Den achtsamen Umgang mit der Schöpfung sehen die Benediktinermönche der Abtei Münsterschwarzach als eine Art Gottesdienst und so bedeutsam wie das liturgische Beten. Vor zwölf Jahren begannen die Brüder und Patres ihr Klosterprojekt "Regenerative Energien" - mit Wasserkraft, Biogas, Holz und Photovoltaik. In Sachen Umweltschutz setzten sie ein ökologisches Signal für die Zukunft mit der Vision, mit regenerativen Energieträgern aus der Region autark zu werden. In diesem Bestreben ist das Kloster auf der Zielgeraden angekommen.

Über 90 Prozent der im Kloster benötigten Energie kommt aus regenerativen Quellen. "Wir wollen uns im Kloster selbst versorgen und den CO2 -Ausstoß reduzieren, damit das Wetter weniger Kapriolen macht und die Umwelt weniger belastet wird," sagt Bruder Edmar Schäfer. Er ist im Kloster für die komplette Heizungsanlage verantwortlich ist. Ein wichtiger Job, denn immerhin müssen in der Abtei bei Kälte nicht weniger als 54.000 Quadratmeter beheizt werden.

Idee kam im Jahr 2000 auf


Die Erfüllung dieses großen Ziels haben der 70-jährige Benediktinerbruder und seine Mitbrüder unmittelbar vor Augen. Im Jahr 2000 hatten der durch seine Publikationen bekannte Pater Anselm Grün und der damalige Abt Fidelis Ruppert die Idee, mit erneuerbaren Energien neue Wege zu gehen.

Seit dem Startschuss wurde das Energieprojekt in der Abtei konsequent verfolgt. Heute sind der Buchautor Pater Anselm als "Schatzmeister" und Prior Christoph Gerhard als technischer Leiter hauptverantwortlich für das Energiekonzept. Die einstige Vision der Ideengeber zur Energiegewinnung basiert auf vier Eckpfeilern: Wasserkraft, Biogas, Photovoltaik und Holzhackschnitzelheizung.

Außerdem ist die Abtei am Windpark Priorat Sankt Benedikt in Damme bei Oldenburg beteiligt. Dort kann sich die Abtei über Zinseinnahmen aus den Stromerlösen freuen.

Wasserkraft hat im Kloster Tradition


Die Energiegewinnung durch Wasserkraft hat im Kloster Tradition. Vor über 750 Jahren legten die Mönche am Unterlauf des Castell-Baches einen Kanal mit sieben Metern Gefälle an, der das Kloster seither mit Wasser und Energie versorgt. Seit 1960 liefert eine Turbine pro Jahr durchschnittlich über 60.000 Kilowattstunden elektrischen Strom. "Wenn es sehr gleichmäßig regnet, haben wir schon einen Spitzenwert von 98.500 Kilowattstunden erzeugter Stromenergie erreicht," klärt Bruder Patrick Karch auf. Er ist zuständig für das Wasserkraftwerk. "Wir sind natürlich abhängig davon, wie viel es im Steigerwald regnet. Von dort kommt der Castellbach."

Die schier unerschöpfliche Energie des Sonnenlichts fängt man im Kloster seit Oktober 2001 ein. Mittlerweile sind zwei Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von je 25 kWp auf den Dächern des Viehstalls und des Feuerwehrhauses installiert. Sie wurden zum Wahrzeichen des ökologischen Energieprojektes der Abtei, die im achten Jahrhundert gegründet wurde. Das St. Salvator, der Heiligen Maria und St. Felicitas geweihte Kloster wurde um 780 von Fastrada, der dritten Gattin Karls des Großen als Frauenkloster aus der Taufe gehoben. Der Bau der Klosterkirche erfolgte 788.

Biogasanlage deckt Bedarf vollständig


2006 wurde die Biogasanlage errichtet, die durchschnittlich jedes Jahr 1,5 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Das "Futter" für die Biogasanlage liefern die klostereigene Rinderzucht, geschrotetes Getreide, Mais, Gras und Klee. Die Anlage deckt den Strombedarf in der Abtei zu hundert Prozent und produziert sogar Stromüberschuss. So können weitere 50 Prozent in das Stromnetz eingespeist werden, was für eine gute Rendite sorgt. "Im Dezember vergangenen Jahres haben wir in der Biogasanlage ein zweites Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen," sagt Bruder Edmar mit Blickrichtung auf die angestrebte hundertprozentige energetische Unabhängigkeit.

Die Rohstoffe für die Holzhackschnitzelheizung, die 2003 in Betrieb ging, erhält die Abtei von verschiedenen Quellen. Baumschäden auf dem Klostergelände, die durch Stürme zustande kommen, werden sofort verwertet. Bruder Bruno Gössmann karrt mit einem alten Traktor die Äste zur Heizungsanlage. Auf dem Vorplatz werden die Stämme mit bis zu 60 Zentimeter Durchmesser vom Schnitzelwerk einer riesigen Maschine zerfetzt, damit sie als Holzhackschnitzel verheizt werden können.

Der größte Teil der Rohstoffe kommt allerdings aus den heimischen Wäldern. "Wir haben hier Verträge mit den Forstbetriebsgemeinschaften, privaten Waldbesitzern und Kommunen," erklärt Bruder Edmar. 1500 Tonnen Holz werden pro Jahr in der Anlage verbrannt. Die Heizung erzeugt 80 Prozent der Wärme, die im Kloster und in seinen Betrieben benötigt werden. "Mit dem Holz erreichen wir den Heizwert von 500.000 Litern Heizöl pro Jahr", ist Bruder Edmar stolz auf die Entwicklung. Teures Heizöl braucht man im Kloster eigentlich nur noch für die Backöfen und Dampfgarer. "Mir macht das Energieprojekt Spaß," sagt Bruder Edmar. Umweltbewusst zu leben, ist für ihn ganz wichtig. Im Kloster ziehen alle an einem Strang. Probleme gibt es lediglich bei der Biogasanlage wegen gelegentlicher Gerüche. Diese durch Filter zu beseitigen sieht der Umweltbruder als eines der vordringlichen Ziele für die nahe Zukunft. "Gas geben" möchte er ferner noch in Sachen "Photovoltaik."