Dieter Weinsheimer war außer sich: "Ich bin erschüttert, wie die Vertreter der Stadt hier auftreten. Sie tun gerade so, als wäre alles erst noch ein Entwicklungsprozess. Verschweigen aber klare Entscheidungen wie den Abbruch der beiden Häuser Hellerstraße 13 und 15. Es ist wie bei der Kettenbrücke: Man trickst und man täuscht uns", wetterte Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Sein Fazit: "Ich werde entschiedenen Widerstand gegen das geplante Quartier an der Stadtmauer leisten!"

Weinsheimer war einer der über 100 Bürger, die auf Einladung der Stadtheimatpfleger, des Historischen Vereins und der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg in den Hörsaal der Katholischen Theologie zu einer Informationsveranstaltung über das Quartier an der Stadtmauer gekommen waren. Für seine Aussagen erntete er vom weitaus größten Teil der Anwesenden starken Beifall.

Der ansonsten sehr sachlich und konstruktiv geführten Diskussion ging ein Vortrag von Achim Hubel, Professor für Denkmalpflege, voraus, der einmal mehr betonte, dass es im Quartier der Stadtmauer weit mehr bedeutsame Baudenkmäler als "nur" die Mikwe und die Überreste der Stadtmauer gebe, die unbedingt erhalten werden müssten. Hubel wollte auch nicht das Argument zählen lassen, dass die Bauwerke in einem sehr heruntergekommen Zustand und daher nicht erhaltbar seien. "Die Sparkasse ist seit 14 Jahren Eigentümer und hat nichts gegen den Verfall unternommen. Jetzt steht man auf den Standpunkt, die beiden Häuser in der Hellerstraße müssen weg. Dieses Verhalten ist typisch für Investoren", klagte Hubel.

Neben Denkmalpfleger Hubel sprachen sich auch der Stadtheimatpfleger Hanns Steinhorst, Vertreter des Historischen Vereins und der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg gegen die derzeitigen Planungen aus. Alle betonten, dass die letzten bedeutenden Zeugnisse der jüdischen Kultur nicht einfach einem Einkaufscenter weichen dürften - zumal niemand wisse, ob das neue Quartier nicht ein "Reinfall" wie die Theatergassen würde.

Harald Lang vom Stadtplanungsamt und Baureferent Michael Illk hingegen erwiderten, dass der Planungsstand längst überholt sei und dass die Nettoverkaufsfläche bei 9500 Quadratmetern liege. "Auch sind wir derzeit noch in der Entwicklungsphase. Viele Fragen sind offen und die Stadt ist weiterhin in Dialogbereitschaft", erläuterte Lang. Daher werde es demnächst einen Architektenwettbewerb geben, der das Ziel haben soll, konkrete Konzepte vorzulegen. Der Abbruch der beiden Baudenkmäler Hellerstraße 13 und 15 wurden von Seiten der Stadt nicht angesprochen. Erst auf mehrfacher Nachfrage wurde bestätigt, dass dieser wohl unvermeidlich sei.