Eine Entmunitionierung ist zwingend für alle künftigen Nutzungen." Das liest sich - von Herrn Lang womöglich gar nicht so beabsichtigt - wie "da muss erst mal die Putzfrau durch". Weiß man im Rathaus nicht, welche Kosten mit einer flächendeckenden Beräumung verbunden sind?

Auf dem Gelände - 145 Hektar - ist seit 1917 praktisch bis in die Gegenwart mit Munition gearbeitet worden, der Verdacht auf Giftgas und TNT (im Gefolge der Munitionssprengungen durch die US-Army) steht im Raum. Das bedeutet für eine Räumfirma (ich habe mehrere Jahre für eine gearbeitet) jahrelange Arbeit. Als Faustformel wird gehandelt: 1 Jahr effiziente Räumung = 2,5 Millionen Euro.

Allein die Kosten für das vorab notwendige Gutachten mit historischer Recherche, Boden- und Wasserproben dürfte einen sechsstelligen Betrag kosten.
Übrigens ist dort, wo die Räumtrupps ihre Arbeit verrichtet haben, von herrlicher Natur erst einmal keine Rede mehr.

Auch sind selbst nach einer Räumung noch längst nicht alle Probleme gelöst. Die 65 unterirdischen Bunker sind ein auf ihre spezielle Art "lebendiges Erbe" des Naziregimes. Der Beton ist zwar äußerst massiv, dennoch nicht für die Ewigkeit gemacht. Er beginnt zu bröckeln, die Armierungen rosten, irgendwann geben Pfeiler nach, stürzen Deckenteile ein.

Ich habe 13 Jahre lang bei Walsrode in unmittelbarer Nachbarschaft eines solchen Geländes gewohnt und habe miterlebt, wie die Bunker im Boden "arbeiten", wie sich Löcher im Waldboden auftun, wie rostige Eisenspieße plötzlich aus der Erde ragen, im Waldboden kaum zu erkennen - gefährliche Fallen für Spaziergänger.

Auch mit jenem Gelände in der Lüneburger Heide, das von 1938 bis 1945 eine große Pulverfabrik beherbergte, hatte man einst Großes vor. Ein Bundeswehrübungsplatz wurde diskutiert, die Firma Nobel zeigte Interesse. Die Bürger der umliegenden Gemeinden hatten allerdings keine Lust mehr auf derartige Nachbarn. Sie taten sich zusammen und kauften das Areal (120 Hektar), um ein Naherholungsgebiet daraus zu machen. Von einer flächendeckenden Räumung nahm man nach den ersten Expertisen der Kampfmittelexperten rasch Abstand. Es wurden schließlich "nur" Streifen im Bereich der vorgesehenen Wanderwege beräumt. Selbst dies kostete schon über zwei Millionen Euro.

Heute findet man an allen Zugängen zu dem Naherholungsgebiet und an den Abzweigungen zu Wegen, die nicht sicher sind, überall Texttafeln und Warnschilder, dass und warum man die ausgewiesenen Wege nicht verlassen soll und dass Hunde grundsätzlich an der Leine zu führen sind.

Es ist ein Idyll aus Wald, Heideflächen und sumpfigen Wiesen, durchzogen von kleinen Wasserläufen, belebt von seltenen Tier- und Pflanzenarten, obwohl es abseits der befestigten Wege auf unsicherem Boden steht, in dem man hier und da "Souvenirs" aus der alten Zeit sehen kann. Gewerbeflächen fanden sich anderswo.

Überall fehlt es an Geld, auch in Bamberg, so viel ich weiß. Ich glaube, dass schon aus diesem Grund die Stadt die künftig benötigten Gewerbeflächen nicht ausgerechnet in der Muna suchen sollte.

Leserin Edith Gottlieb aus Bamberg bezieht sich mit ihrem Brief auf den Artikel "Naturschützer wollen neue Gewerbeflächen in Bamberg verhindern" vom 1. Oktober 2014.