In Afrika habe sie gelernt, "die Klappe zu halten und Augen und Ohren aufzusperren", sagt Elisabeth Biela im Gespräch mit unserer Zeitung. Die "Missionsschwester Unserer Lieben Frau von Afrika" und Regionaloberin der Weißen Schwestern für Deutschland mit Sitz in Trier meint damit nicht in erster Linie ein Schweigen als Frau in der Kirche, sondern wertschätzende Wahrnehmung anderer Kulturen: "Meine deutsche Kultur ist nicht Universalkultur und die bessere", hat sie nach 30 Jahren Einsatz in Ghana und sechs Jahren in Burkina Faso verinnerlicht.

So dürfen hunderte Frauen, die wieder zum traditionellen Kunigundentag am 11. März in Bamberg erwartet werden, gespannt sein, was Schwester Elisabeth Biela ihnen als Festrednerin ins Stammbuch schreiben wird. Zumal sie sich selbst als "feministisch angehaucht, aber nicht radikal" bezeichnet. Auf Frauenarbeit als solche werde in ihrem Orden ohnehin viel Wert gelegt: "Die Würde der Frau im Fokus" nennt die 73-Jährige eine wesentliche Maßgabe für die Aufgabe, "Männern beizubringen, wie sie mit Frauen umgehen sollen!"


"Wir sind keine Männerkirche!"

Das ist tatsächlich eine Kärrnerarbeit gerade in der katholischen Kirche. Auch wenn Erzbischof Ludwig Schick anlässlich des Kunigundentages gegenüber unserer Zeitung erklärt: "Wir sind keine Männerkirche!" 76 Prozent aller 7400 Angestellten im Erzbistum Bamberg seien Frauen, darunter viele in verantwortungsvollen Positionen etwa als Rektorinnen diözesaner Schulen, als Leiterinnen der Kindergärten, als Abteilungsleiterinnen im Ordinariat und im Caritasverband.

"Natürlich ist noch Luft nach oben", räumt der Erzbischof ein. Er wünsche sich vor allem noch mehr Frauen als Hauptabteilungsleiterinnen: Es gibt derzeit nur eine Leiterin neben sieben Leitern im Ordinariat. Schick verweist auf die Gleichstellungsbeauftragte und die Frauenkommission des Erzbistums, die "gute Anregungen geben für mehr Frauen und mehr Frauenpower in der Kirche".

Die heilige Kaiserin Kunigunde sei da "Vorbild für den Einsatz in Kirche und Gesellschaft", hält der Erzbischof den Frauen einen Spiegel vor. Darüber hinaus "ist der Kunigundentag aber wichtig, um die Gründerin und Patronin unserer Diözese zu ehren und zu feiern und auch, um uns von ihr Inspiration für unser kirchliches Leben heute geben zu lassen".


Diakonat der Frau?

Inspiriert dieses Diözesanfest etwa zum längst angemahnten Diakonat der Frau? Erzbischof Schick hält sich mit einer direkten Antwort zurück und verweist auf die entsprechende, von Papst Franziskus eingesetzte Kommission, "die arbeitet, wie ich weiß". Welche Ergebnisse sie wann dem Papst vorlegen werde, wisse er dagegen nicht: "Der Papst wird eine Entscheidung über das Diakonat der Frau fällen", betont der Erzbischof.

Mit Revolutionen ist also auch bei diesem Kunigundentag nicht zu rechnen. Klingt doch schon allein das Motto mehr nach harmonischer Sinfonie denn moderner Zwölf-Ton-Musik: "Gottes Melodie im Anderen hören" - dieses Leitwort soll "das Innere in Bewegung bringen, damit Menschen aufeinander zugehen, sich verstehen lernen, gemeinsam nach der Wahrheit suchen", erläutert Franziskusschwester Claudia Hink. In ihrem Ordensreferat im Ordinariat laufen die organisatorischen Fäden des Kunigundenfestes zusammen.

In diesem Jahr zeichnen nämlich Ordensfrauen für den Festtag verantwortlich. Im kommenden Jahr wird es wieder der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) im Erzbistum Bamberg sein.


Mütterlichkeit und Füreinander

Grundidee aller Planungen ist das zehnjährige Partnerschaftsjubiläum zwischen den Bistümern Thiès im Senegal und Bamberg. Daher auch ein Festvortrag von Afrikamissionarin Elisabeth Biela. "Gerade in unserer Zeit, in der viele Menschen auf der Flucht sind, ist es wichtig, hellhörig zu werden und Gottes Melodie im Anderen zu hören, Verständnis für ihn zu finden", sagt Schwester Claudia. Und: "Mütterlichkeit ist eine Gabe, die Gott Frauen schenkt, auch wenn sie nicht biologisch Mütter sind." Das Füreinander-Sorgen - etwa für Flüchtlinge - sei Frauen gegeben: "Gemeinsam sind wir stark!" wirbt sie für ein reges Kommen zum Kunigundentag.


Das Festprogramm

Kirche: Das Fest beginnt am Samstag, 11. März, um 9.30 Uhr mit dem Pontifikalamt (Erzbischof) im Dom, anschließend Agape im Kreuzgang oder vor dem Diözesanmuseum mit Namenstaggratulation der "Kunigunden".

Vortrag: Um 14 Uhr beginnt die Feierstunde im Spiegelsaal der Harmonie (Schillerplatz), in der Schwester Elisabeth Biela das Motto des Kunigundentages auslegt. Afrikanische Rhythmen sorgen für außergewöhnliche musikalische Impressionen.