Die Schokolade, die sich hinter Glas in allen Farben und Formen präsentiert, hat einen weiten Weg hinter sich. Aus Venezuela, von der Elfenbeinküste oder aus Papua-Neuguinea wurde sie bis in die Manufaktur der Confiserie Storath nach Stübig gebracht und dort zu süßen Kunstwerken verarbeitet.

Nun warten die Pralinen im Laden in der Bamberger Langen Straße auf ihre Käufer. Von denen gäbe es in den Monaten vor Weihnachten eigentlich genug - doch Corona zwingt auch hier zur Improvisation. "Wir dürfen leider nicht mehr als zwölf Kunden gleichzeitig hereinlassen", sagt Simone König, die mit ihrem Bruder Johannes Storath die Geschicke des mittlerweile fast 30 Jahre alten Unternehmens leitet. Weil der Andrang aber größer wäre, geht das Unternehmen nun auch mit Verkaufsständen in Supermärkte. Denn das Weihnachtsgeschäft ist enorm wichtig für den Betrieb. "Ich bin wirklich froh, dass wir vor gut zwei Jahren unseren Online-Versand neu aufgesetzt haben, das war gerade in der Zeit des Lockdowns Gold wert."

Die Geschichte der Confiserie beginnt im Juli 1989 in Stübig. Wo einst die Familie Storath einen Landgasthof hatte, gilt nun alles der Schokolade und was geschmacklich zu ihr passt. Aus drei Mitarbeitern am Anfang sind saisonal bis zu 130 geworden. 80 Menschen arbeiten allein in der Manufaktur, der Rest vor allem im Verkauf in den Läden in Bamberg, Bayreuth und in Stübig. Johannes Storath war bis Ende der 1980er am Tegernsee in der Gastronomie tätig, kam dabei mit großen Chocolatiers ins Gespräch und wollte schließlich auch seinen Schwerpunkt auf diesen Bereich legen. Mit ein paar erfahrenen Kräften und viel Enthusiasmus machte sich Storath einen Namen unter Pralinenfreunden.

Die Idee für einen neuen Geschmack kann überall entstehen, für Simone König zum Beispiel im Österreich-Urlaub: "Da hab ich auf einer Alm einen speziellen Tannennadel-Honig probiert und sofort kam der Gedanke: Da kann man etwas mit Schokolade draus machen!" Meist entwickelt ihr Bruder die neuen Kreationen, die Bandbreite reicht von der weihnachtlichen Bratapfeltrüffel-Praline übers Safransternchen bis zum Wiener-Mandel-Marzipan.

Ansonsten soll die geschmackliche Reise aber zurück zu den Ursprüngen gehen, ohne dabei die Schokoladentrends der letzten Jahre, etwa Salz und Chili, zu vernachlässigen. "Und was Saures wollen wir zum Beispiel auch mal probieren, nachdem sich schon in vielen Pralinensorten eine gewisse Säure findet."

Was gehört nun für die Confiserie-Experten zu einer guten Praline? "Zunächst einmal wahnsinnig gute Rohstoffe, darauf legen wir großen Wert." Dafür reist Johannes Storath in Nicht-Corona-Zeiten zum Beispiel auch zu vielen Kakaoplantagen. "Wir schauen sehr genau, wie dort gearbeitet wird und wollen, dass ein fairer Handel stattfindet, von dem auch die Kakaobauern etwas haben." Man zahle einen Aufpreis, der direkt an die Plantagen abgeführt werde.

Auch bei Nüssen oder Mandeln müsse es die beste Qualität sein. Im Zusammenspiel der richtigen Zutaten entwickle sich dann "ein Geschmack, der dem Gaumen gut tut, ein harmonisches Spiel der Nuancen". Wenn dann einmal die Füllung stimmt, wird die dazu passende Schokolade ausgewählt. Und die soll am Ende immer im Vordergrund stehen. "Schokolade kann man mit Wein vergleichen, ihr Geschmack wird durch Böden, Sonne und Klima bestimmt", erklärt Simone König. Und so seien schon 75-prozentige Schokoladen aus Peru und Venezuela im Geschmack völlig unterschiedlich.

Am beliebtesten bei ihren Kunden sei die recht aufwändig zu produzierende "Bambergerin": Auf einem Edelbitterplättchen vereinen sich hier Pistazienedelmarzipan und Wildpreiselbeeren mit einer Rum-Honig-Canache unter einer hauchdünnen Schicht dunkler Schokolade, garniert mit gehackten Pistazien.

Laut statistischem Bundesamt liegt der Pro-Kopf-Schokoladenverbrauch in Deutschland stabil bei 2,2 Kilogramm und hat auch im Corona-Jahr nur minimal auf 2,1 Kilo abgenommen. Simone König ist froh, dass trotz Pandemiesorgen die Lust am Süßen geblieben ist. Bei manchen sei sie sogar noch etwas größer geworden. "Wir haben vielleicht für viele auch ein bisschen Nervennahrung verkauft."