Bamberg
Gärtnermuseum

Neue Ausstellung im alten Museum

Das Haus in der Mittelstraße 34 wird bis zur Landesgartenschau in ein "modernes" Museum umgewandelt.
Im Gärtner- und Häckermuseum haben die Handwerker Einzug gehalten. Hier die beiden Schreiner Jonas Worms (links) und Werner Worms (rechts) mit Andreas Pietsch, der für die Ausstellungsarchitektur zuständig ist. Foto: Ronald Rinklef
Draußen am Tor hängt ein Schild "Wegen Umbau geschlossen", drinnen ist fast alles leergeräumt. Das Auge hat nicht mehr viel Auswahl. Es bleibt an den Schablonenmalereien hängen, am Kamin in der "Schwarzen Küche", an der heute abenteuerlich wirkenden elektrischen Verkabelung und - natürlich - an der typischen Architektur eines Bamberger Gärtnerhauses: Tor in der Mitte, Fenster links und rechts davon, Schleppgauben auf dem Dach.
Das 32 Jahre alte Gärtner- und Häckermuseum in dem fast 250 Jahre alten Haus Mittelstraße 34 ist zum größten Teil ausgeräumt worden, um sich für die Zukunft als "modernes" Museum zu rüsten. Ab dem 22. April, an dem es wieder eröffnet werden wird, soll es möglichst viele Besucher der Landesgartenschau anziehen, so der Plan von Ulrike Laible, der Leiterin des Zentrums Welterbe Bamberg.
Die Gäste sollen aber nicht nur staunen über das Leben und die Arbeit von Landwirten, deren Felder mitten in der Stadt liegen: Sie sollen möglichst viel Wissen über die Bedeutung dieses Berufs- und Sozialstandes für das gesellschaftliche Zusammenleben, das Wirtschaftsleben und die daraus resultierende städtebauliche Struktur Bambergs mit nach Hause nehmen - denn schließlich ist die Stadt auch wegen seiner Gärtnerviertel zum Welterbe ernannt worden.
Es geht deshalb weniger darum, das Haus äußerlich herauszuputzen. Außer notwendigen Instandsetzungs- und behutsamen Restaurierungsmaßnahmen sowie dem Einbau neuer Toiletten und der Neugestaltung des Gartens wird sich baulich kaum etwas ändern, wohl aber an der Ausstellung, für deren Konzeption der Museumswissenschaftler Hubertus Habel verantwortlich ist. In einem ersten Schritt hat er in den vergangenen Monaten den Bestand und die Eigentumsrechte an jedem Exponat wissenschaftlich erfasst. Für Pankraz Deuber, den Vorsitzenden des Gärtner-und Häckervereins, dem das Museum gehört, war die Inventarisierung sehr aufschlussreich: "Manches Gerät ist vierfach vorhanden!"
Auf Grundlage des Inventars bereitet Habel die neue Ausstellung vor. "Didaktische Vermittlung" heißt das Zauberwort. Es bedeutet, dass die Besucher auf eingängige Weise möglichst viel über die Bamberger Gärtner und Häcker und ihren Einfluss auf die Stadt erfahren sollen.
Das Museum soll ein modernes Gesicht bekommen, sagt Habel, "aber behutsam". Die Zahl der Exponate wird deutlich verringert werden: Etwa 70 Prozent aller Gegenstände im Besitz des Museums werden im Depot bleiben. Dafür sollen die übrigen Ausstellungsstücke um so anschaulicher präsentiert werden. Ein Audio-Guide ist in Arbeit sowie Video-Sequenzen, in denen Besonderheiten erklärt werden: Ein Film wird zeigen, wie Prozessionsstäbe, -figuren und Fahnen in den Prozessionen als Objekte religiösen Brauchtums und Ausdruck eines stolzen Berufsstandes durch die Stadt getragen werden. Habel hat die Erfahrung gemacht: "Die meisten Besucher wissen doch gar nicht, was eine Fronleichnamsprozession ist."
Als neuer Aspekt kommen in der Ausstellung die Handelsbeziehungen der Bamberger Gärtner hinzu. Sämereien, Süßholz-wurzeln, getrocknete Gewürze und Gemüse waren einst Exportschlager.
Neu angelegt ist bereits der Garten. Die Beete wurden in der Mitte angeordnet. Darum herum führt ein bequemer Rundweg, der auch Rollstuhlfahrern einen Besuch ermöglicht. Sitzgelegenheiten im Garten und ein kleiner Museumsshop sollen das Gärtner- und Häckermuseum vervollständigen. Rund 400 000 Euro werden investiert, wobei die Summe auch die Einrichtung eines dauerhaften Depots beinhaltet. Das Geld kommt aus mehreren Quellen, darunter das Investitionsprogramm Nationale Unesco Welterbestätten, die Oberfrankenstiftung, die Landesstelle für die Nichtstaatlichen Museen in Bayern, der Bayerische Kulturfonds und die Bayerische Landesstiftung.
Während der Landesgartenschau wird sich das Museum keinen Ruhetag gönnen und täglich von 14 bis 20 Uhr geöffnet sein. Das zusätzliche Geld dafür kommt von der Landesgartenschau GmbH.
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