Mit dem Schrecken davon gekommen ist eine Frau mit ihren zwei Kindern, die eine Ruhepause am Gabelmann auf der Parkbank unter den beiden Platanenbäumen einlegte. Denn plötzlich fiel ein Ast auf die dort Sitzenden herab - und dies obwohl kaum ein Lüftchen wehte, noch sonst ein Sturm die Tage vorher wütete. Glücklicherweise traf der Ast keine der drei Personen. Sie meldete den Vorfall bei der Stadt Bamberg.

"Für uns war die Sache auch ungewöhnlich, zumal wir die beiden Bäume erst vor wenigen Monaten routinemäßig kontrolliert und dabei keine Auffälligkeiten festgestellt hatten", schildert Herbert Geßner, Leiter der Baumpflegeabteilung vom Gartenamt. Nach dem Vorfall habe man erneut die Baumkrone der beiden Platanen in Augenschein genommen und dabei leider feststellen müssen, dass die Bäume rund um den Gabelmann unter der Massaria-Krankheit leiden.

2003 erstmals nachgewiesen


Diese Krankheit ist in Deutschland erstmals 2003 nachgewiesen worden und wird durch einen Pilz verursacht. Dieser befällt bisher ausschließlich Platanen und infiziert deren Äste und Zweige. Dort, so berichtet Geßner, tötet er sehr schnell das Rindengewebe der Bäume ab und verursacht eine schnell verlaufende Fäule des Holzes. "Innerhalb weniger Monate brechen dann die betroffenen Zweige und Äste ab. Das beeinträchtigt schließlich die Verkehrssicherheit des Baumes", so der Baumexperte.

Leider könne man die Krankheit nur dann erkennen, wenn man mit einem Hubsteiger direkt in die Baumkrone fährt und von oben auf die Äste und Zweige blickt. Nur so sehe man die hellviolette Verfärbung der Rinde. Zwar ist laut Geßner und Robert Neuberth, dem Leiter des Garten- und Friedhofsamtes, ein Absterben der von der Massaria-Krankheit befallenen Bäume nicht zu erwarten. Allerdings müssen die beschädigten Äste und Zweige nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen von den Bäumen getrennt werden. Daher kann es zu einer Lichtung der Baumkronen kommen.

500 Bäume werden untersucht


"Auch müssen wir nun alle rund 500 in Bamberg befindlichen Platanen einer genauen Untersuchung unterziehen", betont Neuberth. Alle Platanen, die unmittelbar in sensiblen Bereichen wie beispielsweise in der Fußgängerzone, dem Heumarkt oder am Theater und an anderen viel frequentierten Orten stehen, habe man inzwischen inspiziert und die befallenen Äste schon herausgeschnitten.

Derzeit sind rund 150 Bäume der Pilzerkrankung zum Opfer gefallen. "Wir werden die nächsten Tage und Wochen nun noch die restlichen Bäume untersuchen und wenn notwendig Sicherungsmaßnahmen vornehmen", so Geßner. Wobei vorrangig erst einmal alte Bäume über 40 Jahre ins Visier rücken. Denn von den jungen Bäumen drohe keine ernsthafte Gefahr, da deren Äste und Zweige noch deutlich kleiner seien.

Grundstücksbesitzer haften

Das Gartenamt weist auch darauf hin, dass viele der Platanen auf Privatgrundstücken stünden und dort jeweils der Grundstückseigentümer haftet. Es gebe aber spezielle Baumpflegefirmen, die hier Hilfe leisten könnten. "Wichtig ist, dass man bei Platanen gerade in Trockenperioden die Wasserversorgung verstärkt. Denn dann kann sich der Baum besser gegen die Krankheit wehren", empfiehlt Geßner.

In der Fußgängerzone besteht derzeit keine Gefahr mehr. Auch wird das Gartenamt der Stadt in rund drei Monaten eine weitere Kontrolle vornehmen, um zu verhindern, dass weitere Äste aufgrund des Pilzbefalles herunterfallen.