Barbara Fengler hält stolz den "magischen Schlüssel" hoch. Damit öffnet die Domführerin die Tür zum Westchor, in dem sich das Grab von Clemens II. befindet: das einzige Papstgrab nördlich der Alpen. Vom Innenraum des Domes her ist die Marmortumba (um 1230/35) den Blicken entzogen: Die Kathedra, der Bischofsstuhl, steht unmittelbar davor.

Domführerin Fengler erzählt der Besuchergruppe aus der Vita von Papst Clemens, des einstigen Bischofs namens Suitger von Bamberg. Und die 30-jährige Historikerin spart nicht mit gruseligen Details: Ist dieser Papst mit Blei vergiftet worden?

Die Zuhörer sind sich bewusst, dass sie eine einzigartige Domführung erleben. Denn die städtischen Gästeführer haben nicht die Möglichkeit, diesen verborgenen Ort zu zeigen. "Das ist unser Alleinstellungsmerkmal", sagt Sabine Hölscher, Leiterin der Domtouristik.
Die Kunsthistorikerin steht siebzehn bestens geschulten Führern vor, die den Gruppen die Schönheiten und Besonderheiten des Domes nahebringen. Stets darauf bedacht, einen der wichtigsten Sakralbauten Deutschlands als "Haus Gottes", als "gottesdienstlichen Raum" zu erklären und nicht als bloßes Museum.

Etwa eine Stunde dauert die Führung der Domtouristik. Eine kurzweilige Geschichtsstunde, die den Erbauer des ersten Bamberger Domes, Kaiser Heinrich II., lebendig werden lässt. Die über die Zerstörung des Heinrichsdomes durch einen Brand berichtet, und über den neuen Dom in seiner jetzigen Gestalt im spätromanischen-frühgotischen Baustil.

Barbara Fengler hat noch mehr "magische Schlüssel" dabei: Sie geleitet die Besucher in die ansonsten nicht zugängliche dreigliedrige Ostkrypta mit den mächtigen Säulen und Bestandteilen der vorherigen Ostkrypta aus der Zeit Bischof Ottos des Heiligen (1102-1139). In der Westkrypta mit der Bischofsgrablege stehen die Besucher staunend vor einer Mauer aus dem Heinrichsdom von 1012. Und pilgern weiter zur Häupterkapelle, in der in einem gläsernen Schrein die Kopfreliquien des heiligen Kaiserpaares Heinrich und Kunigunde aufbewahrt werden.

Natürlich haben Barbara Fengler und ihre Mitstreiter auch interessante Erläuterungen zur Ausstattung des Domes im Repertoire. Es macht Freude, ihren mit Humor und Anekdoten gewürzten Ausführungen über das Hochgrab des Kaiserpaares zu lauschen, das Tilman Riemenschneider im 15. Jahrhundert geschaffen hat. Über den "Bamberger Reiter", der einst wirklich durch das Fürstenportal in den Dom hineingeritten sein muss. Über den "Weihnachtsaltar" von Veit Stoß von 1520-1523, an dessen Historie sich die Wirren der Reformationszeit festmachen lassen. Über die neu geschaffene Altarinsel vor dem Westchor, dem liturgischen Mittelpunkt des Gotteshauses.

Die Domführer lösen den symbolischen Gehalt der Skulpturen auf, beantworten geduldig Fragen und machen Lust auf mehr. Denn auch die "Kombiführung" gehört zur Domtouristik: "Was man nicht mehr im Dom sehen kann, sieht man im benachbarten Diözesanmuseum", wirbt Sabine Hölscher für einen Abstecher zu den weltberühmten Kaisermänteln, zum vollständig erhaltenen Papstornat oder zum Domschatz. Die Domtouristik-Leiterin weiß, dass "Gruppen diese Kombiführung dankbar annehmen". Und dass überhaupt die Leute, die sich auf eine einstündige Domführung einlassen, ein hohes Interesse mitbringen. Die städtischen Gästeführer müssen ihre Gruppen in zwanzig Minuten durch den Dom geschleust haben.