"Was lange währt, wird endlich gut. Und in diesem Fall sogar einzigartig in ganz Deutschland", freute sich Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) beim gestrigen Spatenstich zum neuen Jugendförderzentrum "Baskidhall" in der Gereuth. Mehr noch: Der OB sprach bei schönstem Sonnenschein und vor vielen Anwesenden sogar von einem Leuchtturmprojekt und einem weiteren "Meilenstein in der sozialen Entwicklung der Stadt". Schließlich entstehe auf dem ehemaligen Bauhof der Firma Eberth-Bau nicht nur eine neue Sporthalle, sondern zugleich eine neue Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und Familien sowie für die Spitzensportler der Brose Baskets. "Neben dieser innovativen Kombination von sozialer Arbeit und Leistungssport ist nun darüber hinaus der Weg frei für den Bau von neuen Wohnungen", unterstrich Starke.

Auch die Bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) - der Freistaat fördert den Bau mit 300 000 Euro - war voll
des Lobes: So würden die Spitzensportler den dort spielenden Kindern und Jugendlichen als Vorbilder dienen. "Zudem ist Sport gesund und ich sehe in dem Projekt großes Integrationspotenzial. In einem Alter, in dem Gleichaltrige immer wichtiger werden, verspricht das Förderzentrum diejenigen positiven Erlebnisse, Begegnungen und Leitbilder, die Jugendliche so dringend brauchen", so Huml. Damit sehe sie eine große Bereicherung für den Stadtteil Gereuth.


Jugend muss Vorrang haben

Doch nicht alle teilten diese Euphorie. So ist beispielsweise Stadtrat Norbert Tscherner (BB), selbst sehr engagiert in der Gereuth und für jede Aufwertung dankbar, geteilter Meinung: "Ich begrüße das Projekt, solange es für unsere Jugend ist. Es darf aber nicht nur als Vorwand hergenommen werden und letztendlich dann nur den Profibasketballern zur Verfügung stehen."

Die GAL lehnt das Projekt zwar nicht generell ab. "Wir bemängeln aber die Art und Weise, wie es umgesetzt wurde. Es dient vor allem dem Profibasketball, daher hätte es auch einen anderen Bauträger als der Stadtbau bedurft", kritisierte GAL-Stadtrat Peter Gack. Vor allem dürfe man der Stadtbau nicht zu viel aufs Auge drücken. Zumal die Bürgschaft über die Brose-Arena und die Luxusbauten auf dem Erba-Gelände alles andere als dem ursprünglichen Satzungszweck der Stadtbau entspreche, nämlich den sozialen Wohnungsbau in Bamberg zu fördern. Gack: "Wir würden es begrüßen, wenn die Stadtbau auf dem ehemaligen Eberth-Gelände den sozialen Wohnungsbau mit dem gleichen Engagement betreiben würde wie den Bau der Halle - und endlich kostengünstigen Wohnraum für Familien erschafft."

Zudem fürchtet die GAL, ähnlich wie Norbert Tscherner, dass die neue Halle hauptsächlich als Trainingsgelände für die Spitzensportler genutzt werden wird und die Jugendeinrichtung nur einen Nebeneffekt von untergeordneter Rolle spielt. "Wir lassen uns aber gerne eines Besseren belehren", so Gack.
Inwieweit mit dem Bau der neuen Sporthalle in der Gereuth ein Überangebot an Sporthallen in Bamberg entsteht - zu der Brose-Arena und den zahlreichen Dreifachturnhallen in der Stadt gesellen sich in naher Zukunft noch die Kennedy-Hall und der "Freedom Fitness Gym Facility" auf der Konversionsfläche -, wollte Gack nicht kommentieren. Allerdings, so betonte er, müsse der Bedarf genau durchgerechnet werden.

Matthias Gensner, Geschäftsführer des Vereins Iso e.V., jedenfalls sieht eine großen Nachfrage für die neue Sporthalle. Man habe vor einiger Zeit eine Befragung bei den Jugendlichen durchgeführt, bei der sich alle einhellig für einen Jugendtreff ausgesprochen hätten. "Zudem ist unsere provisorische Basketballhalle in der Moosstraße komplett ausgebucht und wir wissen nicht, wie lange sie uns noch zur Verfügung steht." Eine Überschneidung mit den Spitzensportlern sieht er jedenfalls nicht.


Mehr als eine Sporthalle

"Die Profimannschaft wird weiterhin bis auf wenige Ausnahmen in Strullendorf trainieren. Wir teilen uns also die Halle mit den Nachwuchssportlern der Brose Baskets", schilderte Gensner. Zudem sei die neue Anlage mehr als nur eine Sporthalle. Es würde dort eine Hausaufgabenbetreuung angeboten, ebenso wie offene Kinder- und Jugendarbeit.