Bronchiolitis kann für Säuglinge äußerst gefährlich werden. Doch die Krankheit muss erst einmal erkannt werden. Für den Kinderarzt ein Kinderspiel, aber für andere... Mit diesem Beispiel zeigen die Kinderärzte Edgar Waldmann und Wolfgang Preis den Sinn eines Bereitschaftsdienstes dieser Facharztgruppe auf. Seit etwa zehn Jahren gibt es den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst für Bamberg Stadt und Landkreis mit einer Bevölkerung von insgesamt über 210 000 Menschen. Nach Ansicht der beiden Kinderärzte habe sich der eigene Bereitschaftsdienst bestens bewährt.

Bis vor zehn Jahren waren auch die Kinderärzte im Rahmen von allgemeinen Bereitschaftsdiensten im Einsatz. Die damit einhergehende Problematik bringen die Fachärzte plastisch auf den Punkt: Es sei ein Trugschluss zu glauben, dass Kinder nur kleine Erwachsene seien und Erwachsene oder gar Senioren große Kinder. Für beide Gruppen gebe es spezifische Krankheiten, mit denen der Spezialist bestens vertraut ist, während dem Fachfremden die fehlende Routine Diagnosen erschwert. Waldmann weiß das aus der Praxis seiner früheren Bereitschaftsdienste. "Bei spezifischen Seniorenkrankheiten war ich überfordert." Das habe mit fachlichen Qualifikationen nichts zu tun, sondern mit Arbeitschwerpunkten, -alltag und damit der bereits erwähnten Routine.

Patienten, Ärzte und Kassen profitieren gleichermaßen von dem seit zehn Jahren praktizierten Spezialistentum bei den Bereitschaftsdiensten. Für den Laien verständlich erklären der in Bamberg praktizierende Waldmann und Preis (Bischberg) das so: Wenn die Krankheit erkannt ist, wird gleich die richtige Therapie eingeleitet. Was dem Genesungsprozess ebenso förderlich sei wie es die Fortsetzung der begonnenen Therapie ermögliche und damit auch der Kasse Geld spart. Die muss dann nicht für zwei Medikamente oder unterschiedliche Therapien (und damit eine "falsche" oder wenig effektive) zahlen. Wenn die Patienten nach den Bereitschaftsdiensten dann wieder in ihre angestammten Kinderarztpraxen gehen, erleichtere es hier die Arbeit, lautet die Erfahrung der beiden Kinderärzte, die sie in den letzten zehn Jahren machen konnten.

In der Region Bamberg mit Stadt und Landkreis gibt es insgesamt 14 Praxen mit 18 Kinderärzten, die überwiegende Mehrzahl in der Stadt. Praxen im Landkreis befinden sich zudem in Hirschaid, Memmelsdorf, Bischberg und Stegaurach. Auf jeden der Kinderärzte kommen im Jahr etwa zwei- bis dreimal Bereitschaftsdienst-Wochen zu. Dieser Dienst erstreckt sich auf die Mittwochnachmittage ab 13 Uhr sowie auf die Wochenenden: von Freitag 18 Uhr bis Montag 8 Uhr. "Da ist das Handy immer an", so Waldmann (56).

Sprechstunden


Während der Bereitschaft hat der Kinderarzt in seiner eigenen Praxis Sprechstunden: mittwochs, freitags und samstags von 16 bis 18 Uhr, sowie samstags und sonntags von 10 bis 12 Uhr. In besonderen Fällen werden auch Hausbesuche gemacht, aber nur im Stadtgebiet. Freilich ersetzen die Bereitschafts-Kinderärzte nicht den Notarzt, der bei lebensbedrohlichen Zuständen gerufen werden muss.

Während eines Bereitschaftswochenendes werden im Schnitt zwischen 60 und 100 kleine Patienten behandelt, "im Winter sind es generell mehr, im Sommer ehr weniger". Das hänge mit Grippe-Wellen zusammen, erklärt Waldmann. Ansonsten "bearbeiten" die Bereitschafts-Kinderärzte bei ihrer "Kundschaft " ein breites Aufgabengebiet, das Ausschläge aller Art ebenso umfasst wie Atembeschwerden Schürf-, Riss- oder Bisswunden. Neben kindertypischen Krankheiten ist es auch die Kommunikation mit den Patienten, die den Kinderarzt von anderen unterscheidet: "Nonverbale Kommunikation ist die Domäne des Kinderarztes", sagt Wolfgang Preis (48), der damit auf Säuglinge anspielt, die ja noch nicht sagen können wo ihnen etwas wehtut. Besondere Anforderungen stellt etwa das Blutnehmen an Babyspeck-Armen oder der Umgang mit den jüngsten aller Patientengruppen, der psychologisches Können erfordert.

Als überaus hilfreich empfinden die Kinderärzte den Service im Fränkischen Tag, der darüber informiert, wer außerhalb der regulären Praxiszeiten Bereitschaft hat. Das würden sich die Kinderärzte auch zusätzlich in den Mitteilungsblättern der Kommunen wünschen. Fälschlicherweise würde in denen für alle Notfälle nur auf die allgemeinen Bereitschaftsdienste und nicht zusätzlich auf die Kinderarzt-Bereitschaftsdienste verwiesen.

Spezieller Service


Ihrerseits findet sich auf den Telefon-Ansagen aller Kinderärzte immer die Information darüber, wer den aktuellen Bereitschaftsdienst macht, außerdem wo und unter welcher Handynummer man anrufen kann.
Noch eine Besonderheit: Zum Pressetermin kamen die Kinderärzte in ihrer Arbeitskleidung: Man würde sie nicht als Ärzte erkennen. Genau das soll den kleinen Patienten die Angst vor dem Doktor nehmen. Vielleicht ja auch den Größeren, denn Kinderärzte sind für Kinder bis zu 18 Jahren zuständig...