Mit dem Leben im Krankenhausalltag ist die CSU-Politikerin und Staatssekretärin Melanie Huml (CSU) durchaus vertraut, hat sie doch Medizin studiert und ist approbierte Ärztin. Nun tauschte sie im Antonistift eines ihrer roten Lieblingskleider gegen einen der weißen Berufskittel der Altenpflegerinnen. Mit diesem "Rollentausch auf Zeit" wollte die Staatsekretärin, wie sie selbst betonte, an der Basis herauszufinden, wo es in der Altenpflege Probleme gibt.

"Es ist für mich sehr wichtig, einen Einblick in einen Beruf mit Herausforderungen zu bekommen, der nicht nur körperlich sehr intensiv ist, sondern auch psychisch den Menschen viel abverlangt", schilderte sie in der anschließenden Gesprächsrunde. Dennoch habe sie viele hoch motivierte Pflegekräfte getroffen, die sich mit viel Zuneigung um ihre Patienten sorgen.

Dies sei, so betonte Jutta Weigand, Leiterin des Seniorenzentrums, keine Selbstverständlichkeit.
Denn beinahe jeden Tag müssten sie mit dem Spannungsfeld guter Arbeit und den Rahmenbedingungen klar kommen. "Wir wollen und wir machen eine gute Arbeit. Wir haben viele Projekte mit Schulen, bieten unseren Heimbewohner zahlreiche Aktionen an und bringen viel Energie mit", betonte sie.

Rahmenbedingungen setzen den Beschäftigten zu

Dennoch würden den Beschäftigten die Rahmenbedingungen sehr zusetzen. So beispielsweise der Personalschlüssel. Obwohl vielfältige Aufgaben dazugekommen seien, wurde er innerhalb der letzten zehn Jahre nicht mehr angepasst.

"Leider", ergänzte die Bewohnervertreterin des Antonistifts, Edith Mall, "müssen die Pflegekräfte immer mehr Papierkram erledigen. Von einer Pflegestunde gehen mindestens 30 Minuten fürs Ausfüllen von Dokumentationen, Formularen und dergleichen drauf", beklagte sie. Zeit, die letztendlich für die Arbeit an den Menschen fehle.
Natürlich, so Weigand, habe eine Überprüfung der Heime ihre Berechtigung.

Mittlerweile fühle sich die Belegschaft aber häufigeren und strengeren Kontrollen ausgesetzt als sie in Atomkraftwerken vorgenommen würden. "Bei einer Prüfung sind sechs bis acht Pflegekräfte einen ganzen Tag lang mit den Kontrolleuren beschäftigt. Während dieser Zeit können sie nicht ihrer normalen Arbeit nachgehen", beklagte Weigand.

Zudem habe man dabei das Gefühl, kriminell zu sein. Denn es werde einem von vornherein unterstellt, dass man etwas falsch gemacht habe. "Auch könnten Pflegekräfte für ihre gute Arbeit mehr Anerkennung gebrauchen und vor allem eine bessere Bezahlung", resümierte die Leiterin des Seniorenzentrums. Staatssekretärin Melanie Huml will sich dafür einsetzen, dass man von Seiten der bayerischen Regierung auf eine bessere Bezahlung des Personals hinarbeitet.

"Zudem werden wir weiterhin dafür werben, dass möglichst viele junge Menschen diesen Ausbildungsberuf ergreifen. Denn nur so haben wir auch künftig genügend dringend benötigte Fachkräfte in diesem Bereich", sagte Huml.