Obwohl Sparkassen-Direktor Stephan Kirchner ein "schwieriges Jahr 2012" in Aussicht stellte, mit Turbulenzen an den Finanzmärkten und Problemen für manche Banken, schien das den Optimismus der Memmelsdorfer nicht trüben zu können. Sie blickten mit Bürgermeister Johann Bäuerlein auf ein erfolgreiches Jahr und eine Dank gelungener Hauptstraßen-Sanierung und anderer Erfolge gewachsene Gemeinschaft zurück.

Unbeeindruckt blieb man von den Ausführungen des Bamberger Sparkassen-Direktors dennoch nicht. Denn Stephan Kirchner gab einen ebenso umfassenden wie ungeschminkten Lagebericht über die Probleme von Dollar und Euro. Vor allem in den angelsächsischen Ländern passierten "unvorstellbare Dinge", von einem verantwortungsvollen Umgang mit den globalen Finanzen könne zum Teil keine Rede mehr sein. So gebe es in den USA ein mit einer Politik der Notenpresse finanziertes Wachstum, während in Deutschland "die Disziplin bei den Lohnstückkosten seit 1998 hilft, aus der Krise zu kommen".

Eine besondere Rolle spielten die drei amerikanischen Rating-Agenturen. "Die sind alle privat und müssen bei fehlerhaften Einschätzungen nicht haften - dies ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt". Vor dem Hintergrund von Interessenkonflikten gebe es "massive Fehleinschätzungen", die für Kirchner nicht selten auch "Ablenkungspolitik" darstellten. Dabei seien "die Probleme in den USA und in Großbritannien mindestens so groß wie in Europa". Um dies zu vertuschen, werde die mediale Macht der angelsächsischen Länder eingesetzt.

Bedauert wurde von Kirchner die Loslösung der Finanzmärkte von der Realwirtschaft. "Oft gibt es keinen Bezug mehr zum realen Geschehen. Die internationalen Hedgefonds sprechen sich ab, spekulieren gegen bestimmte Länder und beeinflussen damit die Kurse nach ihren geschäftlichen und politischen Vorstellungen. Dafür errichte die britische Regierung einen Schutzwall um die "City of London", andererseits seien die Hedgefonds die größten Wahlkampf-Finanzierer des britischen Premierministers David Cameron.

Vor dem Hintergrund, dass manche Großbanken nur noch 13 Prozent ihrer Erträge aus dem Kunden- und 87 Prozent aus Kapitalgeschäften gewännen, zeigte Kirchner den Handlungsbedarf auf. Es gelte jetzt, die Kreditinstitute zu stabilisieren und dann auf das Kerngeschäft zurück zu führen. Die Anleger könnten verstärkt mitbestimmen, was mit ihrem Geld passiert. Dabei könnten zum Beispiel regionale, ökologische oder soziale Verwendungszwecke eine Rolle spielen. "Den Euro können wir stabilisieren, aber den Dollar?" fragte Kirchner. Dazu brauche es einen "klaren Reformwillen in den USA", und an dem habe er "erhebliche Zweifel". Es gelte, die Präsidentenwahl abzuwarten.

Mit der Sicherung des Euro und der anderen Währungen bestehe Grund zur Zuversicht, Europa in der Krise zu stärken, meinte auch Bürgermeister Johann Bäuerlein. Leider sei der Spielraum der Kommunen in den vergangenen Jahren nicht größer geworden. Ein Bläserquintett des Musikvereins Gundelsheim umrahmte den Neujahresempfang musikalisch, der mit einem kalt-warmen Büfett ausklang.