Seit November hat Daniela Smedley keinen telefonischen Kontakt mehr mit ihren Kindern Alyssa (13) und Gavin (8): "Ihr Vater unterbindet Anrufe", beklagt die 36-Jährige. Ihre Nerven liegen blank, Tränen fließen. "Ich will meine Kinder zurück!", betont die Gaustadterin, die alle ihr möglichen Hebel schon in Bewegung gesetzt hat. Doch bisher vergebens: Die amerikanischen Justizbehörden reagieren nur verzögert oder gar nicht, und deutsche Rechtsanwälte können in den USA nichts ausrichten.

Bereitwillig erzählt Daniela Smedley ihre dramatische Geschichte, die mit der großen Liebe zum US-Soldaten Marc - stationiert in Bamberg - 1999 begann. Im Jahr 2000 heiratete das Paar, "schon mit der Perspektive, nach Amerika zu müssen". Inzwischen Eltern geworden, siedelten die Smedleys 2010 in den Bundesstaat North Carolina im Osten der USA um. "Schon damals stand unsere Beziehung auf der Kippe", blickt Daniela zurück. Das Drama nahm seinen Lauf: Die Kinder hatten extremes Heimweh nach Bamberg, und ihr Verhältnis zum Vater wurde immer schwieriger.

Als die Mutter mit Alyssa und Gavin 2011 nach Deutschland zurückkehrte, zeigte Marc Smedley sein wahres Gesicht: Er klagte seine Noch-Ehefrau wegen Kindesentführung an. Die Verfahren beim Bamberger Amtsgericht und Oberlandesgericht endeten zu Gunsten der Mutter: Die Kinder durften bei ihr bleiben. 2012 erfolgte die Scheidung. Der Vater bekam ein notariell beglaubigtes Umgangsrecht zugesprochen: "Ich hatte auch nie die Absicht, die Kinder von ihm fern zu halten", erklärt Daniela Smedley mit fester Stimme.

Vater lässt Kinder nicht zurückreisen

So ließ sie sich darauf ein, in den Sommerferien im August 2013 das Mädchen und den Buben zu ihrem Vater nach Swansboro (North Carolina) zu lassen. Vier Wochen Aufenthalt waren vereinbart. Doch es kam anders: "Via Facebook teilte mir mein Ex-Mann am 27. August mit, dass er die Kinder behält."

Noch am selben Tag eilte Daniela Smedley zu ihrem Anwalt Franz-Josef Schick, der sie auch schon im Scheidungs- und Unterhaltsverfahren vertreten hatte. Auf seinen dringenden Rat im Vorfeld, die Kinder nicht nach Amerika zu lassen, war die Mutter nicht eingegangen. Gleichwohl leitete der Anwalt unverzüglich das Verfahren nach dem sogenannten "Haager Kindesentführungs-Übereinkommen (HKÜ)" ein. Schick schaltete das dafür zuständige Bundesamt für Justiz in Bonn ein, das wiederum das Rückführungsgesuch an das US-Department of State weiterleitete, welches als Zentrale Behörde der USA nach dem HKÜ fungiert. Diese Behörde sandte an Marc Smedley die Aufforderung, die Kinder freiwillig rückkehren zu lassen. Vergebens.

Nun bleibt Daniela Smedley nur noch das gerichtliche Rückführungsverfahren in den USA. Doch dafür benötigt sie einen amerikanischen Anwalt. Eine Liste mit Namen von Anwaltskanzleien schickte die US-Behörde zwar via Bundesamt der verzweifelten Mutter zu. Doch die angeführten "pro bono-Anwälte" - diese führen kostenfrei Verfahren durch - reagieren nicht auf Daniela Smedleys Anfragen. Und andere Juristen verlangen 10.000 Dollar, eine Summe, die die Mutter trotz Berufstätigkeit nicht aufbringen kann. Und selbst, wenn sie noch einen US-Anwalt findet, der sie ohne Honorar vertritt, muss sie Gerichtskosten und Ausgaben für Telefon, Übersetzungen, Reise aus eigener Tasche bezahlen. "Das kann ich nicht", so Daniela Smedley.

Eine schnelle Entscheidung ist wichtig

"Geld muss in den Pott, sonst sind die Erfolgsaussichten für die Familie gering", schätzt Franz-Josef Schick die Lage nüchtern ein. Er selbst könne keinen Einfluss auf das Geschehen in den USA nehmen: "Die amerikanische Justiz läuft völlig anders." Auch das Bundesamt für Justiz ist machtlos, wie Pressesprecher Thomas Ottersbach auf Anfrage bestätigt. Das Bundesamt sei nur weiterleitende Stelle und kein Vertreter des deutschen Antragstellers. Es leiste aber beratende und vermittelnde Unterstützung und überwache zusammen mit der Zentralen Behörde den Verfahrensstand in den USA. "Da hake ich schon nach", sagt Anwalt Schick.

In den Telefonaten mit ihren Kindern, die bis November noch möglich waren, "haben sie mir unter Tränen gesagt, dass sie wieder zu mir nach Hause wollen", schluchzt Daniela Smedley. Die Uhr läuft. Denn wenn binnen eines Jahres die US-Behörden zu dem Ergebnis kommen, dass sich die Kinder in Swansboro eingelebt haben, kann das dortige Gericht die Rückführung ablehnen. "Ich will meine Kinder aus diesem Albtraum herausholen und hoffe, dass sie ohne großen Schaden davon kommen. Es ist der Papa, der ihnen das antut", sagt Daniela Smedley.

Am Freitag, 31. Januar, 17 Uhr, laden Pfarrer Solomon Sahayaraj und Pastoralreferent Gregor Froschmayr zu einem Wortgottesdienst für die Familie Smedley in die Kirche St. Josef Gaustadt ein. Alyssa war dort Ministrantin. In den Gottesdienst sind besonders Kinder und Jugendliche eingebunden.