Der mutmaßliche Entführer und Mörder der 17-jährigen Anneli-Marie aus Sachsen ist nach Überzeugung von Ermittlern zuvor mit der Erpressung einer Supermarktkette um 1,2 Millionen Euro gescheitert. Polizisten in Baden-Württemberg zeigten sich am Donnerstag überzeugt davon, dass Markus B. im Juli bei einer Supermarktkette anrief und drohte. Ein Experte habe sich nach dem Vergleich der teils aufgezeichneten Telefonate schnell festgelegt, dass es derselbe Mann wie im Fall Anneli gewesen sei, sagte der Heilbronner Kriminaloberkommissar Kurt Hammer vor dem Landgericht Dresden. Auch Norbert K., mutmaßlicher Komplize bei der Anneli-Entführung, habe B. als Anrufer identifiziert.

Die Männer sind wegen erpresserischen Menschenraubes mit Todesfolge angeklagt, B. zudem wegen Mordes. Der 40-Jährige und der 62 Jahre alte K. sollen die Unternehmertochter am 13. August 2015 nahe ihres Elternhauses in Robschütz bei Meißen verschleppt und von ihrem Vater Lösegeld gefordert haben - ebenfalls 1,2 Millionen Euro. B. verlangte dabei eine Online-Überweisung. Anneli-Marie wurde tags darauf im Versteck der Entführer in einem Nachbarort erdrosselt - mit zwei Kabelbindern und einem Spanngurt.

Drei Wochen zuvor hatte der Supermarkterpresser mit präparierten Produkten in Filialen und einer "Ätherbombe" gedroht. Der Konzern sollte ein Offshorekonto in Malta einrichten und nach erfolgter Überweisung eine Anzeige in der "Stuttgarter Zeitung" mit folgendem Wortlaut aufgeben: "Für Onkel Meier alles Gute mit Kontonummer". Als ihm die Dame sagte, dass ihre Firma solche illegalen Transaktionen nicht tätige, legte der Mann nach Angaben der Ermittler auf - und meldete sich nicht wieder.

Nachdem die Heilbronner Ermittler am 18. August zufällig im Radio vom Fall Anneli hörten, kontaktierten sie die Dresdner Kollegen - wegen "der Duplizität der Forderungen" hinsichtlich der Summe und der Modalitäten des Geldtransfers, wie Hammer vor Gericht erklärte. Auch die Herkunft der Anrufe - von der Telefonzelle an der Raststätte Vogtland-Nord an der Autobahn 72 und einem im Bereich Erlangen eingeloggten Handy mit falscher Identität - passten zu dem Beschuldigten, dieser habe dazu aber nichts gesagt.