. Die Regierung von Oberfranken etwa hat im vergangenen Jahr fast 12 Millionen Euro in den ÖPNV investiert. 2,3 Millionen allein in die Anschaffung von 31 neuen Bussen, die allesamt die Schadstoffnorm Euro IV erfüllen.

Rund vier Millionen wurden in den Nahverkehr der kreisfreien Städte und der Landkreise gesteckt. Das Geld wird unter anderem für Linienerweiterungen und -verdichtungen verwendet.Knapp drei Millionen erhielten Verkehrsunternehmen des Regierungsbezirks. Das Geld dient als Ausgleich sogenannter Mindereinnahmen, die durch vergünstigte Fahrpreise, etwa für Schüler und Azubis ,entstehen.

Baumaßnahmen wie die PR-Anlage am Bamberger Bahnhof wurden von der Regierung mit gut zwei Millionen gefördert.


Elektromobilität ist nicht neu



"Elektromobilität im ÖPNV ist schon lange angekommen", sagt Marita Nehring. Elektrisch betriebene Eisen- und Straßenbahnen gebe es in Deutschland schon seit gut einhundert Jahren. Den "Hype" um elektrischen Individualverkehr, also E-Autos, findet Nehring "deplatziert und unfair".

Manfred Rupp vom Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) möchte den Individualverkehr nicht generell "verteufeln": "Ein Mix aus verschiedenen Verkehrsmitteln ist gut." Jeder könne so tagtäglich mit der Wahl des Verkehrsmittels einen Beitrag zur Energiewende leisten. Und das gute Gewissen der Umwelt gegenüber gibt es kostenlos obendrauf. chr