Der Hintereingang des E.T.A.-Hoffmann-Theaters. Gerade sind die Proben zu den "Nibelungen" zu Ende gegangen. Katharina Rehn wartet bereits. Mit zartem Händedruck stellt sie sich vor: "Ich bin leider nicht fit", spricht sie mit leiser, erschöpfter Stimme. Ganz anders am Abend zuvor, als sie bei der Premiere von Hebbels Drama das Publikum in ihrer Rolle als Volker, dem burgundischen Spielmann und Ritter, mit kraftvoller, unwiderstehlicher Art begrüßte und durch das Stück führte. Aber auch da war sie bereits angeschlagen. "Als Schauspieler spielt man erst dann nicht mehr, wenn man mit 43 Grad Fieber im Bett liegt", erzählt sie lachend. Tatsächlich fordert dieser Beruf den Schauspielern einiges ab. Aber Katharina Rehn hat ihn sich bereits früh ausgesucht.

Aufgewachsen ist die 25-Jährige mit zwei Geschwistern im mittelfränkischen Stein nahe Nürnberg.
In ländlicher Idylle und unter dem musischen Einfluss der Eltern begann sie bereits mit drei Jahren, Blockflöte und ein Jahr später Fagott zu spielen. "Damals dachte ich noch, ich werde Musical-Star", erinnert sie sich. Doch im jugendlichen Alter spürte sie, dass es Theaterbühnen - die Bretter, die die Welt bedeuten - sind, auf denen sie ihre Zukunft sieht. Zu diesem Zeitpunkt spielte Katharina Rehn auch Handball - und das ziemlich erfolgreich. Außerdem besuchte sie ein musisches Gymnasium in Nürnberg. Für sie nur ein Hindernis auf ihrem Weg zur Schauspielerei, das so schnell wie möglich beseitigt werden musste. Also schrieb sie einem Schauspieler vom Staatstheater Nürnberg: "Ich breche die Schule ab - gib mir Schauspielunterricht!"


Wild entschlossen

Katharina Rehn war 14 Jahre alt und ihrer wilden Entschlossenheit ließ sie Taten folgen. Anstatt allerdings die Schule abzubrechen, trat sie dem Jugendclub am Staatstheater Nürnberg bei. Dennoch, ihr Traum, schon in jungen Jahren Schauspielerin zu werden, ließ sie nicht los. "Während der Schulzeit habe ich viel an Schauspielschulen vorgesprochen - das war fast schon wie ein Hobby", erzählt Katharina Rehn. In ihrer Zeit im Jugendclub hob sie sich mit ihrem Talent bereits von zahlreichen anderen Jungschauspielern ab und durfte 2009 auf der großen Bühne des Staatstheaters spielen.

Dann, nach dem Abi, kam endlich der Moment, auf den sie so lange gewartet hatte: eine Zusage der Folkwang Universität der Künste. Doch die junge Frau stellte schnell fest, dass das Studium ihren Erwartungen irgendwie nicht entsprach: Das Klima war wenig familiär, das System sehr verschult. Katharina Rehn sah nur einen Ausweg: Sie ließ das Studium für ein Jahr ruhen. Um es anschließend umso ernsthafter durchzuziehen. 2015, nach dem Abschluss, zog es Katharina Rehn nach Berlin.

In der Hauptstadt sollte sie an einer über zwei Jahre laufenden Produktion am Berliner Ensemble mitwirken. Damals empfand Katharina Rehn das als einen "Ritterschlag", heute betrachtet sie die Sache wesentlich nüchterner und spricht rückblickend von einem "naiven Berufsanfängergefühl". Sie verbindet diese Zeit mit einigen schlechten Erfahrungen, erinnert sich an den enormen Ellenbogeneinsatz unter den Schauspielern, an Meinungsverschiedenheiten mit der Intendanz. Doch Katharina Rehn wollte den "Preis der Anpassung" nicht zahlen.

Deshalb lebt und arbeitet sie heute in Bamberg. Sibylle Broll-Pape, die Katharina Rehn bereits durch ein Vorsprechen kurz nach dem Studium kannte, bot ihr an, ein festes Ensemblemitglied am E.T.A.-Hoffmann-Theater zu werden. Katharina Rehn sagte zu.

Und obwohl sie nicht weit von hier entfernt aufwuchs, so war es beim Fototermin für die neue Spielzeit am E.T.A.-Hoffmann-Theater das erste Mal, dass sie Bamberg besuchte. Hier lebt sie gemeinsam mit drei Schauspielkollegen in einer kleinen Wohngemeinschaft direkt in der Innenstadt. Sie fühlt sich "sehr gut aufgehoben" im neuen Ensemble. Und auch wenn die Arbeit an den Kraftreserven zehrt, so weiß sie, welche Entscheidung sie für sich getroffen hat - die richtige.