Melkendorf
Umbau

Neue Aufgabe für die alte Schule

Melkendorfer Bürger zeigten Initiative, renovierten das alte Schulgebäude und funktionierten es zum Gemeinschaftshaus um.
Bettina Hämmer, Fred Winkler und Gerhard Pickel (von links) sind nur einige der fleißigen Helfer, die beim Bau beteiligt waren. Hier stehen sie in einem der zwei umgebauten ehemaligen Zimmer des Schulhauses. Fotos: Michael Gründel/privat
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Modriger Geruch, staubige Luft, fleckige, durch Ölöfen ruinierte Linoleumböden, verschimmelte Wände und eine mit ausgedienten Kopierern und Bauschutt zugemüllte Werkkammer - eine angenehme Umgebung sieht anders aus. Melkendorfs Bürger waren überrascht, als sie vor einem Jahr die alte Schule betraten. Sie hatten sich vorgenommen, das seit 2006 ungenutzte Schulhaus in Eigenregie zu renovieren. Das 1915 errichtete Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Mit einem derartig hohen Arbeitsaufwand hatten die Bürger aber nicht gerechnet. "Wir dachten, wir gehen rein, streichen und sind fertig", erinnert sich Monika Neundörfer, Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereines. "Zum Glück wussten wir damals nicht, was auf uns zu kommt."
Konkreter Anlass für die Umbaupläne: Es fehlte ein angemessen großer Vereinsraum für den Obst- und Gartenbauverein, in dem viele der freiwilligen Bauhelfer Mitglied sind. Gleichzeitig überlegte die Gemeindeverwaltung, das leerstehende Schulgebäude zu verkaufen; beispielsweise an eine Firma, die es zum Fliesenlager umfunktionieren wollte.

"Wir hätten eine derartige Zweckentfremdung unserer Schule schade gefunden", erzählt Rentner Gerhard Pichler. Schließlich drückten fast alle freiwilligen Bauhelfer selbst noch in diesen Räumen die Schulbank: Sowohl der älteste Helfer (der 72-Jährige Ehemann Neundörfers), als auch der mit 14 Jahren Jüngste. Die Gemeinde hat dann beschlossen, dass aus den beiden Zimmern der Schule ein Vereinsraum und ein von allen Melkendorfern nutzbarer Raum werden sollte.

Einige Rückschläge


Aber der Weg zum neuen Treffpunkt war steinig. Weil das Gebäude vier Jahre lang leer stand, befanden sich die Schulräume in sehr schlechter Verfassung. "Seit 2006 wurde das Haus ja nicht mehr beheizt", erklärt Elektriker Armin Jauernik. Es bildete sich Schimmel an den Wänden, die Fenster faulten an. Die alten elektrischen Leitungen mussten erneuert werden. Besonders schwierig war die Befestigung der Deckenleuchten und der Heizkörper, da man durch dichte Schichten von Putz hindurchbohren musste, so Jauernik. Dann der Schock: Ein kurzfristiger Baustopp musste eingelegt werden, weil sich die Dachrenovierung als äußert schwierig erwies. Aber sogar davon ließen sich die Melkendorfer nicht entmutigen - sie lösten alle Probleme.

Alle sind sich einig: Trotz der unvorhergesehenen Schwierigkeiten hatte man viel Spaß während der Zusammenarbeit. "Immer samstags war Hauptarbeitstag. Unter der Woche leisteten die Rentner kleinere Vorarbeiten", fasst Gerhard Pichler zusammen. Danach machte man noch gerne gemeinsam Brotzeit. Und so manchen Helfer zog es nach der Rückkehr aus dem Urlaub zuerst ins alte Schulgebäude, wo er sich über den neuesten Stand der Baumaßnahmen informierte. Die 6000 Stunden freiwillig geleisteter Arbeit führten zwar zu erheblichen Freizeitengpässen. Dennoch kam insbesondere ein Kern von 30 Mithelfern immer wieder und das Gemeinschaftsgefühl wuchs bei Schweißarbeiten und Bauschuttentsorgung.

Aber nicht nur Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins halfen mit - sogar die Jugendlichen des Dorfes erklärten sich zum Fensterabschleifen bereit. Für technische Details standen den fleißigen Bürgern Architekt und Ingenieurbüro zur Seite. Das Geld für die Sanierungsmaßnahmen kommt von der Gemeinde Litzendorf. Abschließende Zahlen liegen aber noch nicht vor.

Werkkammer wurde zur Küche


Heute sind die Helfer stolz auf ihre Bauleistung. Ein Raum steht hauptsächlich dem Obst- und Gartenbauverein zur Verfügung, der zweite ist schon mit Billiardtisch, Kicker, Fernseher und Sofa für die Freizeitgestaltung ausgestattet. Er kann und soll von anderen Vereinen genutzt werden, für Treffen der Ministranten- oder Jogagruppe, des Wirbelsäulengymnastikkurses der Volkshochschule oder für Jugendfeiern. Möglich sind auch Veranstaltungen, für die gekocht werden muss, denn die alte Werkkammer der Schule wurde zur modern ausgestatten Küche umfunktioniert. Ins Auge fällt die Natursteinheizung. Die an den Wänden angebrachten Steinplatten erhitzen sich durch Heizkabel.

Sowohl die Garderobe im Gang, als auch die Toiletten blieben weitgehend erhalten. Sogar die Kleiderhaken und Klosett-Türschilder sind noch Originale aus dem Schulhaus. "Das kann bei Besuchern schon mal zu Irritationen führen", schmunzelt Monika Neundörfer. Während der Einweihungsfeier suchte eine Frau vergeblich die Damentoilette - denn an der Tür prangt noch das schultypische Schild "Mädchen".

Die Arbeiten sind abgeschlossen. Dass die Schule endlich wieder sinnvoll genutzt wird und "lebt", freut auch den langjährigen Lehrer, Wolfgang Kratz. Er fühlte sich der Schule sehr verbunden und stattete dem neuen Gemeinschaftshaus schon seinen Besuch ab.

Jetzt wollen sich die engagierten Bürger aber erst einmal um die "Baustellen zuhause" kümmern. Armit Jauernik erinnert sich: "Während der Bauzeit hatte ich quasi mein gesamtes Werkzeug in den Gebäuderäumen; da blieb im eigenen Haus viel Arbeit liegen."
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