Bamberg
Festakt

Ludwig Schick erhält Prachthandschrift

Das Sakramentar Heinrichs II. zählte 800 Jahre lang zu den bedeutendsten Schätzen des Doms. Als Faksimile kehrt es nun von München nach Bamberg zurück. Erzbischof Ludwig Schick nahm das Prunkstück im Bischofshaus in Empfang.
Erzbischof Ludwig Schick, Rolf Griebel und Armin Sinnwell bewundern das Faksimile. Foto: Rinklef
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Bei aller Freude über das prachtvolle Faksimile verkniff sich Erzbischof Ludwig Schick nicht einen sanften Seitenhieb:

"Ich bedauere natürlich, dass das Original nicht mehr in Bamberg ist."

Nämlich das Sakramentar Heinrichs II., das 800 Jahre lang zu den bedeutendsten Schätzen des Bamberger Domes gehörte und 1803 nach München verbracht wurde.

Armin Sinnwell, Leiter des Faksimile Verlags, fragte in seiner launigen Ansprache sogar, ob Heinrich II. heute gutheißen würde, dass Teile der Kunstschätze, die er einst seinem Bistum schenkte, in München verwahrt werden.

Sinnwell gab mit dem berühmten Fluch auf Buchdiebe aus der Klosterbibliothek San Pedro in Barcelona eine mögliche Antwort: "Dem, der dieses Buch von seinem Eigentümer stiehlt oder sich ausborgt und nicht wieder bringt: Lass es sich in seiner Hand in eine Schlange verwandeln und ihn zerreißen. Lass ihn von Krämpfen geschüttelt werden und all seine Organe vernichtet werden...".

Ob die Faksimile-Edition des Sakramentars nun über den dauerhaften Verlust des Originals hinwegtrösten mag, sei dahingestellt.

Einmalig und vollständig ist das Faksimile jedenfalls:

Der Band umfasst 718 Seiten im Originalformat auf Pergamentblättern, Miniaturen, Gold-Silber-Initialen, das Kalendar in Echtvergoldung. Der Prunkeinband besteht vorn aus einem Elfenbeinrelief in einem Goldblechrahmen. Nur 333 Exemplare umfasst die Faksimilie-Edition.

Ein einzelnes Stück kostet über 25.000 Euro.

Das Exemplar, das Erzbischof Schick von Armin Sinnwell, überreicht bekam, trägt die römische Nummer II. Die Nummer I geht am 17. Dezember an Papst Benedikt XVI.

Das originale Sakramentar ist sehr bald nach der Krönung Heinrichs II. (1002) entstanden.

Buchkünstler der Buchmacherschule des Regensburger Benediktinerklosters St. Emmeram schufen das aufwendige Werk.

Es enthält all jene Gebete, die während der Messe vom zelebrierenden Priester oder Bischof gesprochen wurden.

Heute befindet sich das Sakramentar in der Bayerischen Staatsbibliothek, wo es zu den wertvollsten Beständen gehört. Aus konservatorischen Gründen wird das 1000 Jahre alte Buch nur noch selten aus dem Klimaschrank geholt. Der Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek, Rolf Griebel, nannte im Festakt das Sakramentar Heinrichs II. ein "herausragendes Kulturdenkmal von europäischem Rang". Es sei notwendig, dessen "unwiederbringliche Materialität und Qualität für die nächsten Generationen zu sichern".

Auch die "exzellente Faksimile-Ausgabe mit ihrer originalen Anmutung" wird, so Griebel, "allerhöchsten Ansprüchen gerecht".

Für Erzbischof Schick stellt das Faksimile vor Augen, welchen Wert Bistumsgründer Kaiser Heinrich II. "auf die Schönheit der Kunst und die Würde in der Liturgie" gelegt habe:

"Das Schöne dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, denn in dem Schönen werden das Gute und Wahre erhalten und tradiert", erklärte Schick.

Das Faksimile Nummer II. gehört nun dem Erzbischöflichen Stuhl. Erzbischof Schick versicherte, dass es ins Diözesanmuseum kommt, "damit jeder das Prachtexemplar sehen kann".
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