Die Führungskräfte im Nürnberger Polizeipräsidium waren unmittelbar nach den Pariser Anschlägen alarmiert worden. Zusammen mit den Fachdienststellen und im Kontakt mit dem Innenministerium hatte man die Lage - soweit bekannt - analysiert, die Gefährdungslage für Mittelfranken bewertet.

Elke Schönwald, Pressesprecherin der Polizei Mittelfranken stellte dazu fest:"Die Bundessicherheitsbehörden sprechen von einer erhöhten abstrakten Gefährdung für das ganze Land. Speziell für Mittelfranken liegen derzeit aber keine Hinweise auf konkrete Gefährdungen vor".

Von einem Dienst nach Vorschrift ist man dennoch weit entfernt. So seien alle Beamte zu erhöhter Aufmerksamkeit aufgerufen worden. Auch dazu, bei der Eigensicherung größte Aufmerksamkeit walten zu lassen, also beispielsweise im Einsatz schusssichere Westen zu tragen. Sensible Bereiche wie Bahnhöfe, U-Bahn oder den Nürnberger Flughafen habe man natürlich besonders im Auge. Auf Fragen nach verstärktem Polizeieinsatz oder zusätzlicher Bewaffnung der Einsatzkräfte wollte die Polizeisprecherin nicht eingehen. Das weitere Vorgehen der Polizei sei letztlich auch abhängig von den Ergebnissen der Pariser Ermittlungen, so Schönwald.


Verdächtige genauer überwacht

Ihr Bayreuther Kollege Jürgen Stadter sieht die Situation für Oberfranken ähnlich. Man habe sich auf die erhöhte Gefährdungslage eingestellt. So seien alle Dienststellen darauf hingewiesen worden, vorhandene Schutzeinrichtungen auch zu nutzen. Angesichts der Lage und des zur Verfügung stehenden Personals konzentriere sich die Polizei verstärkt auf das Thema Sicherheit. Ein besonderes Augenmerk lege man dabei auf den Schutz der Flüchtlingsunterkünfte.

Laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) würden zudem die als Gefährder bekannte Personen noch genauer überwacht. "Die Terrorgefahr ist abstrakt auch in Bayern weiterhin hoch", so Herrmann.
Weiterreichende Sicherheitsvorkehrungen, zum Beispiel für die demnächst ihre Pforten öffnenden Weihnachtsmärkte, seien allerdings nicht vorgesehen. Auch nicht auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt, wo man heuer wieder in der Vorweihnachtszeit gut zwei Millionen Besucher erwartet. Derzeit laufen hier die Aufbauarbeiten auf Hochtouren. Die Leiterin des Nürnberger Marktamts, Christine Beeck, verweist auf ein bereits seit Jahren bewährtes Sicherheitskonzept. Polizeisprecherin Elke Schönwald ergänzt, dass man in Nürnberg schon öfters auf dem Hauptmarkt mit einer erhöhten Gefährdungslage konfrontiert gewesen sei. Aus diesem Grund würden uniformierte wie zivile Einsatzkräfte in der kleinen Budenstadt für die nötige Sicherheit sorgen. Dazu halte man die angrenzenden Straßen als Fluchtwege und Zufahrt für Rettungsfahrzeuge frei.


Alarmsystem warnt Händler

Beeck wies zudem darauf hin, dass man in Nürnberg seit einigen Jahren zusätzlich über ein eigenes Alarmierungssystem für die Marktbeschicker verfüge. Die etwa 200 Händler könnten bei Gefährdungslagen via SMS binnen kürzester Zeit gewarnt werden. Die Händler selbst seien nach den Pariser Ereignissen allenfalls "wachsam besorgt", hieß es.