Hannah Arendt, Clara Schumann oder gar Marilyn Monroe? Vielen kennen sie, aber auf Bamberger Straßenschildern werden sie vergeblich gesucht. Bei Straßenbenennungen geraten berühmte Frauen eher in Vergessenheit.

In Forchheim drängen jetzt Politikerinnen darauf, dass es mehr Straßen geben sollte, die nach Frauen benannt werden sollten. Frauen, die etwas bewegt haben, etwa für die Demokratie, wie beispielsweise die pakistanische Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai. Denn die Bilanz in Forchheim sieht mau aus: Nur sechs weibliche Straßen von insgesamt rund 400 Straßen, Wegen und Plätzen.

Bamberg ist "männlich"
In Bamberg ist es wenig besser. Gut 20 Straßen sind nach Frauen benannt, aber etwa 230 Straßen, Wege und Plätze tragen die Namen männlicher Berühmtheiten.
Insgesamt sind es rund 700 Straßen, Wege und Plätze in Bamberg.

Es gibt immer wieder neue Straßen, wenn etwa neue Wohngebiete ausgewiesen werden. Da muss allerdings jeweils geklärt werden, ob es sich um öffentliche oder private handelt.
Der Stadtrat verfügt über gewisse Freiheiten bei der Vergabe des Namens bei öffentlichen Straßen: Der Name darf nicht anstößig sein oder gegen das Gesetz verstoßen. Die Person muss auch etwas "Großes" geleistet haben. Johann Jakob Michael Küchel hat beispielsweise das Alte Rathaus im 18. Jahrhundert gestaltet. Deswegen gibt es die Küchelstraße. Albrecht Dürer war Maler und Graphiker. Die Albrecht-Dürer-Straße ist nach ihm benannt.

"Große" Frauen werden allerdings trotz ihrer Verdienste nicht so oft berücksichtigt. Die "Frauenstraße" wurde auch beispielsweise nicht gerade zu Ehren der weiblichen Bevölkerung benannt. Hier boten Dirnen zur Zeit Napoleons ihre Dienste an.

Es hat auch geschichtliche Gründe, dass Frauen eher schlecht weg kommen: "Männer hatten in der Vergangenheit die Domäne", sagt Wolfgang Wußmann, Bamberg-Kenner, Buchautor und Stadtrat (Freie Wähler).

"Das stimmt, wir haben mehr Straßen, die nach Männern benannt sind als nach Frauen", so SPD-Stadträtin Annerose Ackermann. Ihrer Meinung nach kommt als Patin nur eine Frau in Frage, die etwas für Bamberg getan hat. Ein gewisser Zusammenhang zwischen der Frau und der Stadt müsse da sein. Ackermann erläutert das an einem Beispiel: "Elisabeth von Thüringen hat zwar vieles geleistet, aber keinen Bezug zu Bamberg." Sie würde die Heilige Fides vorschlagen. Ackermann war vor 20 Jahren eine der Mitbegründerinnen des Fördervereins für psychisch kranke Menschen. Der Förderverein ist nach der Heiligen Fides benannt: "Die Heilige Fides hat bereits der im Jahr 1805 gegründeten Einrichtung für seelisch Kranke Menschen im Kloster St. Getreu ihren Namen gegeben."

Auch Birgit Dietz, Stadträtin der CSU, fände es super, wenn Frauen mehr im Rampenlicht stehen würden. "Es gibt Frauen, die 'was für die Menschen und Politik gemacht haben und im Gedächtnis bleiben sollten. So beispielsweise Amelie Gehr, Inititiatorin des Katholischen Frauenbundes 1904." Dietz erinnert sich auch an Elisabeth Roth, die Gründungsrektorin der Universität Bamberg. Sie habe sie als eine geradlinige, beeindruckende und intelligente Frau erlebt: "Es wäre schön, wenn bestimmte Bereiche von Frauen, die dort ganz besonders ihr Engagement gezeigt haben, abgedeckt würden."

Im Schatten des Mannes
Es gibt zahlreiche Straßen und Plätze, die nach dem bekanntesten Widerstandskämpfer gegen das Naziregime benannt sind: Graf Stauffenberg. Seine Frau Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg steht allerdings im Schatten. "Ich habe mir letztens in Berlin eine Ausstellung über die Stauffenbergs angesehen. Nina von Stauffenberg hat ihren Mann sehr unterstützt und ihm den Rücken freigehalten", sagt Dietz. Allerdings gebe es keine Straße, die nach Nina von Stauffenberg, benannt ist.

Erster Erfolg
"Bei der Debatte um den Regensburger Ring in den 1990er haben die Grünen weibliche Straßennamen mitgefordert", sagt Ursula Sowa von der GAL. Das Resultat war positiv: Zwei Straßen im dort entstandenen neuen Wohngebiet tragen die Namen von Frauen: Die Dr. Ida- Noddack-Straße, benannt nach einer Physikerin, und die Maria-Ward-Straße. Maria Ward war die Gründerin des Ordens der Englischen Fräulein, die sich in der katholischen Kirche früh für eine gute Schulbildung von Mädchen eingesetzt haben. Ihren Namen tragen zahlreiche Schulen, auch eine Realschule und ein Gymnasium in Bamberg.
Andere deutsche Städte haben der Domäne der Männer auf den Straßenschildern den Kampf angesagt: Im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wurde beschlossen, Straßen und Plätze ausnahmslos nach Frauen zu benennen, bis 50 Prozent aller Straßen "weiblich" sind. In Bamberg gibt es bisher noch keine derartigen Pläne.