Ein Junge turnt allein durch den Garten. Seinen Geburtstag muss er ohne Freunde feiern. Es ist der kleine Bruder von Jana Margarete Schuler, die diesen einsamen Moment in der Corona-Pandemie mit ihrer Kamera festhält. Nach und nach wächst ihre Foto-Reihe "Leben im Lockdown", in der Schuler scheinbar alltägliche Situationen zu etwas Besonderem macht. Die 28-jährige Bambergerin studiert Dokumentarfotografie und Fotojournalismus in Hannover und arbeitet als selbstständige Fotografin.

Auf ihren Bildern zeigt sie Menschen aus ihrem direkten Umfeld während der Pandemie. Für diese Foto-Reihe hat Schuler den Newcomer-Preis 2020 des Bayerischen Journalisten-Verbands (BJV) erhalten. Das Urteil der Jury: "Eines der wichtigsten Themen dieses Jahres ist facettenreich erzählt. Die besondere Qualität ist die persönliche Sicht auf eine Familie und deren Umgang mit Corona. In diesem sozialen Umfeld schwingt viel Empathie."

Für Schuler sind es "alles keine extremen einzigartigen Situationen, aber durch die aktuelle Lage trotzdem ungewöhnlich. Noch vor zwei Jahren wäre das kein Foto wert gewesen." Sie erzählt von ihrem Bruder, der gerade schreiben lernt und dessen erste Sätze davon handeln, dass er seine Freunde vermisst. "Das ist einfach traurig. An seinem Geburtstag konnte ich ihn nicht einmal umarmen". Auch der Besuch des Großonkels vor der Haustür und mit Abstand wird festgehalten. "Mein Großonkel wird 90, er will die letzte Phase seines Lebens nicht allein verbringen, das ist schon schlimm für ihn", erzählt Schuler.

Trotzdem findet sie die Maßnahmen gegen das Virus sinnvoll. Wie auch ihre Mitbewohner. Auf einem der Bilder sind diese zu sehen, wie sie vor dem Haus sitzen und mit der Nähmaschine Masken nähen. "Das war süß, sie haben sich aus einer Zeitung die Anleitung für Masken ausgeschnitten und alle möglichen Stoffreste zusammengesucht."

Die Bambergerin findet, dass "die körperliche Gesundheit super wichtig ist, aber die psychische Gesundheit leidet. Das Zwischenmenschliche ist Teil unserer Gesellschaft." Dieses Zwischenmenschliche in Zeiten dieser Pandemie trotzdem zu bewahren, kann zu "skurrilen Situationen" führen. Wenn Schuler ihre Haustür öffnet, liegt die Terrasse der Nachbarin genau gegenüber. "Wir haben uns teilweise von Tür zu Tür zum gemeinsamen Kaffeetrinken getroffen". Sie glaubt, dass ihre Bilder auch anderen Leuten Halt geben können, da sie sich in den verschiedenen Alltagssituationen wiederfinden und sehen, dass sie nicht allein sind. Auch wenn es sich manchmal so anfühlt.