Millimeterarbeit ist gefragt, als der Kapitän der MS Ariana mit seinen Flusskreuzfahrtschiff am Hotelkai im Bamberger Hafen anlegt. Einige Zuschauer beobachten das Manöver vom Sonnendeck aus. Die meisten der knapp 160 Passagiere lassen sich jedoch von den mit Schiffstauen umherschwirrenden Matrosen und dem Kapitän, der per Funk das Anlegemanöver steuert, nicht beirren und genießen vom Panorama-Restaurant das Treiben. Als allerdings per Seilwinde der Behelfssteg heruntergelassen wird, kommt Bewegung auf dem Schiff auf. Viele der Gäste freuen sich auf ihren ersehnten Landgang und warten geduldig am Ein- und Ausstieg, bis das letzte Tau befestigt und der Steg fest sitzt. Dann gibt es für Passagiere kein Halten mehr. Zumal das Schiff, aufgrund längerer Wartezeiten an den Schleusen, mit zweistündiger Verspätung in Bamberg ankam.

Rund ein Dutzend Taxis stehen in langer Schlange vor dem Hafenkai. Keine zehn Minuten später und das Schiff und die Anlegestelle sind nahezu menschenleer. Nur Wenige verbleiben auf dem Schiff und genießen die warmen Sonnenstrahlen. Auch das Ehepaar Furtwängler aus Wiesbaden hat beschlossen, nicht wie die anderen Passagiere auf den Spuren des Bamberger Weltkulturerbes zu wandeln. "Normalerweise hätte wir zwei Stunden längeren Aufenthalt gehabt. So wird uns das jetzt aber zu stressig. Daher bleiben wir hier in der Nähe", sagt Manfred Furtwängler. Für die beiden Rentner ist es die erste Schiffskreuzfahrt, die sie unternehmen. Seit Sonntag sind sie unterwegs und restlos begeistert. "Die erste Nacht auf dem Schiff war etwas ungewöhnlich, aber mittlerweile schlafen wir hervorragend. Zumal der Seegang, abgesehen von ein paar Wellen, bisher sehr ruhig war", schildert Käthe Furtwängler.

An Bord gibt es (fast) alles, was das Herz begehrt. Fünf Mahlzeiten, davon drei Hauptmahlzeiten, einen Kaffeesnack sowie einen Mitternachtsimbiss. Dazu Wein, Bier oder verschiedene alkoholfreie Getränke. "Am Abend werden wir zusätzlich mit einem abwechslungsreichen Programm unterhalten", erzählt das Ehepaar. So wurde gestern beispielsweise an Bord eine bulgarische Hochzeitsfeier nachgestellt. Am Abend zuvor gab es Musik. Und auch für die restlichen Tage sei immer etwas Unterhaltsames geplant.

Die MS Ariana ist erst kürzlich in Holland vom Stapel gelaufen und befindet sich derzeit auf ihrer Jungfernfahrt. Die Route geht von Mainz über Würzburg, Bamberg, Nürnberg, Kelheim, Regensburg und zum Endziel nach Passau. "Von dort wird die MS Ariana dann regelmäßig auf der Donau bis nach Budapest bzw. zum Donaudelta rauf- und runterfahren", erläutert Atanas Lokmadzhiev von der bulgarischen Reederei Dunav Tours. Die MS Ariana ist das sechste Schiff der Reederei. Gechartert wurde das Vier-Sterne-Schiff von Phoenix Reisen GmbH. Es ist 110 Meter lang, rund 11,50 Meter breit und hat einen Tiefgang von 1,60 Meter. Es kann 158 Passagiere sowie 40 Mann Besatzung aufnehmen.

Es verfügt über jede Menge Annehmlichkeiten: Fitnessraum, Friseur, Massage- und Wellnessangebote, ein Panorama-Restaurant und eine Heckbar mit herrlichen Ausblick. Auch die wenigen Stufen sind für Gehbehinderte kein Problem: Das Schiff hat sogar Aufzüge. Die Kabinen - 80 Prozent haben französischen Balkon - bieten ordentlich Platz. "Ansonsten sind wir ein schwimmendes Hotel. Mit Vollverpflegung und allem anderen Service auch", berichtet der Manager von Dunav Tours.

"Letztes Jahr gingen 514 Schiffe mit etwa 76 000 Passagieren bei uns vor Anker", bilanzierte Hafenmeister Harald Holzschuh. Tendenz steigend. Zum Vergleich: Im Jahre 2006 waren es noch 327 Schiffe mit rund 46 000 Passagieren. heuer erwartet der Hafenmeister eine weitere Steigerung auf rund 581 Schiffe mit etwa 90 000 Passagieren. Die meisten Schiffe machen für vier bis sechs Stunden fest. Einige wenige bleiben auch für ein bis zwei Tage am Kai. "Nach meinen Beobachtungen sind die meisten Passagiere Senioren ab 60 Jahren. Überwiegend kommen sie aus Amerika und dem asiatischen Raum", weiß Holzschuh. Die deutschen Kreuzfahrer ziehe es dagegen mehr auf die Donau.