Martin Luther nannte seine Ehefrau Katharina von Bora scherzhaft-respektvoll "mein lieber Herr Käthe". Und sie sagte ihm: "Ich war dir eine ebenbürtige geistige Gefährtin, das hast du im stillen Kämmerlein auch zugegeben, Martinus!"

Naja, möglicherweise hat sie das selbstbewusst so konstatiert. Denn während der "Herr Käthe" überliefert ist, ist von Katharina wenig in den Annalen zu finden. Umso bemerkenswerter, wie Heike Bauer-Banzhaf die Frau des Reformators lebendig werden lässt: In einem "starken (Kirchen-)Stück", das die Bamberger Schauspielerin auch selbst geschrieben hat - passend zum Reformationsjubiläum.

Mit ihrem Theaterstück "Die Erinnerungen der Katharina Luther: Mein Leben mit Gott und Martin" tourt Heike Bauer-Banzhaf durch Deutschland: sozusagen als Bamberger Botschafterin im Lutherjahr. Am Sonntag, 12. März, zeigt sie ihr Können in der Erlöserkirche: "Vor heimischem Publikum ist das eine besondere Herausforderung", sagt sie. So ist auch eine Generalprobe vor Ort angesagt: im historischen Kostüm und mit pfiffigen Requisiten.

Heike Bauer-Banzhaf spielt das 70 Minuten lange Ein-Personen-Stück wie vor großem Publikum. Sie gibt alles: Mimik, Gestik, Modulation der Stimme.

Die Schauspielerin versetzt in den Vorabend im Winter 1552, an dem die Witwe Trost und Schutz in der Wittenberger Kirche sucht. Am nächsten Tag will sie zu ihrer Tochter nach Torgau aufbrechen, auf der Flucht vor der Pest.

Im Gotteshaus überkommt Katharina eine nachdenkliche, berührte, aber auch lächelnde Rückschau auf ihr ungewöhnliches Leben: "Ich war eine Brennnessel, unverwüstlich, aber auch beißend!" bricht es aus ihr hervor. "Ich habe immer gekämpft und werde immer kämpfen! Hier stehe ich - ich kann nicht anders!"

Lebensstationen leuchten auf: Ihre Jugendjahre als mittellose Nonne, ihr Weglaufen aus dem Kloster, ihre glückliche Ehe und schöne, aber auch leidvolle Mutterschaft, ihre erfolgreiche Führung einer großen Herberge in Wittenberg, ihre Tafelrunden für Könige, Reformationsmitstreiter und Bettlerinnen. All das gelebt mit Martin Luther, dem Sprachgenie, dem Geistesgiganten, dem Verzweifelten und Angstgebeutelten: "Widersprüchlichkeit, dein Name ist Martin Luther! Und du warst geliebt, gejagt und gehasst!"

Katharina Luther geht mit der Männerwelt ins Gericht, die ihre vielseitigen Fähigkeiten und Verdienste kleinredet. Auch ihr Martin war nicht davor gefeit, öffentlich herablassend über Frauen zu sprechen. "Die Bibel, die du übersetzt hast, ist ein Buch von Männern für Männer, von Frauen steht wenig drin!" schleudert Katharina wütend in den Kirchenraum. Dabei sei männlich und weiblich die perfekte Ergänzung.


Am Ende versöhnlich

Der Schlenker zu den "Altgläubigen" erheitert sie. Denn die Reformation hob den Zölibat auf: "Plötzlich sollten ja Priester wieder richtige Menschen sein und heiraten dürfen!"

Ganz lutherisch beginnt Katharina auch zu singen: glockenhell und klar. Und obwohl sie als Witwe nahezu rechtlos ist und das Erbe ihres Mannes nicht antreten darf, sagt sie als "alte Frau mit Seelenschönheit": "Wir müssen Frieden machen in und mit uns und mit Gott!"

Ein Besuch dieses Kirchenstücks - mal heiter, mal traurig, mal jauchzend und mal tiefschürfend, doch immer liebevoll und erkenntnisreich - ist ein Gewinn. Natürlich erfährt der Zuschauer eine rein fiktive Sicht der cleveren, umtriebigen Katharina Luther auf Gott und die Welt.

Doch ist die Kommunikation zwischen Männern und Frauen, sind Beziehungen zu Gott und den Menschen heutzutage tatsächlich so anders? Bauer-Banzhaf lächelt fein: "Die großen Fragen bleiben die gleichen ..."