Großes hat die Firma Dietz Baugesellschaft mit dem Gelände der ehemaligen Dietz-Bräu zwischen Mühlweg und Marktplatz vor. Das Unternehmen präsentierte ein Nutzungskonzept für das Areal am Oberen Tor, das Gastronomie, Gewerbebetriebe sowie Wohnungen für Senioren und Familien unter einem Dach vereint. Der Titel des Vorhabens, dessen Kosten sich zwischen fünf und sechs Millionen Euro bewegen, ist ebenso sperrig wie verheißungsvoll: "Dietz Bräu - Leben und Wohnen auf und um die Stadtmauern Weismains".

Das künftige Wohn- und Geschäftsgebäude soll das bisher in Weismain fehlende Mehrgenerationenhaus werden, in dessen Obergeschossen betreutes Wohnen für Senioren ebenso Platz finden soll wie Eigentums- und Mietswohnungen; es wertet den Stadtkern auf mit Einzelhandels- und Verkaufsflächen sowie Gastronomiemöglichkeiten im Erdgeschoss; eine Tiefgarage beseitigt Parkplatznot in dem Bereich. Außerdem wird ein gut 30 Meter langer Teil der historischen Stadtmauer, der derzeit verborgen ist, im Zuge des Umbaus freigelegt. "Und nicht zuletzt beseitigen wir einen Schandfleck", erklärte Dietz-Bau-Geschäftsführer Andreas Dietz bei der Pressekonferenz im Rathaus. Damit meint er den wenig einladenden Zustand des über 100 Jahre alten Brauereigebäudes, das seit mehr als 25 Jahren ungenutzt ist.

Das Konzept sehe vor, weite Teile des Komplexes mit seinem zirka 10.000 Kubikmetern umbauten Raums abzureißen. Wie Juniorchef und Prokurist Christian Dietz verriet, laufen die Vorbereitungen bereits seit mehr als einem Jahr. Er berichtete von intensiven Verhandlungen mit dem Amt für Denkmalpflege, der Städtebauförderung, der Regierung von Oberfranken und dem Landratsamt. Dabei sei vereinbart worden, dass der geplante Neubau an das geschichtsträchtige Gebäude erinnern solle und deshalb dreistöckig ausfällt: "Aus der Industrieruine wird ein Industriedenkmal." Auch die 250 Jahre alte Fachwerkfassade in Richtung Marktplatz bleibt erhalten.In punkto Raumaufteilung und endgültige Nutzerzahl wollte sich Christian Dietz, der das Konzept in nächster Zeit auch dem Stadtrat vorstellen will, nicht festlegen. Ebenso wie sein Vater Andreas verwies er auf den Entwurfscharakter der Pläne.

Eineinhalb Jahre Bauzeit

Es werde jedoch angestrebt mit dem Abriss noch Ende dieses Jahres zu beginnen, die Bauzeit werde eineinhalb Jahre betragen. Feststehe, dass der Multifunktionsbau mit zirka 8800 Kubikmetern umbautem Raum etwa 2500 Quadratmetern Nutzfläche aufweisen werde.

Erste Beratungen mit potenziellen Käufern seien bereits positiv verlaufen. Im Auge haben die Dietz' unter anderem den Einzug eines Metzger-Verkaufsraums, eines Bio- oder "Tante-Emma-Ladens" sowie einen Werkstatt- und Verkaufsraum für einen Weismainer Betrieb. Auch ein karitativer Partner für das betreute Wohnen sei gefunden. Die Bauherren stellten klar, dass keine direkte Konkurrenz zu bestehenden Läden in Weismain geschaffen werden solle.

Gastro-Konzept klar

Weit fortgeschritten sind die Planungen in Sachen Gastronomie. Georg Bunzelt, Inhaber der "Schänke im Oberen Tor", unterstrich sein Interesse daran, das Lokal zu erweitern. Für die Dachterrasse sei eine Erweiterung vorgesehen, zusätzlich könnte er im Neubau-Erdgeschoss das derzeit geschlossene "Dietz-Bräu-Stüberl" wieder mit Leben füllen.

"Ohne die Beharrlichkeit des Bürgermeisters wäre das Vorhaben nicht bis hierher gereift", unterstrich Andreas Dietz das Engagement Udo Dauers, der auch den "ausschlaggebenden Punkt" auf den Weg gebracht habe: "Ohne den Beschluss zur Umgehung und die zu erwartende Verkehrsberuhigung am Oberen Tor hätten wir nie etwas unternommen", versicherte der Geschäftsführer.

Dauer zeigte sich erleichtert, dass nach jahrzehntelanger erfolgloser Suche nach einer Nutzungsmöglichkeit mit der Firma Dietz ein Investor gefunden wurde. Dauer zufolge hatte das örtliche Bauunternehmen bereits in der Vergangenheit ein Auge auf die Räumlichkeiten geworfen; dies habe er jetzt wieder aufgegriffen, nachdem die Inhaberin auf ihr Eigentum verzichtete und der Komplex zum Teil herrenlos geworden sei.