Jetzt sind sie weg, die beiden mächtigen Pappeln am Uferweg an der Regnitz. Generationen von Bürgern haben sich an ihrem Anblick erfreut, Tiere ihren Schutz genossen. Die Säge brauchte indes nur wenige Minuten, um den mehr als hundert Jahre alten Bäumen ein Ende zu machen. Was die einen emotional beobachten, sehen andere als nüchterne Notwendigkeit: Die Aktion war erforderlich, weil die Bäume dem Hochwasserschutzprojekt Regnitzau weichen mussten.



Gefreut hat sich unter den Zuschauern der Aktion trotzdem kaum jemand. Anwohner reagierten traurig, und auch den Fachleuten von der Flussmeisterei war ein gewisses Bedauern anzumerken. Schließlich handelte es sich um zwei "Charakterbäume", wie respektvoll festgestellt wurde. Aber: Die stattlichen Hybridpappeln waren schlicht der Schutzmauer im Weg, die entlang der Uferstraße errichtet wird und die Siedlung vor einem Jahrhunderthochwasser schützen soll.


Im Januar 2011 hatte sich der Fluss zuletzt mächtig ausgebreitet, das Wasser stand bereits bis zum Straßenrand. Ähnlich war's schon rund anderthalb Jahrzehnte zuvor; damals wurden die Siedler, auch in abgelegenen Straßen, bereits mit Sandsäcken ausgerüstet. Solche Situationen will man künftig vermeiden, deshalb erhält die Regnitzau einen umfassenden Hochwasserdamm.

Flussmeister Albert Groh hat die Fällaktion geleitet. Auch er spricht mit Respekt von den beiden Bäumen, die dort über Jahrzehnte ortsbildprägend gewesen waren. "Glauben Sie mir, die Arbeiter haben Ehrfurcht vor alten Bäumen", sagte er. "Die machen das nicht gern." Dennoch blieb laut Groh keine andere Wahl als der Griff zur Säge. Denn ein paar Meter entfernt vom Standort der Pappeln, direkt am Straßenrand, verläuft künftig die Schutzmauer.

Bis zu acht Meter tief muss eine Spundwand in den Boden gerammt werden. Dadurch würde das Wurzelwerk geschädigt werden, die jetzt noch kerngesunden Bäume könnten im Lauf der Jahre umstürzen, sagte Groh. Und weil die Riesen 30 beziehungsweise 25 Meter hoch waren, hätte das eine Gefährdung bedeuten können, zumal gleich nebenan die Straße verläuft.

Die Anlieger aber äußern sich durchaus skeptisch. Traudl Stark, die seit 1964 dort lebt, hat den Anblick der Bäume und das Vogelgezwitscher genossen. Auch Reta Hofmann vermisst die beiden Pappeln und befürchtet außerdem, dass durch den Wall der Blick auf die Regnitz künftig versperrt wird: "Das wird keine Uferpromenade, das wird ein Mauerweg".

Von der Enttäuschung über die Baumfällaktion kündeten zwei handgeschriebene Zettel, die jemand an einer der beiden großen Pappeln angebracht hatte. "Könnt ihr unnötige Zerstörung von Leben und Lebensraum verantworten?", stand da zu lesen. Gemeinderat Klaus Homann, der in der Uferstraße wohnt und die Fällaktion beobachtet hat, verteidigt hingegen die Maßnahme. Für ihn sei der Schutz der Bevölkerung vorrangig, sagte der CSU-Politiker.

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Eine, in den Augen der Naturschützer weitaus wertvollere Schwarzpappel ein paar hundert Meter entfernt, habe man retten können. Und eine, vermutlich fast 200 Jahre alte Eiche nahe dem Kindergarten, auf der anderen Seite der Siedlung, werde man wohl ebenfalls erhalten können. Das sagte Projektleiter Hans-Joachim Rost, Bauoberrat am Wasserwirtschaftsamt in Kronach. Wie Flussmeister Albert Groh erläutert, wurden rund um die Regnitzau insgesamt etwa 90 Bäume gefällt. Vorwiegend waren es Eichen und Pappeln.

Ziel des Großprojekts ist der bestmögliche Hochwasserschutz der gesamten Siedlung. Das wird teilweise durch eine Mauer, wie an der Uferstraße, und durch einen Damm gewährleistet. Die Spundwand werde bis zu acht Meter in den Boden gerammt, die Mauer selbst etwa einen Meter hoch, sagte der Projektverantwortliche Rost. Der Damm werde bis zu fünf Meter hoch.

Rost weiß, wie sensibel die Maßnahme ist, die für die Anwohner auch Beeinträchtigungen mit sich bringen werde. Man bemühe sich um eine ästhetische Gestaltung und sei für Wünsche der Bürger im Detail offen. Die gefällten Bäume werden als Totholz wieder in die Natur eingebracht. Sie bleiben an der Regnitz, also in ihrer alten Heimat, wie es Flussmeister Groh bezeichnete. Zusätzlich seien Neuanpflanzungen beabsichtigt. Da setzt man auch auf die seltene Schwarzpappel, den Baum des Jahres 2006.