Journalistisch widmet sich Werner Tiki Küstenmacher am liebsten dem Thema Lebensvereinfachung. Hierzu hat er bereits Dutzende von Büchern wie die beiden Erfolgsratgeber "Simplify your life" und "Simplify your love" verfasst. Diese wurden in über 40 Sprachen übersetzt und weltweit über drei Millionen Mal verkauft. In seinem jüngsten Werk "Du hast es in der Hand" beschäftigt sich das Multitalent unter anderem damit, wie man stressige Situationen meistert bzw. Burn-out vermeiden kann. Bevor er am 17. April in der Universitätsbuchhandlung Görres sein Buch vorstellen wird, stand er der Redaktion Rede und Antwort.

Werner Tiki Küstenmacher - ist das eigentlich ein Künstlername?
Werner Küstenmacher: (lacht) Tiki ist wirklich mein Vorname. Meine Mutter hat mich so genannt. Und zwar als Anspielung auf das Floß Kon-Tiki, mit welchem 1947 der Norweger Thor Heyerdahl über den Pazifik segelte, um zu beweisen, dass die Besiedlung Polynesiens von Südamerika aus möglich war. Nach der Expedition schrieb Heyerdahl ein Buch mit dem gleichnamigen Titel.

Stimmt es, dass Sie in der Schule gerne gezeichnet haben und dabei viel Ärger bekamen?
Richtig! Seit ich denken kann, habe ich gezeichnet und ich hatte hierfür auch immer Auftraggeber. So malte ich für Verwandte Weihnachtskarten oder für Freunde diverse Plakate und dergleichen. Und manchmal hatte ich mich auch selbst beauftragt. Da ich dies öfters auch unter der Bank in der Schule machte und obendrein noch Karikaturen von Lehrern anfertigte, kam ich so zu zwei Arresten, die es zu meiner Schulzeit noch gab, und drei Verweisen. Aber es war die Sache wert.

Wie kamen Sie vom Zeichnen zum Schreiben?
Ich hatte immer wieder als Illustrator für andere Autoren gearbeitet. Und als Illustrator liest man ein Buch doch sehr genau. Dabei dachte ich mir: So schwer kann das Schreiben eigentlich nicht sein. Fortan machte ich alles selbst, sprich: Ich verfasse die Texte und erstelle dazu die passenden Illustrationen. Ich kenne das von vielen anderen Zeichner, denen es ähnlich erging.

Allerdings blieb es nicht nur beim Schreiben und Zeichnen. Inzwischen sind Sie ein regelrechtes Multitalent: Fernsehprediger, Moderator, Kirchenmann und Grafik-Designer. Wo sehen Sie sich am meisten Zuhause?
Im Grunde meines Herzens bin ich Pfarrer und Theologe. Auch wenn ich dies seit über zwanzig Jahren nur noch freiberuflich mache und damit ausschließlich Pfarrer im Ehrenamt bin. Ich bin sehr froh, dass ich nicht nur Zeichner bin, sondern, dass ich auch inhaltlich etwas gelernt habe. Gerade beim Schreiben kommt einem alles, was man sich beruflich aneignete oder im Leben alles gemacht hat, doch sehr gelegen. Vieles konzentriert sich dann schön auf einen Punkt.

Sie verfassen Ratgeber, wie man Stress vermeidet und bewältigt. Aber kommen Sie bei so vielen Aufgaben und vielseitigen Interessen nicht selbst öfters in stressige Situationen?
(lacht). Stimmt schon. Das Buch ‚Du hast es in der Hand' ist auch tatsächlich aus meiner eigenen Überlastung heraus entstanden. Ich war bei einem Arzt im Allgäu und der warnte mich, dass ich kurz vor einem Burn-out stehe. Daraufhin habe ich zusammen mit Freunden Konzepte entwickelt, wie man Burn-outs im Vorfeld vermeiden kann. Das Ergebnis kann man jetzt lesen.

Wie lässt sich das Buch auf einen knappen Nenner bringen?
Mit Hilfe des Buches soll man sich in Stresssituationen oder in Situationen, in denen man nicht weiter weiß, an seine fünf Finger erinnern. Jeder der fünf Finger steht für ein kleines Ritual oder einen Gedanken, mit denen man glücklicher wird. In bestimmten Bedarfssituationen kann man diese der Reihe nach vom kleinen Finger angefangen schnell durchgehen. Dann findet man aus Belastungssituationen schnell wieder heraus. Ich habe dies die letzten drei Jahre am eigenen Leib immer wieder ausprobiert und festgestellt, es funktioniert.

Wie kamen Sie zu diesen "Weisheiten"?
Ich wollte mit dem Buch einen kleinen Rettungsring schaffen, für Situationen, in denen man nicht weiter weiß. So steht beispielsweise der kleine Finger für Flucht. Soll heißen: Ich darf aus einer Belastungssituation fliehen. Ich kann einfach aus dem Zimmer gehen, ich muss mich jetzt dort nicht weiterstreiten. Aber genau diese einfachen Dinge köönten viele Menschen aus ihren Burn-outs oder ihren Belastungsdepressionen retten. Um zu diesen Hilfestellungen zu gelangen, haben meine Frau und ich lange gesammelt. Wir sind quasi durch die ganze Welt der Ratgeberliteratur gegangen. Es ist also nicht so, dass das Buch völlig neue Erkenntnisse erhält. Ich habe sie manchmal jedoch mit einer schönen neuen Metapher, einen neuen Aufhänger versehen. Aber im Wesentlichen geht es doch immer um dieselben Grundweisheiten.

An wen richtet sich das Buch?
Es richtet sich primär an Menschen, die ihr Leben besser in den Griff bekommen wollen bzw. an Menschen, die Angst haben, dass sie untergehen. Wir sind umzingelt von Leuten, die im Krankenhaus landen und beispielsweise an Überlastungsdepressionen leiden. Im Wesentlichen richtet es sich daher an Menschen, die bereits im Berufsleben stehen.

Gibt es irgendwelche Nebenwirkungen?
(lacht) Ich glaube nicht. Keine Negativen zumindest. Was ich aber selbst als Nebenwirkung am eigenen Leib spüre ist, dass man für sich selbst empfindlicher wird. Das heißt aber auch, dass man für die Umwelt etwas schwieriger wird. Ich sage inzwischen nicht mehr so leicht zu allem sofort ja. Diese Nebenwirkung ist für einen selbst positiv, für die Umwelt hingegen vielleicht etwas negativ.

Das heißt also, Sie leben streng nach ihren eigenen Weisheiten, wie Sie sie im Buch beschreiben?
Ich scheitere leider hin und wieder. Ich muss dann immer wieder in mein eigenes Buch schauen. Dabei denke ich mir oft: Oh du Depp, hättest du es doch nur so gemacht, wie du es beschrieben hast.‛ Ja , man sollte schon ein paar bewährte Regeln befolgen.

Was wird die Besucher bei der Lesung am Dienstag erwarten?
Sie werden einen wirklich heiteren Vortrag erleben. Und zwar in einer Art und Weise, wie es, glaube ich, in Deutschland sonst niemand macht: Ich zeichne live während des Vortrages Karikaturen. Bei mir wird auch immer ganz viel gelacht. Wobei es ist oft ein Lachen mit Aha-Effekt ist.