Der stets elegante Moderator und Musiker mit der Schmalztolle, Götz Alsmann, ist vielen bekannt durch seine Fernsehsendung "Zimmer frei"". Jetzt kann man den Jazzmusiker auch in Bamberg live erleben: zusammen mit seiner Band auf seiner "Götz Alsmann in Paris"-Tour. Zuvor jedoch stand er der Redaktion Rede und Antwort.

FT: Sie waren früh musikalisch aktiv. Bereits in den 70er haben Sie nicht nur in der Band namens "Heupferd Jug Band" mitgewirkt, sondern auch gleich mehrere Platten mit dieser aufgenommen. Was hat es mit den Namen auf sich und welche Art von Musik haben Sie damals gespielt?
Götz Alsmann: Ich war damals der einzige Schüler und junge Mensch in der Band. Die andere waren späte Studenten um die dreißig. Wir spielten Jug-Band-Musik der 20er und 30er Jahre, eine Art Skiffle mit mehr Jazz-Elementen. Ich war der Banjo- und Mandolinenspieler und stieß etwa eine Woche nach der Gründung und dem ersten Auftritt der Band dazu. Der Name? Ein Spaß aus dem Augenblick heraus, der dann irgendwie hängen blieb... Wie bei so vielen Band-Namen.

Wenn man wie Sie Musik studiert, liegt es dann Nahe auch Musik zu machen? Oder anders gefragt, welche Errungenschaften des Studiums finden heute noch in ihrer Musik Niederschlag?
Da ich nicht Musik, sondern Musikwissenschaft studiert habe, mich also auf der Uni ausschließlich mit der Theorie zu beschäftigt hatte, betraf der Einfluss des Studiums mehr meine Art, die Musikgeschichte zu interpretieren und weniger meine Art zu singen oder zu spielen.

Neben der Musik sind Sie auch als Moderator und Entertainer unterwegs. Zunächst fürs Radio dann fürs Fernsehen. Wie kam es dazu?
Damals gab es im Rundfunk wie im Fernsehen beim WDR einen Generationswechsel und mit Mitte zwanzig war ich glücklicherweise am richtigen Ort, dem WDR-Kabelprojekt in Dortmund nämlich. Dort fingen viele später sehr bekannt gewordene Fernsehgesichter und Rundfunkstimmen an, bekamen eine Chance und machten etwas draus. Der Rest kam irgendwie auf mich zu."

Welche Rolle mögen Sie mehr: Fernsehmoderator oder Bühnenmusiker?
"Immer das, was ich gerade mache. Man darf keine der Tätigkeiten mit halber Kraft angehen."

1996 übernahmen Sie die Sendung "Zimmer Frei!". Wie kamen Sie dazu und was reizt Sie heute noch an dem Fernsehkonzept?
Übernehmen kann man nicht wirklich sagen, denn die Sendung gab es vorher noch nicht. Es wurden dringend Moderatoren für die neue, kurzfristig anberaumte Sendung gesucht. ‚Wer hat Zeit?‛Christine Westermann und ich riefen ‚Wir!' Sechs Wochen sollte sie dauern; inzwischen sind sechzehn Jahre daraus geworden.

Ihre liebsten Gäste waren? Und warum?
Nach über siebenhundert Sendungen... Ich weiß es wirklich nicht.

Bei wem waren Sie froh, dass er wieder ihre "Fernsehwohnung" wieder verlassen hat?
Dieses kleine Geheimnis müssen Sie mir schon lassen.

Die schönsten Pleiten, Pech und Pannen aus den 16 Jahren ihrer Fernsehsendung?
Sie würden mehrere Bücher füllen.

Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, ob und wann es ein Ende von "Zimmer frei" geben wird?

Bis jetzt noch nicht.

Würde man Sie nach einem Ende von "Zimmer frei" dennoch noch weiter als Moderator, Entertainer im Fernsehen sehen? Welche Art von Show würde Sie interessieren?
Keine Ahnung. So etwas entscheiden ja eher die Senderchefs als die Moderatoren. Was nützt das schönste Konzept, wenn sich kein Sender findet, es zu realisieren...

Stimmt das Gerücht, dass Sie altmodisch sind und sich oftmals mit neuen technischen und kommunikativen Errungenschaften wie Internet schwer tun?
Das ist kein Gerücht sondern gezielt und wahrheitsgemäß von mir verbreitet. Internet geht mittlerweile.

Sie kleiden sich immer modebewusst und elegant mit Anzug. Hat sich das als Markenzeichen verselbständig oder warum tragen sie diese ehr konservative Kleidung?
Sie irren. Das ist nicht konservativ, sondern zeitlos, urban, souverän, elegant.

Besteht aber nicht die Gefahr, dass sie dadurch junge Leute die in ihre Show reinzappen abschrecken und die Sie dann als spießig abgestempelt werden?
So denken weniger die jungen Menschen als die ewig jung bleiben wollenden Pseudo-Teenager um die 40.

Zurück zum Musiker: Sie nennen ihre Musik Jazzschlager. Was verstehe Sie darunter?

Deutschsprachige Musik mit jazzartiger Begleitung.

Hören Sie selbst gerne Schlager und wie stehen Sie zum deutschen Schlager?
Sehr gerne, und zwar die aus den 20er bis 50er Jahren. Das aktuelle Schlagergeschehen ist mir eher fremd.

Was inspiriert Sie? Woher nehmen Sie ihre Ideen für ihre Musik?
Alte Platten aus meiner Sammlung eigenartiger Musik, muffig riechende Notenbücher, alte Filme, der Spaß an der Arbeit.

Die aktuelle Tour nennen Sie "Paris". Was hat es damit auf sich? Was gefällt ihnen so sehr an der französischen Metropole, dass sie damit sogar auf Tour gehen?

Es geht hier eindeutig um die französische Schlagermusik der Vergangenheit, das Chanson der 30er bis 60er Jahre, aufbereitet in dem ganz besonderen Stil der Götz Alsmann Band. Und genau auf das dürfen sich die Besucher in Bamberg freuen.

Götz Alsmann spielt am Donnerstag, 7. Juni, ab 20 Uhr in der Konzerthalle Bamberg. Karten sind erhältlich bei der telefonischen Hotline unter der Nummer 0951/2 38 37 oder im Internet unter www.kartenkiosk-bamberg.