Kraftvoll, stark und einfach beeindruckend verhallen seine Worte bei der Lesung im Buch &:Medienhaus Hübscher. Man muss dabei kein Chinesisch verstehen, um zu spüren welche Aura von Liao Yiwu, dem chinesischen Dissidenten und Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, ausgeht.

Und dies, obwohl er vier Lehrmeister hatte, auf die man im Allgemeinen lieber verzichten würde. Der Hunger, die Schande, die Obdachlosigkeit und das Gefängnis haben sein Leben geprägt - so schreibt er selbst im Vorwort zu seinem Buch "Die Dongdong-Tänzerin und der Sichuan-Koch. Geschichten aus der chinesischen Wirklichkeit".

Kein Hadern mit dem Schicksal

Doch ohne mit dem Schicksal zu hadern, nimmt Liao seine "Lehrmeister" geduldig hin und baut darauf sein Leben auf. So hätte beispielsweise sein Lehrmeister, der Hunger, seinen "Geschmack geprägt und die Art und Weise seines Schreibens vorgegeben".

Selbst dem Gefängnis sei er nachhaltig dankbar, hätte es doch aus dem Dichter einen "Zeugen" gemacht, der inzwischen als "berühmter Bauchladenschriftsteller" ein China dokumentieren konnte, welches sonst für immer im Dunkeln geblieben wäre.

Nach der Performance zweier seiner Werke, einer kurzen Laudatio von Wolfgang Grader, dem Vorsitzenden der Tibet-Initiative und einer Leseprobe, vorgetragen vom Hübscher-Geschäftsführer Michael Genniges, stellte sich der Friedenspreisträger den Fragen der Zuhörer. Dabei erläuterte er unter anderem seine Verbundenheit zu den Tibetern. "Wie sind Nachbarn und miteinander sehr vertraut. Zudem werden beide Seiten von dem gleichen Diktator, China, unterdrückt", erläutert er.

Hoffnung für China

Seine Liebe zur Literatur habe er von seinem Vater, einem Gymnasiallehrer. Dieser habe ihn als kleinen Junge auf einen Tisch gesetzt. Darauf musste er solange sitzen bleiben, bis er das ihm vorgelegte Werk auswendig konnte.

Eines Tages werde seiner Meinung nach das chinesische Imperium auseinanderfallen. Auch gebe es immer mehr meist junge Menschen, die in China auf die Straße gingen und ihren Unmut äußern und beispielsweise aktiv für den Umweltschutz kämpfen würden.

Zudem genießen diese die Reisefreiheit und könnten auf ihren Reisen über Dinge informieren, die sie so in China niemals erfuhren würden.

"Somit habe ich Hoffnung für die junge Generation", betonte der Dissident, der seit seiner Flucht im Jahre 2011 in Berlin lebt. Doch auch in Deutschland, so berichtete er, habe er mittels Internet noch Kontakt zu seiner Familie und Freunden in seiner Heimat.

Liao Yiwu folgte einer Einladung der Tibet-Initiative Deutschland anlässlich des 55. Gedenktages des tibetischen Volksaufstandes von 1959. Vor seiner Lesung wurde der Friedenspreisträger von 2012 von der Stadt Bamberg im Alten Rathaus empfangen, wo er sich ins goldene Buch der Stadt eintrug.