Urnenbestattungen werden immer beliebter - selbst in ländlichen Gemeinden wie Litzendorf. Hier entscheidet sich bereits fast jeder Zweite gegen eine herkömmliche Erdbestattung mit Sarg. "Der gesellschaftliche Wandel bei Bestattungsformen bringt uns aber inzwischen an unsere Kapazitätsgrenzen", teilte Bürgermeister Wolfgang Möhrlein (CSU) seinen Gemeinderäten mit.

Denn es gebe auf dem Friedhof nur noch wenige Urnengräber. Daher müsse man umgehend handeln. Keine leichte Aufgabe allerdings, da die Gemeinde im kommenden Jahr einige Großprojekte wie den Breitbandausbau oder die Ortsdurchfahrt Litzendorf zu stemmen hat.

Dennoch warben beide Bürgermeister aufgrund der notwendig gewordenen Erweiterung dafür, die Chance zu nutzen und ein Gesamtkonzept für den Friedhof zu erstellen. "Schließlich ist der Friedhof für die älteren Menschen ein wichtiger Ort.
Er ist mehr als nur eine letzte Ruhestätte für die Toten, sondern auch ein wichtiger Ort der Begegnung und Kommunikation", unterstrich Zweiter Bürgermeister Klemens Wölfel (SPD).

Insgesamt 740 Plätze

Daher hat die Gemeinde beim Erlangener Landschaftsarchitekten Jörg Czwerwonka die Ausarbeitung eines Gesamtkonzeptes zur Umgestaltung oder zur Erweiterung des Friedhofs in Auftrag gegeben.

Dieses sieht in drei Bauabschnitten unter anderem die Pflasterung der Hauptwegeachsen sowie eine Erneuerung des Hauptwasserstranges vor. Ferner soll der Friedhof im Norden um 84 Doppelgräber erweitert werden. Diese können aber auch durch Teilung als Einzelgräber verwendet werden.

Von der Aufstellung von Urnenwänden hingegen riet der Landschaftsarchitekt ab. Vielmehr schlug er vor, neben Urnenstelen, die Platz für rund 90 Urnen bieten werden, einen Urnenkreis zu errichten mit etwas über 220 Erdurnengräber. Durch den Anbau würden dann 412 weitere Bestattungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Der gesamte Litzendorfer Friedhof verfügt dann insgesamt über 740 Bestattungsmöglichkeiten. Nach Ausführungen des Architekten soll auch nördlich der bestehenden Aussegnungshalle ein Platz für Begegnungen mit Sitzgelegenheiten entstehen mit einem Ruheraum und Kommunikationsecke.

"Denn der Friedhof ist nicht nur ein Ort der Toten, sondern auch ein Ort des Lebens", schilderte Czwerwonka. Und in einem dritten Bauabschnitt könnte dann ein Parkplatzkonzept verwirklicht werden. Der erste und der zweite Bauabschnitt - die Wegegestaltung, die Schaffung der neuen Gräber sowie die Errichtung eines Ruheraums - könnte aber nun zusammen umgesetzt werden.

Dabei entstünden der Gemeinde kosten in Höhe von rund 600 000 Euro. Hinzu kommen weitere Kosten für den dritten Bauabschnitt mit fast 150 000 Euro. Fördermittel gibt es hierzu wohl keine.

Eine Pflichtaufgabe

Es handelt sich, wie Bürgermeister Wolfgang Möhrlein betonte, um eine Pflichtaufgabe der Gemeinde. Ratsmitglied Georg Lunz (Bündnis 90 Grünen) regte im Hinblick auf die Verwirklichung einer Turnhalle in den nächsten Jahren deshalb auch an, den Friedhof etwas weniger aufwendig zu erweitern. Die Gemeindevertreter folgten seinem Vorschlag jedoch nicht.

"Wir sollten die Chance nicht verstreichen lassen, ein gelungenes Gesamtkonzept umzusetzen. Wir wollen keine Flickschusterei betreiben", betonten Möhrlein und Gemeinderat Franz-Josef Schick (SPD). Der Gemeinderat beauftragte den Landschaftsarchitekten mit der Umsetzung weiterer Schritte.