"Extrablatt, Extrablatt!", ruft Niklas. Der Achtjährige drückt Landrat Johann Kalb (CSU) zur Begrüßung eine Zeitung in die Hand. Kalb kam am Freitag mit anderen Gästen aus Politik, Wirtschaft und der Zeitungsbranche zur offiziellen Einweihung des neuen Druckzentrums der Mediengruppe Oberfranken (MGO). Begrüßt wurden sie alle mit dem Extrablatt, das Niklas und die anderen "Zeitungsjungen" vor dem Medienhaus in der Gutenbergstraße verteilten.

Es war eine Erstausgabe des Bamberger Tageblatts aus dem 19. Jahrhundert, das aussah, wie es damals eben aussah: mit viel Blei - keinen Bildern. Mit Bleisatz werden Zeitungen schon lange nicht mehr gedruckt. Die Zeitung ist inzwischen wesentlich bunter geworden. Und sie hat Konkurrenz durch das "Internetz" bekommen, wie es MGO-Produktionschef Oliver Diller in der Rolle als Johannes Gutenberg, dem Erfinder des Buchdrucks, beim Festakt ausdrückte.
Die Gäste erlebten eine Zeitreise, die veranschaulichte, dass mit Gutenberg eine Medienrevolution begann, die heute enorm an Fahrt aufgenommen hat. MGO-Geschäftsführer Walter Schweinsberg verdeutlichte, dass Medienunternehmen heute mit der Zeit gehen müssten. Das unterstrich auch der Festredner Lukas Kircher, der als Zeitungsdesigner dafür verantwortlich zeichnet, dass sich Zeitungen wie der Fränkische Tag in den vergangenen zehn Jahren optisch verändert haben.

Was geblieben ist von Gutenberg, wurde auch schnell deutlich: "Wir brauchen weiterhin relevante Inhalte", sagte Kircher in seiner Rede. Geschäftsführer Schweinsberg ging angesichts der Krise der Zeitungen auch auf die Zukunft der Druckbranche ein: "Sorge ist nicht unangebracht, aber man muss keine Angst haben." Journalismus wird es nach wie vor geben. Es wurde deutlich: Die Zeitung ist in Sachen Qualität Vorbild für alle Produkte, die nun entwickelt werden.


Standort im Herzen Oberfankens

Jörg Schild-Müller, Chef der MGO-Druckereien, sprach von einem der modernsten Druckzentren Deutschlands, das nun eingeweiht wurde. Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) lobte das Engagement der Verlagsgruppe: "Die Investition ist ein Bekenntnis zum Druckerzeugnis und eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts Bamberg." Lange sah es so aus, dass die Mediengruppe gemeinsam mit anderen Medienhäusern ein Druckzentrum bei Lichtenfels bauen wird.

Dass es nun Bamberg wurde, freute nicht nur OB Starke. Lob kam auch von Oberfrankens IHK-Präsident Heribert Trunk, der den Standort im Herzen Oberfrankens als die richtige Wahl bezeichnete. "Das Unternehmen wächst mit hohem Tempo in die Tiefe und die Breite, verliert dabei aber seine Bodenhaftung nicht", sagte Helmuth Jungbauer, Alt-Verleger des Fränkischen Tags.

Die Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Redaktionssparte in der MGO, Simone Bastian, freute sich ebenso über das Bekenntnis des Unternehmens: "Wir gehen davon aus, dass Qualitätsjournalismus bei der Mediengruppe auch in zehn Jahren einen hohen Stellenwert hat."

Nach dreijähriger Projektlaufzeit war das neue Druckzentrum Oberfranken (DZO) mit dem markanten roten Turm am 15. April 2015 erstmals in Betrieb gegangen. Am Ende des Festakts kamen auch die Gäste in den Genuss eines frischen Produkts aus der neuen Druckerei: Niklas und die anderen Zeitungsjungen verteilten die gedruckte Festbeilage unter den Gästen. Und Gutenberg ging mit dem Smartphone in der Hand von der Bühne. sem