Mashood Ahmad kommt mit dem Taxi. Kreuzbandriss, sagt er, als er vor der Harmonie am Schillerplatz aussteigt. Wenigstens müsse er nicht mehr mit Schienen laufen. Er lacht und streicht seine Krawatte glatt.
Es waren 50 Grad im Schatten, über den Häusern und auf den Wegen lag Sand, das Essen hatte Ahmad genauso wenig vertragen wie das Wetter. Sein erster Urlaub in Pakistan, damals, 2001, kurz nachdem seine Familie die Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland erhalten hatte, es war auch sein letzter.

Ein Zaun ist seine erste Erinnerung an Deutschland. Als Mashood Ahmad 1990 mit seiner Mutter und seinem Bruder in Deutschland ankam, wurden sie einem Asylbewerberheim in der Nähe von Fulda zugewiesen. Steinbach an der Straße hieß der kleine Ort, und auf dem Weg dorthin hatte er aus dem Bus einen Maschendrahtzaun gesehen.
"Der steht da heute noch", sagt er und lacht.

Zwei Jahre später kamen sein Vater und die vier Schwestern nach.

Sie hatten Glück mit ihrer Unterkunft. Der Besitzer des Hauses war Bäcker, hatte Geld aber keine Kinder. Er beschloss damals sein Haus als Asylbewerberheim zur Verfügung zu stellen, lebte selbst in einem kleinen Zimmer über der Bäckerei. Mashoods Bruder wurde sein Ziehsohn, er machte seine Lehre in der Bäckerei. Später fing sein Bruder bei einer Entrümpelungsfirma an, da verdiente man mehr. Wer eine Aufenthaltsgenehmigung möchte, muss in der Lage sein, seine eigenen Kosten zu tragen.

Fast zehn Jahre lebten sie im Asylbewerberheim, 1999 konnten sie sich eine eigene Wohnung leisten, zwei Jahre später kam die Aufenthaltsgenehmigung.

Einer seine Freunde aus der Grundschule ist auch heute noch sein bester Freund.

Wenn der Eselskarren Luxus ist

In dem kleinen Dorf in Pakistan, aus dem er stammt, gibt es noch Nachtwachen: Soldaten, die mit Waffen durch die Straßen gehen und die Häuser bewachen. Hier leben wir in Luxus, sagt er, in Deutschland muss sich keiner sorgen machen um Wasser oder Strom. Und Bahnstreik hin oder her, es gebe hier zumindest theoretisch eine funktionierende Infrastruktur.

In Pakistan steige man nicht einfach in den Bus und fahre in die nächste Stadt. Straßen gibt es keine und wer auf dem Dorf lebt hat mit Glück einen Eselskarren.

In Pakistan, sagt er, liegt überall Sand: "Man braucht gar nicht anzufangen ihn wegzukehren, er liegt ja gleich wieder da - auf den Straßen, einfach überall". Er müsste es eigentlich nicht mehr sagen, er tut es trotzdem: Ordnung, Gründlichkeit und Pünktlichkeit, das schätze er in Deutschland am meisten, die Werte lebe er, die offene und freundliche Art der Menschen schätze er.

"Außer meiner Hautfarbe erinnert nichts daran, dass ich kein gebürtiger Deutscher bin". Zu Hause, mit Freunden, babbele er schon mal hessisch.

In Pakistan ist ein Mietshaus ein Statussymbol. Ein paar Steine aufeinanderlegen und eine Mauer hochziehen, das könne jeder. Ein Haus zur Miete, das können sich nur wenige leisten.
In Pakistan war sein Vater Direktor an einer Schule, seine Mutter Lehrerin. In Deutschland wurde sie Hausfrau und Mutter, er arbeitete abwechselnd als Roomboy im Hotel oder bei McDonalds. Irgendwann haben sie sich getrennt, das neue Leben hatte sie einander fremd gemacht.

Mashood Ahmad macht hier in Bamberg seinen Master. Politikwissenschaften, drittes Semester. Ob er in Pakistan jemals studiert hätte, weiß er nicht. Die meisten, sagt er, müssten Geld verdienen, um ihre Familien zu ernähren. Zuvor hatte er in Frankfurt studiert. Bamberg gefalle ihm besser. Es ist kleiner, familiärer, sagt er. "Ich würde wirklich gerne hier bleiben."

Es hat einige Jahre gedauert, bis die Ausländerbehörde seinem Antrag auf einen deutschen Pass zugestimmt hatte. Seine Geschwister hatten da schon lange ihre deutsche Staatsbürgerschaft.

Sicher, für ihn als Politikstudent sei es toll, dass er jetzt endlich wählen könne, aber eigentlich freue er sich über etwas anderes: Das Feld im Lebenslauf zu ändern. Das, in dem die Staatsbürgerschaft angegeben wird. "Ich werde nie wieder bei Bewerbungen gefragt werden, ob ich eine Arbeitserlaubnis brauche". Unternehmensberater wolle er werden.

Und noch etwas gebe einem der deutsche Pass: einen Status in der Welt. Versuchen Sie mal mit einem pakistanischen Pass irgendwo hinzureisen, sagt er und fügt er hinzu: "Der Pass ist der letzte Schritt, um mich hier zu Hause zu fühlen".

Im Frühjahr, fliegt er für drei Wochen nach Indien.

Es war ein weiter Weg, bis Mashood Ahmad in ein Taxi steigen konnte, dass ihn zu seiner Einbürgerungsfeier in der Bamberger Harmonie bringt. Er wird eine Rede halten, in der er vom ewigen Lernen im Leben spricht und davon, wie sehr es ihn freut, hier in Bamberg eingebürgert zu werden.