Nach drei Wochen Gartenschau überlegt es sich Siegfried Prell mittlerweile sehr genau, wo er in seinem kleinen Gartenparadies hinläuft oder nicht. "Wer zum Zaun geht, hat schon verloren", sagt Prell mit einem Schmunzeln im Gesicht. "Unter einer Stunde kommt man nicht davon."

Natürlich ist es nicht so, dass Siegfried Prell und die meisten anderen seiner Kleingärter-Kollegen nicht gerne Auskunft geben würden, wenn sie von den Zaungästen auf der Erba-Insel gefragt werden. Sie genießen es sogar, dass die Kleingartenanlage "Schwarze Brücke" seit 26. April so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht wie nie in ihrer 62-jährigen Geschichte. "Man hat uns gesagt, dass während der Gartenschau ein Teil der Besucher bei uns durchlaufen wird", sagt Prell, der auch Vorsitzender des Kleingartenvereins ist. "Aber tatsächlich sind es 95 Prozent aller Gartenschaubesucher, die sich unsere Gärten nicht entgehen lassen."

Das ist eine ganze Menge. Knapp drei Wochen nach Eröffnung der Landesgartenschau erwartet die Gartenschaugesellschaft am Dienstag den 100.000sten Besucher. Vor allem am vergangenen Wochenende schoben sich trotz kühler Temperaturen wieder Tausende über das Gelände. Ein Großteil davon ließ es sich nicht nehmen, beim Gang zur Inselspitze auch jene kunterbunt bebauten 57 Parzellen in Augenschein zu nehmen, die wie in die Gartenschau hineingewachsen scheinen.


Schrebergärten sollten weichen



Dass es einmal Pläne gab, die Hälfte dieser individuellen Freizeitoasen mit dem Bagger wegzuschieben und zugunsten einer geplanten gleichförmigen Anlage zu opfern, haben die Schrebergärtner, von denen viele aus Gaustadt kommen, der Stadt mittlerweile verziehen. Umso mehr freut man sich, dass die Besucher aus nah und fern den nach heftigem Protest der Gärtner erwirkten Kompromiss mit ihrem Interesse als goldrichtig erscheinen lassen.

Wie sehr das Thema Kleingärten die Besucher der Gartenschau interessiert, hat nicht nur Siegfried Prell überrascht. Auch Karin Köhlein, die ihre grüne Insel gleich am Fluss seit 38 Jahren pflegt, blickt von ihrem Garten regelmäßig auf ganze Kolonnen von neugierigen Besuchern. Wenn dann Fragen kommen, und es kommen viele, steht sie gerne zur Verfügung. "Das ist doch selbstverständlich", sagt die Dame, während sie gelassen am Zaun lehnt.


Lebendes Gartenschau-Inventar



Die Rolle des lebenden, wenn auch unbezahlten Gartenschau-Inventars spielt mit wachsender Professionalität auch zweiter Gärtner-Vorstand Alfred Lang. "Die kommen an den Zaun, lehnen sich an die Tür und wollen alles über die Pflanzen wissen, den Garten, die Erba. Ja sogar abkaufen wollten sie mir den Garten schon", sagt Lang, dessen Rückzugsgebiet regelmäßig von Besuchermassen umspült wird. "Ein Verkauf ist aber schon deshalb nicht möglich, weil die Stadt Grundeigentümerin ist", sagt Lang. Offenbar entbehrt manches Gespräch nicht einer gewissen Komik; sogar landsmannschaftliche Unterschiede will Siegfried Prell ausgemacht haben: "Besonders die Sachsen sind immer zu einen frechen Spruch aufgelegt."

Die vielfach zu hörende Einschätzung, dass die Stimmung auf dem Veranstaltungsgeländesehr gut sei, können auch die Kleingärtner an der Schwarzen Brücke nur bestätigen: Allerdings könnte sie noch besser sein, wenn die Macher der großen Schau auch die Kleinigkeiten besser im Blick behielten. "Die öffentlichen Flächen zwischen unseren Gärten vertrocknen förmlich. Nicht nur die Blumen, auch die Büsche leiden", klagt der Vereinsvorstand. Dass die Gärtner selbst zum Gießer greifen, untersagt laut Prell ein Vertrag mit der Gartenschau.