Bamberg
Leserbrief

Leserbrief zum Theater Bamberg: Tabula rasa als Flucht

Leserin Elisabeth Buck aus Erlau antwortet auf einen Leserbrief. Es geht um die Veränderungen am Theater Bamberg.
Symbolträchtiges Bild aus der zurückliegenden Saison: In "Weiße Rose" sprechen acht Schauspieler "letzte Worte" vor der Hinrichtung. F.: Thomas Bachmann
Symbolträchtiges Bild aus der zurückliegenden Saison: In "Weiße Rose" sprechen acht Schauspieler "letzte Worte" vor der Hinrichtung. F.: Thomas Bachmann
Das moderne Prekariat am Theater beschreibt Sandra Fleige in ihrem Leserbrief korrekt: Schauspieler haben einen Job ohne Sicherheit, Verträge schließen übliche Arbeitnehmerrechte aus, das Gehalt ist "absurd niedrig".

So konnte die künftige Intendantin eine schwangere Schauspielerin auf die Straße setzen, Mutterschutz hin oder her. Fleige fällt dazu nur ein, dass Schauspieler ja mit Herzblut spielten. Die Empörung des Publikums ob dieses Entlassungsrausches schade gar dem Theater.

Im Sinne von Fleige könnten Schauspieler eigentlich ehrenamtlich arbeiten. Denn von Lust und Liebe wird man doch satt, nicht?

Nein, ich kann keinen künstlerischen Gestaltungswillen der neuen Intendantin darin erkennen, dass sie erst mal alles ausräumt. Im Gegenteil. Sie hat sich um die Herausforderung gedrückt, sich selbst einer neuen Situation auszusetzen und darin Neues zu gestalten.

Sie bringt nur Vertraute mit. Und sie hat sich gedrückt, später zu entscheiden, nach dem sie unsere Schauspieler näher kennen gelernt hätte, mit wem sich Neues umsetzen ließe, mit wem Verkrustungen aufzubrechen wären und mit wem nicht. Tabula rasa als Flucht vor Einzelfallentscheidungen.


Der Leserbrief von Elisabeth Buck bezieht sich auf den Artikel Am Bamberger Theater sollen Köpfe rollen vom 29. September 2014 und auf den Leserbriefvom 17. Oktober 2014.