Antje Yael Deusel hat einen Wunsch. Die angehende Rabbinerin, die am 23. November ordiniert wird, bat am Jahrestag der Reichspogromnacht, in der die Judenverfolgung der Nationalsozialisten in eine neue, schreckliche Phase trat: "Möge eine solche Zeit nie wieder kommen. Mögen die Opfer nicht umsonst gewesen sein."
Vor rund 500 Teilnehmern der Gedenkfeier sprach sie das Kaddisch-Gebet auf dem Platz, an dem bis zum 9. November 1938 die vierte Bamberger Synagoge stand und der heute Synagogenplatz heißt.

Oberbürgermeister Andreas Starke erinnerte in seiner Ansprache daran, dass Willy Lessing, der damalige Vorsitzende der Gemeinde, von SA-Leuten brutal niedergeschlagen wurde, als er versuchte, die Thorarollen aus der brennenden Synagoge zu retten.

Lessing starb später an den schweren Verletzungen. Zynischerweise, so Starke weiter, seien die Kosten für die Beseitigung der Ruine Monate später der jüdischen Gemeinde auferlegt worden.

Starke findet Gedenkveranstaltungen wie diese "ungeheuer wichtig", weil sie mit dem Versprechen verknüpft seien, die demokratischen Prinzipien zu achten und zu verteidigen. Sie reichten aber nicht aus. Nötig sei eine starke Zivilgesellschaft, die wachsam auf jeden Versuch von Ausgrenzung reagiere. Eine Gesellschaft, die erkenne, dass ein Angriff auf eine Minderheit in Deutschland ein Angriff auf die Gesellschaft als Ganzes sei.

Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Heinrich Olmer, stellte sich und seinen Zuhörern die Frage, ob ein Pogrom wie dieses in der heutigen globalisierten Welt noch einmal möglich wäre.

Olmer wägte ab, nannte die zunehmende nationalistische Weltanschauung in Ländern wie Indien, den USA, aber auch in europäischen Staaten wie den Niederlanden, Schweden und Ungarn als negative Beispiele.

Auf der anderen Seite gebe es auch Hoffnung. Olmer nannte den Mauerfall in Deutschland und die großen demokratischen Bewegungen in den arabischen Ländern - selbst wenn derzeit in Libyen für die Zukunft nichts Gutes zu erahnen sei. Dass mit Navid Kermani erstmals ein Muslim die Buber-Rosenzweig-Medaille erhalten hat, stimmt ihn besonders zuversichtlich. "Das Verständnis für Vielfalt ist in dieser Generation angekommen, und das macht Mut."

Der Vorbeter der Gemeinde, Chasan Arieh Rudolph, sang die Namen der großen Konzentrationslager, in denen Juden umgebracht wurden. Zum Abschluss legten Starke und Olmer Kränze nieder.