Erfreut ist man über die ganze Sache nicht. "Wir wollen das schon deshalb nicht, weil es die Gemeinde Geld kosten würde", sagt Markus Helm. Sollte aber der Gemeinderat am 25. September der Photovoltaik-Anlage (PV) oberhalb des Drosendorfer Baugebietes "Klingen" zustimmen, strebt man einen Bürgerentscheid in der Gemeinde Memmelsdorf an. Für das vorangehende Bürgerbegehren werden derzeit Unterschriften gesammelt und man ist zuversichtlich, bis zum Wochenende die nötigen etwa 750 Befürworter beisammen zu haben. "Unser Anliegen findet nicht nur in Drosendorf große Zustimmung, sondern in der gesamten Gemeinde", sagt Helm.
Vor einigen Wochen wurden schon einmal Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt, da aber noch nicht unter dem Siegel Bürgerentscheid. An die 900 Unterschriften gegen den Solarpark an der Autobahn A 70, dessen künftige Größe nach Aussage seiner Gegner nicht genau feststeht, kamen da zusammen. Um keinen Etikettenschwindel zu betreiben, wird man jetzt unter der Maßgabe Bürgerbegehren noch einmal aktiv. Dieses Begehren soll dem Gemeinderat vorgelegt werden.

"Dabei sind wir nicht prinzipiell gegen Photovoltaik, ich habe selber eine solche Anlage auf dem Dach", sagt Markus Helm weiter, der zusammen mit Thomas Dumproff und Birgit Schön an der Spitze der Aktion steht. Es habe sich aber gezeigt, dass die etwa zwei Hektar große Fläche im Solarkataster des Landkreises als Ackerland und nicht als Grünland eingestuft worden war. "Da ist bei den Naturschützern ein ziemlicher Unterschied", weiß Helm jetzt, und nachgeprüft wurde offenbar nicht.

Außerdem bestünde nach seiner Erkenntnis nördlich - also jenseits - der Autobahn die Möglichkeit, auf einer größeren Fläche eine so große PV-Anlage einzurichten, dass weitere Flächen in der Gemeinde Memmelsdorf dafür nicht mehr notwendig wären. In der Planung befinden sich noch Flächen in Merkendorf Ortsausgang, bei Weichendorf Richtung Merkendorf links und in Meedensdorf.

Interessen der Bürger wahren


Die Gegner sehen den Bebauungsplanentwurf nicht nur in Begründung und Abwägung, sondern auch bei den "planlichen" Festsetzungen stark fehlerbehaftet, was in einem verwaltungsgerichtlichen Verfahren nach ihrer Überzeugung zur Nichtigkeit führen dürfte. Der Zeitplan des Investors - Inbetriebnahme soll danach im November sein - zeige, dass hier die wirtschaftlichen Interessen eines einzelnen Investors über städtebauliche Belange und den Anregungen von Bürgern gestellt würden.

Beim Maß der baulichen Nutzung sei für den Leser nicht erkennbar, welche Kubatur der Baukörper hat. Es fehle beispielsweise eine Festsetzung wie die maximale Höhe der Anlage.

Bei den textlichen Festsetzungen werde zwar von einer Aufständerung der Solarmodule bis zu einer Höhe von fünf Metern gesprochen. Diese Festsetzung werfe aber mehr Fragen auf, als sie beantworte. Gerade die Höhe der Anlage spiele unter den Aspekten "Blendwirkung" und "Landschafts- und Ortsbild" eine zentrale Rolle.

Effizienz niedrig


Laut Regierung von Oberfranken sollten nicht landwirtschaftliche Nutzflächen, sondern vorrangig Konversionsflächen für die Errichtung von Freiflächenanlagen verwendet werden. In der Gemeinde Memmelsdorf stehen keine Konversionsflächen zur Verfügung, deshalb sollten laut Gutachten landwirtschaftliche Nutzflächen verwendet werden.

Da Freiflächen-PVA eine sehr schlechte Flächeneffizienz haben und in der Gemeinde Memmelsdorf auf den Dachflächen ausreichend Solarstrom erzeugt werden kann, sei festzustellen, dass diese Zusammenhänge in der städtebaulichen Abwägung nicht berücksichtigt wurden. Des Weiteren werde der Beschluss, die hier im Boden befindlichen alten Drainagen aufzugeben, dazu führen, dass der Ackerboden seine gute Qualität verliere.
Bei einer Aufständerung der PV-Freiflächenanlage von bis zu fünf Meter und einer zusätzlichen Baumaßnahme (Wellblechplatten, etc.) zur Vermeidung von Blendwirkungen zur Autobahn könne von einer Landschaftsintegration keine Rede sein, heißt es in der Stellungnahme der Projektgegner zum Flächennutzungsplan weiter. Die Gemeinde Memmelsdorf sei aktiv am Projekt "Fränkische Toskana" beteiligt.

Keine fränkische Toskana mehr?


Damit habe man sich zur Aufgabe gemacht, die heimatliche Landschaft für den Tourismus zu repräsentieren. "Ist hier das östliche Gemeindegebiet Merkendorf/Drosendorf davon ausgeschlossen und nur das Gebiet um Schloss Seehof und in Richtung Litzendorf eingebunden?"

Der Standort südlich der Autobahn sei durch seine Fernwirkung auf das Landschaftsbild ungeeignet.
Oder als Frage formuliert: "Welche Wirkung hat die Photovoltaikanlage für die visuelle Wahrnehmung des Talraumes des Ellertales mit Schloss Seehof im Westen, Giechburg und Gügel im Osten?" Dieser Aspekt sei an keiner Stelle der Begründung und des Umweltberichtes angesprochen. Die Gemeinde Memmelsdorf habe sich offensichtlich nicht mit der gebotenen Intensität mit der Photovoltaikanlage und deren Wirkung auseinandergesetzt.

Zusammenfassend wird für eine größere Photovoltaik-Anlage im Gemeindegebiet plädiert statt mehrerer kleinerer ("Das wollen die Leute nicht"). Damit könne der Beitrag der Gemeinde Memmelsdorf zur Energiewende erbracht werden.