Mittlerweile gehört das Westernreiten hierzulande zu den Trendsportarten, die letzte Europameisterschaft der Appaloosa (Pferderasse, Anm. d. Red.) hatte 27 deutsche Teilnehmer. Eine davon holte dort schon mehrmals Gold - und studiert an der Uni in Bamberg: Nicola Groh aus Pödeldorf.

An der Ausleihtheke der Bibliothek ist man skeptisch, als wir mit Cowboyhut und einem Koffer in Richtung der Bücher aufbrechen wollen. "Keine Taschen im Bereich der Regale!" Es gehe um Fotos für ein Studentenporträt in der Zeitung, erklären wir, die Dame sei Westernreiterin. Der Bibliothekar drückt ein Auge zu, schließlich unterstützt die Uni ihre Spitzensportler.

Als "Partnerhochschule des Spitzensports" ist sie bemüht, Studium und Training vereinbar zu machen. In Nicolas Fall: das Staatsexamen und drei Stunden täglicher Arbeit mit ihrem Pferd - Suspicionofexecutive, genannt Jack.
31 Medaillen stehen am Ende von sechs Europameisterschaftsteilnahmen, regelmäßig ist das Gespann in der internationalen Top 10 der Westernreiter vertreten, WM-Qualifikationen inklusive.

Im Alter von fünf Jahren begann die Reitlaufbahn der Pödeldorferin, mit neun folgte der Wechsel zum Westernreiten, dem sie seitdem mit ganzem Herzen verbunden ist. Im Buttenheimer Stall wird ihr treuer Wallach täglich besucht, gepflegt und trainiert, alles in Eigenarbeit. Der Sport ist in Verbänden organisiert, alle Westernreiter betreiben ihn finanziell eigenständig. Wenn es wieder mal soweit ist, geht es mit Pferdeanhänger auf die Autobahn, zuletzt zur Europameisterschaft nach Frankreich, um in verschiedenen Disziplinen über mehrere Tage hinweg Medaillen zu erreiten. Natürlich werden auch Kontakte geknüpft, auf europäischer Ebene kennt man sich bereits: "Meistens verlasse ich die Wettbewerbe mit aufgebessertem Englisch."

Perfektes Zusammenspiel

Seit zwölf Jahren sind Nicola und Jack nun ein Team. Nach so viel Zeit miteinander verbindet die beiden eine Freundschaft zwischen Tier und Mensch, äußerst wichtig für Wettbewerbe. Denn die fordern ein perfektes Zusammenspiel von Reiter und Pferd. In verschiedenen Disziplinen sind Parcours zu bewältigen, Galoppwechsel durchzuführen und die Rittigkeit des Pferdes unter Beweis zu stellen. Unsichtbare Hilfengebung wird positiv bewertet - kein Problem für Nicolas Partner: "Jack hört besser als mein Hund." Alleine gelassen hat sie ihn noch nie länger als eine Woche, zu fest ist die Bindung.

Trotz alledem findet die Lehramtsstudentin für Grundschule noch Zeit und Muße für andere Dinge, einen Nebenjob zur Finanzierung ihres schönen aber teuren Hobbys - und natürlich die Uni. Letztere schleifen zu lassen, kam nie infrage, weshalb Nicola mit 23 Jahren bereits das Examen durchlaufen hat und auf eine erfolgreiche Studienzeit zurückblicken kann. Egal ob Abitur oder Studium: Optimale Planung erlaubte es zu jeder Zeit, dass Lernen, Training und Turniere parallel liefen. Am Ende klappte es doch immer, auch weil das Reiten Nicola keine Kraft raubt, sondern gibt. Jetzt folgt die nächste Herausforderung: Es gilt den Job als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Grundschul-Pädagogik an der Universität Bamberg, die bevorstehende Promotion und den Reitsport unter einen (Cowboy)-Hut zu bekommen.