Kindergarten und Rathaus sind gerade erst saniert, da wagt sich Pettstadt schon ans nächste Strukturprojekt: Mitten im Dorf soll ein "Wohlfühlhaus" für rüstige alte Pettstadter gebaut werden. Als ersten Schritt hin zu diesem Ziel beschloss der Gemeinderat in seiner Sitzung die Aufstellung eines qualifizierten Bebauungsplans für das Areal zwischen Fabrikstraße, Viertelshof und Kinderheim St. Marien.

Gleichzeitig wurde für die Dauer von zwei Jahren über diese teils bebaute, teils brachliegende Fläche eine Veränderungssperre verhängt. Die Eigentümer der davon betroffenen Immobilien dürfen bis Juni 2014 höchstens ausnahmsweise und im Einvernehmen mit der Gemeinde und dem Landratsamt etwas bauen oder abreißen. Man möchte nicht auf den letzten Drücker ein privates Projekt verwirklicht sehen, das dem Bau eines Seniorenwohnheimes im Wege stehen würde.

Bürgermeister Jürgen Schmitt (FW) hat in Sondierungsgesprächen mit Trägern der freien Wohlfahrtspflege Interesse verspürt, sich in Pettstadt zu engagieren. Allerdings sei klar, dass die 2000-Einwohner-Gemeinde zu klein ist, um darin ein Heim für Hochbetagte oder Pflegebedürfte zu errichten. Für die Zukunft Pettstadts wäre es aber wichtig, den älteren Dorfbewohnern wenigstens ein komfortables Zuhause in der Nähe ihrer Verwandten und Freunde zu bieten.

Dem Bürgermeister schwebt ein Gebäudekomplex mit seniorengerechten, attraktiven Appartements in zwei Größen vor: Einzelappartements mit 45 oder Zweiraumwohnungen mit 60 Quadratmetern. Zur Versorgung und Betreuung der Bewohner hofft Schmitt schon heute auf ehrenamtliches Engagement der Dorfbewohner: "Nachbarschaft ist bei uns das ganze Dörfla."

Der fortschreitende demografische Wandel lässt in Pettstadt bis zum Jahr 2030 die Zunahme der Bewohner über 65 Jahre um bis zu 89 Prozent erwarten, also fast eine Verdoppelung ihres Anteils. Das haben wiederholte Untersuchungen der Bevölkerungsentwicklung auf Kreisebene ergeben. Danach gehört Pettstadt zu den wenigen Gemeinden im Bamberger Land, denen ein Einwohnerzuwachs zugetraut wird: um 4,5 Prozent bis 2029 auf dann 2060 Einwohner.

Dafür müssen die alten Pettstadter aber möglichst in ihrer Heimat wohnen bleiben (und Neuansiedler gewonnen werden). Den Lebensabend verbringen in einem behindertengerechten Wohnhaus mit zentralen Einrichtungen für Versorgung und soziale Kontakte; in komfortablen Kleinwohnungen und in fußläufiger Entfernung zum Einzelhändler oder Friseur, zu Kirche und Gasthaus, zur Bushaltestelle oder auch zum Kindergarten.

Passgenau zu diesem Anforderungskatalog liegt in Pettstadt ein Areal von Hinterhöfen, ehemaligen oder noch für den Gemüseanbau genutzten Bauerngärten, Brach- und Wiesenland. Es wird von einigen Schleichwegen durchzogen. Ohne einen pfiffigen Bauleitplan kann diese gesamte städtebaulich interessante Fläche verkehrstechnisch weder erschlossen noch sinnvoll genutzt werden. Mehrere, aber (noch) nicht alle Grundeigentümer stehen dem Vorhaben positiv gegenüber. Bürgermeister Schmitt zeigte sich dafür dankbar: "Ein Glücksfall, dass wir hier Bauland bekommen können!" Weitere Grundstücksverhandlungen müssen freilich noch geführt werden.

Bestärkt wurde der Gemeinderat durch den Städteplaner Leonhard Valier aus Bamberg, der den Sommer über einen Bebauungsplan für ein "allgemeines Wohngebiet" entwerfen soll. Er erhielt den vorläufigen Namen "Dorfetter" nach einer ortstypischen Bezeichnung für das Areal. Valier vertritt die Ansicht, dass "die Zeit von Bebauungsplänen für die grüne Wiese vorbei" sei. Es gelte heute, den Bestand, also die Bausubstanz einer Gemeinde, an Wert zu erhalten oder überhaupt wieder in Wert zu setzen.

Dabei verwies der Städteplaner auf die meist sehr schmalen Grundstücke an der Fabrikstraße, die bei Einhaltung der gesetzlichen Abstandsflächen in Zukunft kaum noch bebaubar wären. Erst mit Hilfe eines neuen Bebauungsplans könnten wieder neue bauliche Entwicklungen ermöglicht werden. Deshalb sollen auch die Grundstücke überplant werden, die irgendwann im vorigen Jahrhundert mit eher geringer Weitsicht bebaut worden sind. Unter anderem gilt es, Probleme mit Grenzbebauung zu lösen.