Bamberg
Grundversorgung

Millionen fließen ins Bamberger Trinkwasser

Die Stadtwerke sichern Bambergs Trinkwasserversorgung durch eine Großinvestition im Bamberger Süden. Dem Bausenat ist dies so wichtig, dass er dem Abbruch eines Denkmals und der Rodung von Bannwald zustimmt.
VIele kennen es nur von einem Spaziergang im Stadtwald: das Wasserwerk unweit der Stechert-Arena. Hier wird das Wasser aus 74 Brunnen im Stadtwald für das Bamberger Inselgebiet aufbereitet. Um die Technik nach 100 Jahren zu erneuern, planen die Stadtwerke mehrere Neubauten. Dazu müsste die alte Filterhalle (im Bilde links unten) abgebrochen werden. Foto: Rinklef
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Gisela Schlenker dreht den Hahn auf. Das Wasser plätschert wie gewohnt in ihren Kochtopf. Die Medizinisch Technische Assistentin vertraut darauf, dass es ein gesundes Lebensmittel ist, das aus dem Leitungsnetz der Stadtwerke fließt. Doch sie weiß nicht, woher es kommt und welcher technische Aufwand notwendig war, um es in die Franz-Ludwig-Straße mitten in Bamberg zu bringen.

So wie Schlenker ergeht es wohl den meisten Bewohnern der Stadt. Sie wissen nicht, dass ihre Stadt in fünf Versorgungsgebiete aufgeteilt ist, dass zwei Drittel Wassers, das in ihren Leitungen fließt, aus 107 heimischen Brunnen stammt und der Rest aus dem Donau-Lechgebiet. Auch dass das Wasser aufwändig von Eisen und Mangan befreit werden muss, ehe es in die Haushalte gelangt, ist kaum geläufig.
Wasser ist selbstverständlich. Es ist einfach da. Und genau das ist es doch nicht. Diese Lehre haben auch die Mitglieder des Bausenats gelernt, die am Mittwoch vor dem 1913 gebauten Wasserwerk standen und wenige Minuten später im Rathaus eine Richtungsentscheidung für die Zukunft der Bamberger Wasserversorgung trafen.

Die hatte wie so vieles in Bamberg mit Denkmalschutz zu tun. Die in den 30-er Jahren gebaute Filterhalle direkt hinter dem Wasserwerk steht als technisches Zeugnis seiner Zeit unter Denkmalschutz - und sie steht im Weg: "Wenn wir hier nicht eine neue Filterhalle bauen können, dann ist die Bamberger Wasserversorgung in Gefahr". Diese Worte sagte Klaus Rubach, der Chef der Bamberger Stadtwerke. Was sind seine Gründe? Die teilweise 100 Jahre alte Technik ist nicht in der Lage, künftige Anforderungen an die Wasserqualität zu erfüllen; vor Ort gibt es wegen der Bahnlinie keine Ausweichmöglichkeiten. Vor allem aber ist es nicht besonders wirtschaftlich, dass die Stadtwerke drei Wasseraufbereitungs-Anlagen in relativ kurzer Entfernung unterhalten: im Stadtwald, in den Gereuther und in den Buger Wiesen. Also muss aufgerüstet werden.

Umsonst bekommen die Bürger ihre moderne Wasserversorgung aber nicht. 25 Millionen Euro will die städtische Tochter ab 2012 in die Erneuerung des Bamberger Trinkwassernetzes stecken. Dazu zählt der Neubau eines Wasserwerks samt neuer Filterhallen neben dem bereits bestehenden Wasserwerk. Hier sollen künftig die Wässer aus den Brunnen im Stadtwald, in den Hirschaider Büschen, aus den Gereuther und Buger Wiesen mit neuer Technik aufbereitet werden.

Die Stadträte aller Fraktionen ließen sich von den Argumenten überzeugen. Sie stimmten dem Vorhaben zu, selbst wenn dafür ein Denkmal abgerissen und 3000 Quadratmeter Bannwald gerodet werden müssen, wenn auch unter dem Vorbehalt von Ersatzaufforstungen.

Auch die Grünen überwanden ihre Bedenken: "Selbst die Denkmalpflege sieht den Abbruch als unvermeidlich an. Wir können also ruhigen Gewissens zustimmen", sagte Ursula Sowa.

Die Entscheidung im Stadtrat bedeutet grünes Licht für die Zukunftssicherung der Bamberger Wasserversorgung: Noch 2012 soll mit dem Bau des neuen Wasserwerks begonnen werden.

Laut Rubach ist die Neuordnung auch deshalb wichtig, um wettbewerbsfähige Preise anbieten zu können. Da sieht es auch deshalb nicht schlecht aus, weil es am Rohstoff selber in Bamberg nicht mangelt. Die 107 Bamberger Brunnen werden von stabilen Grundwasserschichten gespeist und schütten zuverlässig mehr als vier Millionen Kubikmeter im Jahr. Das sind 57 000 Liter pro Einwohner.

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