Erzbischof Ludwig Schick hat bei der Einweihung des Bamberger Frauenhauses betont, dass es solche Einrichtungen eigentlich nicht geben sollte. "Aber Gott sei Dank gibt es sie", fügte er hinzu. Christen seien Realisten und wüssten, dass es leider häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder gebe. "Als Kirche stehen wir ihnen bei, gewähren Schutz und Hilfe für Leib und Seele und versuchen zugleich, die Wurzeln der Gewalt zu beseitigen", sagte Schick jetzt bei der kleinen Segnungsfeier zur Wiedereröffnung nach der zweijährigen Generalsanierung des Hauses, das vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) getragen wird und seit 1976 im Besitz der Erzdiözese ist.

Scharf verurteilte der Erzbischof häusliche Gewalt: "Wir müssen sie ächten." Zugleich sei es notwendig, Frauen in ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Wehrhaftigkeit zu stärken. "Männer sind schwach, wenn sie gewalttätig werden", stellte Schick heraus. Es brauche eine angemessene Bestrafung, die abschreckend wirke. Zugleich dankte Schick der früheren langjährigen Leiterin Ursula Weidig und erbat für die neuen Leiterin Bettina Hainke Gottes Segen.

Gefühl der Unsicherheit

Simone Stroppel, Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF), warf bei dieser Gelegenheit einen Blick zurück auf die zurückliegenden zwei Jahre "im Exil". Der Umzug in eine Nachbargemeinde Bambergs hatte bei den Frauen und den Mitarbeiterinnen Unsicherheit hervorgerufen. Der Schutz, der im Bamberger Haus gewährleistet war - zum Beispiel durch Maßnahmen, die das Betreten des Geländes und das Einsehen verhindern - fehlten, auch eine Videoüberwachung am Geländezugang. Zum Glück, so berichtete Stroppel erleichtert, habe es nur wenige Störfälle gegeben. Umso mehr freue man sich auf die "alte neue" Heimat in Bamberg.

Dort wird nun ein neues Nutzungskonzept umgesetzt. Die Zuflucht suchenden Frauen leben nun in kleinen Wohneinheiten mit einer Gemeinschaftsküche, die auch als Treffpunkt dient. Es gibt aber auch einen Gemeinschaftsraum sowie mehr Sanitärräume als zuvor. Büro und Beratungszimmer befinden sich nun außerhalb des Wohnbereichs.

Simone Stroppel bedankte sich, dass die Nutzung als Frauenhaus nie in Frage gestellt worden sei. Zugleich verwies sie auf die vielen großen und kleinen finanziellen und Sachspenden und Zuweisungen unterschiedlichster Stiftungen, die beim SkF eingegangen seien.

Hilfe für über 2000 Frauen

Das Bamberger Frauenhaus besteht seit 1986 und war das erste in Oberfranken. Die Adresse ist anonym. Seit seiner Gründung haben mehr als 2000 Frauen mit ihren Kindern in dem Haus Schutz und Hilfe gesucht und gefunden. Im vergangenen Jahr lebten dort 34 Frauen und 38 Kinder. Die Verweildauer schwankte zwischen zwei Wochen und über sechs Monaten. Während einige Frauen nach ihrem Aufenthalt wieder zurück zum Partner gingen, starteten drei Mal so viele in einer neuen Wohnung oder in ihrer vorherigen Wohnung ein eigenständiges Leben ohne den Partner.

Kontakt

Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt sind, können sich rund um die Uhr melden unter Telefon 0951/58280. E-Mail-Kontakt: frauenhaus@skf-famberg.de.