Nicht jede EU-Richtlinie aus Brüssel ist per se schlecht. Da wäre zum Beispiel die Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 zu nennen. Darin verpflichten sich die EU-Staaten, ihr Grundwasser in gutem Zustand zu erhalten und dort, wo das nicht der Fall ist, eine Verbesserung der Grundwasserqualität herbeizuführen. Das ist keine Bürokratenwillkür, sondern eine Vorgehensweise, die schlicht dem Umstand geschuldet ist, dass unser Trinkwasser zu 93 Prozent aus Grundwasser gewonnen wird. Das Grundwassers sollte deshalb möglichst schadstofffrei sein.

Deshalb gibt es Grenzwerte, zum Beispiel für Nitrat. Mehr als 50 Milligramm je Liter dürfen es nicht sein. Weil Nitrat, im menschlichen Körper zu Nitrit ungewandelt, Krebs erzeugen kann. Experten des Landesamts für Umwelt (LfU) schlagen jetzt Alarm.
Weil das Grundwasser besonders in Franken immer stärker mit Nitrat belastet ist und deshalb die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie nicht eingehalten werden können. Besonders nicht in weiten Teilen Unter- und Mittelfrankens. Betroffen ist jedoch auch das westliche Oberfranken und die Gegend um Hof. In einer Risikoanalyse des LfU steht es schwarz auf weiß, wo die Belastung besonders hoch ist.


Sorge ums Trinkwasser

Nitratkonzentrationen von mehr als 50 Milligramm je Liter finden sich in den Räumen Erlangen, Herzogenaurach, Bamberg, Coburg, Hof, in Ebern, Breitbrunn, Höchstadt oder Bad Windsheim, ebenso in Iphofen und in der Aschaffenburger Gegend. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Alarmiert von dieser Entwicklung sind insbesondere die Grünen. Die oberfränkische Abgeordnete Ulrike Gote fordert ein Reinheitsgebot für Oberfrankens Grundwasser und den Verzicht auf Pestizide. Um die Trinkwasserversorgung in Unterfranken sorgt sich der Aschaffenburger Abgeordnete Thomas Mütze. Weil allein im Bereich Mainbernheim bei 13 von 20 Messstellen die Nitratwerte deutlich zu hoch lagen. Im mittelfränkischen Knoblauchs-land plant ein Wasserversorger eine Osmose-Anlage, um so den Nitratgehalt im Trinkwasser abzusenken.

Hauptverursacher für die Nitratbelastung ist nach Expertenmeinung die Landwirtschaft. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass in Ackerbaugebieten bei 24 Prozent der Messstellen die Nitratkonzentration über 50 Milligramm je Liter liege, in Siedlungsflächen seien es 16 Prozent. Allein den Landwirten die Schuld für die Nitratbelastung zuzuschieben, will der Bauernverband nicht gelten lassen. Oberfrankens Bauernverbandspräsident Hermann Greif wehrt sich gegen Vorwürfe des Bundes Naturschutz, die Tierhaltung sei zu intensiv. Dem neuesten Agrarbericht für Bayern sei zu entnehmen, dass sich die Anzahl der Rinder und Schweine im Freistaat deutlich reduziert habe, so Greif. Die Behauptung, es würde zu viel Gülle ausgebracht, wäre deshalb nicht nachvollziehbar.


Kommentar: Wasser - unser kostbarster Rohstoff

Wir leben in einem an Rohstoffen außerordentlich armen Land. Ein wenig Kohle, das war's dann eigentlich auch schon. Aber es gibt Wasser, viel Grundwasser. Blaues Gold, das, weil für den Menschen unverzichtbar, in Zukunft eine immer größere Bedeutung erlangen wird. Nicht zuletzt wegen des mit dem Klimawandel zu erwartenden Wassermangels in vielen Regionen der Erde. Sauberes Trinkwasser wird ein immer kostbareres Gut. Weshalb wir peinlichst genau darauf achten sollten, unsere Ressourcen zu schonen. Da passt es überhaupt nicht ins Bild, dass gerade in Franken nach Einschätzung der Experten davon auszugehen ist, dass bei der Nitratbelastung bis zum Jahr 2021 ohne Einleitung von Gegenmaßnahmen auf 38 Prozent der Landesfläche ein guter Zustand nicht erreicht wird.

Gegenmaßnahmen heißt auf Deutsch: Die Stickstoffeinträge müssen reduziert werden. Weniger Dünger, weniger Gülle. Die Verursacher der Nitratbelastung müssen handeln. Die Thematik ist zu ernst, als dass ständig der eine mit dem Finger auf den andern zeigt und jede Schuld von sich weist.

Die Landwirte suchen die Schuldigen bei den Kommunen und deren oft maroden Kanalsystemen. Die Gemeinden wiederum schieben die Verantwortung ausschließlich auf die Bauern. Natürlich, die tragen ein gerüttelt Maß Verantwortung für die hohe Nitratkonzentration. Die Landwirte sollten deshalb zuerst auf eine Düngung im Herbst verzichten, mehr Ackerfläche in Grünland umwandeln und Lagerkapazitäten für Wirtschaftsdünger schaffen.

Wenn dann auch noch die Kommunen die Sanierung ihrer Kanäle in Angriff nehmen, hat unser Leitungswasser auch in Zukunft Mineralwasserqualität.