Die starken Regenfälle von Donnerstag auf Freitag haben verhindert, dass sich die Hochwassersituation entspannen konnte. Zuvor sinkende Flusspegel stiegen teils wieder über die Marken von Wochenbeginn. Dramatische Ausmaße nahm das Hochwasser aber nicht an Main oder Regnitz, sondern erneut an den kleinen Zuflüssen und Bächen vom Jura und aus dem Steigerwald.



Betroffen war unter anderem Litzendorf, wo der Ellerbach über die Ufer trat und vor allem die Orte und Anwohner am Leitenbach, der vom Jura über Scheßlitz und Memmelsdorf nach Kemmern zu Main fließt. In Wiesengiech waren mehrere Ortsstraßen komplett überflutet. Die Wassermassen flossen recht schnell wieder ab, kamen dabei aber auch in Drosendorf und Gundelsheim den Häusern nahe.

Doch von weiter oben am Leitenbach kommt immer noch Wasser nach.
In Roßdach und Weichenwasserlos, wo seit der Nacht auf Montag die Staatsstraße hinauf nach Wattendorf teilweise überflutet wird ist, hat sich die Situation bis Freitagmittag zwar nicht verschärft, aber auch nicht entspannt. "Es läuft immer noch und spült die Straße weg", berichtet eine Anwohnerin Eva Schickentanz aus Roßdach, die den FT bereits am Dienstag über die Situation informiert hatte. Die Fluten hätten zwar zwischenzeitlich leicht nachgelassen, seit dem Regen vom Sonntag sei aber wieder die ganze Straße bis an ihre Grundstücksgrenze überflutet.

Feuerwehren im Dauereinsatz
Laut Kreisbrandrat Bernhard Ziegmann waren die Feuerwehren im Landkreis seit Sonntagnacht im Dauereinsatz. Im Hallstadter Bauhof wurden zudem zusammen mit dem Technischen Hilfswerk (THW) Sandsäcke abgefüllt. Hauptsächlich betroffen seien Teile der Gemeinden Litzendorf, Scheßlitz, Breitengüßbach und Memmelsdorf gewesen. Aber auch in Hirschaid sowie im Steigerwald in Ebrach und Burgwindheim habe die Feuerwehr zu Einsätzen ausrücken müssen. Immer wieder mussten vollgelaufene Keller leergepumpt werden.

Am Freitagabend bereiteten sich die Einsatzkräfte in Hallstadt darauf vor, dass der Gründleinsbach bei weiteren Regenfällen in der Nacht über die Ufer treten könnte. Dabei kamen die zuvor im Bauhof abgefüllten Sandsäcke zum Einsatz. Der Sportplatz stand bereits unter Wasser.

Stark gefordert waren gestern auch der Kreisbauhof und das Tiefbauamt des Landkreises. Und das, obwohl wegen des Brückentages nur mit verminderter Belegschaft gearbeitet werden konnte. "Wir sind alle voll im Einsatz, im gesamten Landkreis stehen Straßen unter Wasser und müssen abgesperrt werden", ließ - im Vorbeigehen - Matthias Meister vom Tiefbauamt des Landkreises wissen. Betroffen sei vor allem der östliche Landkreis, bis heute rechnet man aber damit, dass auch in den anderen Bereichen die Fluten noch steigen werden. Schwierig gestalteten sich gestern die Einsätze, weil unter anderem die Kreisstraße zwischen Memmelsdorf und Pödeldorf wegen des Hochwassers gesperrt werden musste. Betroffen war damit die Basis der Behörde, der Kreisbauhof, der nur noch unter schwierigen Bedingungen oder gar nicht mehr angefahren werden konnte. "Bei Memmelsdorf schaut's aus wie an der Donau", meinte ein Gemeindemitarbeiter.

Autobahnen unter Wasser
Nicht nur im Landkreis waren die Pumpen der Feuerwehr gefragt. So stand etwa in der Stadt Bamberg die Gutenbergstraße teilweise unter Wasser, ebenso eine Halle eines dort ansässigen Elektro-Unternehmens. Bemerkbar machte sich das Hochwasser nicht nur für Autofahrer, die auf kleinen Ortsverbindungsstraßen in Flussnähe öfter auf Sperrschilder stoßen. Gesperrt war auch die Autobahnausfahrt Breitengüßbach-Mitte. Zeitweise bildete sich davor ein kilometerlanger Stau. Behinderungen gab es auch weiter südlich auf der A 73. Zwischen Buttenheim und Hirschaid musste zeitweise der rechte Fahrstreifen in Richtung Bamberg gesperrt werden.

Ernst, aber nicht kritisch, ist die Lage an den Flüssen. Der Mainpegel bei Kemmern kletterte am Freitagabend zwar wieder bis zur zweiten Meldemarke von 4,80 Meter. Die Zweithöchste Meldestufe 3, die bei 5,70 erreicht wird, dürfte aber nur dann überschritten werden, wenn es am Wochenende zu einem Dauerstarkregen kommt, wie ihn manche Wettermodelle für möglich halten. Im roten Bereich der Stufe 3 bewegte sich am Freitag seit etwa 5 Uhr früh die Itz ganz im Norden des Landkreises. Mit dem Nachlassen des Regens am Nachmittag stabilisierte sich aber auch hier die Lage und der Pegel stieg nicht mehr weiter an.

Im Einzugsbereich der Regnitz blieben die Wasserstände an Rauher und Reicher Ebrach sowie der Aisch auf hohem, aber stabilem Niveau. Die Prognose für den Regnitzpegel Pettstadt sah daher für den ungünstigsten Fall ein Überschreiten der Meldestufe 2 am Samstagmorgen möglich.

Noch nicht die große Katastrophe sind die anhaltenden Niederschläge für die Landwirte. "Wir brauchen heuer nicht um Regen zu beten", meint der Bamberger Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Heiner Faatz, wie das in den vergangenen Jahren der Fall gewesen sei. Zwar könne das Getreide, wenn es zu üppig stehe, stellenweise schon mal knicken. "Es müsste sich aber, weil die Blüte noch nicht eingesetzt hat, bei ein bisschen Sonne wieder aufrichten".