Er ist kugelrund, hält einen Rechen in der Hand und lacht über das ganze Gesicht. "Zwiebert" scheint ein recht fröhlicher Zeitgenosse zu sein und ist damit der perfekte Moderator für den neuen Gärtnerstadt-Führer. Das kleine Büchlein stammt aus der Feder von Claudia Müller. Sie ist ebenfalls eine Frohnatur, 24 Jahre alt und hat gerade ihr Studium abgeschlossen - Grundschullehramt, weil sie immer schon mit Kindern zusammenarbeiten wollte. Genau die sind auch die Zielgruppe des Gärtnerstadt-Führers, den Müller als praktischen Teil ihrer Zulassungsarbeit ins Leben gerufen hat. Ziel war es, der jüngeren Generation das Weltkulturerbe näherzubringen.

Die Arbeit mit Kindern ist Müllers Leidenschaft. "Ich bringe Kindern gerne etwas bei, und dabei hat es mir besonders das Montessori-Konzept angetan." Bereits seit einem Jahr arbeitet sie in der Montessori-Schule in Bamberg und freut sich schon darauf, auch nach dem Studium dort weiter unterrichten zu dürfen. "Das ist einfach mein Ding."

Grafikdesignerin half

Obwohl sie während ihres Studiums einen anderen Schwerpunkt hatte, unterrichtet Müller momentan Kunst und Sport. Im Kunstunterricht beschäftigt sie sich besonders gern mit abstrakter Kunst. "Ich möchte den Kindern ungern sagen: Jetzt malt doch mal eine Katze. Projekte, die in Richtung Hundertwasser gehen, finde ich da viel spannender!" Sie selbst habe kein sonderlich großes Talent fürs Zeichnen, gibt Müller zu. "Genau deswegen habe ich mich für den Gärtnerstadtführer auch mit einer Grafikdesignerin zusammengetan, die Zwiebert entworfen hat."

Die Zwiebel als Motiv zu finden, sei nicht sonderlich schwer gewesen. Schließlich seien die Bamberger ja auch unter dem Namen "Zwiebeltreter" bekannt. "Der Begriff kommt daher, dass die Bamberger Gärtner früher über ihre Felder liefen, um auf den grünen Teil der Zwiebeln zu treten, der aus der Erde hervorlugte. Das sollte dazu führen, dass die Pflanzen künftig nur noch Energie in ihren essbaren Teil steckten." Müller lacht. "Ob das wirklich funktioniert hat, ist allerdings unklar."

Über 100 Namensvorschläge

Warum aber ausgerechnet der Name Zwiebert? "Tja ..." Die Autorin legt eine kurze Pause ein, fährt sich mit den Fingern durch die blonden Haare und grinst. "Das hat eine Weile gedauert. Ich hatte anfangs ehrlich gesagt keine Ahnung, wie wir ihn nennen sollten. Da hat mir das Zentrum Weltkulturerbe vorgeschlagen, doch einfach einen Aufruf in die Zeitung zu setzen.

Es wurden über 100 Vorschläge eingereicht und letztendlich habe ich mich für den Namen ,Zwiebert' entschieden." Im Gegensatz zum Maskottchen bleibt der genaue Inhalt des Gärtnerstadtführers jedoch noch geheim. Genau wie die Überraschung, die alle Kinder bekommen, sobald sie die Aufgaben darin richtig bearbeitet haben. Es sei aber "etwas pädagogisch Wertvolles", betont Müller. "Kein Schlüsselanhänger oder Kuscheltier, sondern etwas, womit man auch wirklich etwas anfangen kann."

Wenige kennen die Details

Auf die Frage, warum sie ausgerechnet die Gärtnerstadt als Thema gewählt hat, reagiert Müller mit einem Schulterzucken. "Viele Bamberger wissen leider nicht sonderlich viel über die Gärtnerstadt." Das Weltkulturerbe sei in Bamberg zwar allgegenwärtig, die genauen Details seien aber den wenigsten bekannt. Resignation kommt für Müller aber nicht in Frage. "Nur weil das bei den älteren Bambergern so ist, muss es in der jüngeren Generation ja nicht unbedingt so weitergehen."

Die Autorin arbeitet nebenberuflich im Gärtner- und Häckermuseum. Die Bücher und Broschüren, die sie dort zum Thema Gärtnerstadt gefunden hat, seien für sie beim Schreiben eine große Hilfe gewesen. "Ich hatte dort Zugang zu sämtlichen Informationen, die ich für das Projekt gebraucht habe. Das war wirklich praktisch!"

Termin Am 1. Mai startet das Gärtner- und Häckermuseum in der Mittelstraße 14 in die Museumssaison 2014.

Öffnungszeiten Das Museum hat zwischen 1. Mai und 31. Oktober Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Maskottchen Anlässlich der Wiedereröffnung nach der Winterpause kommt das Maskottchen "Zwiebert" im Museum vorbei und stellt den neuen Kinder- und Jugendführer durch die Gärtnerstadt vor.

Broschüre Die Broschüre der Autorin Claudia Müller entstand in Zusammenarbeit mit dem Zentrum Welterbe Bamberg und dem Gärtner- und Häckermuseum. Sie vermittelt auf spielerische Weise Geschichte und Hintergründe zur Gärtnerstadt und den Bamberger Gärtner- und Häckern.