Detlev Hohmuth ist hoch zufrieden. Für die Ausstellung "12 Kunsträume - von Picasso bis Beuys" hat der Förderverein Landesgartenschau für rund 140.000 Euro geradestehen müssen. Nun ist die Schau beendet, und die Zahlen sind nicht nur aus Sicht des Veranstalters beeindruckend: 25.216 Menschen haben die größte Präsentation moderner Gemälde in Bamberg seit der Dalí-Ausstellung im Jahr 2005 gesehen und bei einem Eintritt von sieben Euro pro Person den Veranstalter damit seiner finanziellen Sorgen enthoben. "Dieser Erfolg ist ein Beweis, dass es auch in Bamberg einen Markt für moderne Kunst gibt und dass sich solche Veranstaltungen sogar rechnen können", sagt Hohmuth.

Doch wo, wenn nicht in der Villa Dessauer, können solche Bilderschauen stattfinden? In kunstinteressierten Kreisen ist es längst kein Geheimnis mehr, dass die Stadtgalerie in der Hainstraße ihrem Namen zum Trotz für moderne Präsentationen ein denkbar ungeeignetes Gebäude ist. Das ehemalige Wohnhaus verfügt weder über die für mit hohen Summen vesicherte Kunst nötigen Sicherungsanlagen, noch über eine Klimaanlage. Die Räume müssen aufwendig abgedunkelt werden, und barrierefrei ist die seit Jahren für Wechselausstellungen genutzte Dependance der städtischen Sammlungen auch nicht.

Hohmuth und der Förderverein für die Gartenschau wollen deshalb das Echo der Kunstausstellung nutzen, um eine Diskussion zu anzufachen, die bisher eher auf schwacher Flamme glüht: "Bamberg braucht endlich ein Ausstellungsgebäude für moderne und zeitgenössische Kunst", sagt Hohmuth. Man müsse sich dieses Ziel jetzt setzen, um im Zusammenwirken mit dem Konzept für einen "Museumsberg" zumindest langfristig die Lücke zu schließen, fordert der frühere Planungsamtsleiter, heute Mitglied der SPD-Fraktion. Sein Vorschlag: Könnte ein solches Gebäude nicht auf der seit Jahren brach liegenden Insel der Unteren Mühlen entstehen?

Mayer in Bamberg halten


Ganz ohne Hintergedanken ist die Forderung freilich nicht. Bambergs Potenzial an Werken moderner Kunst ist größer, als auf den ersten Blick zu vermuten wäre. Beispiel Kunsträume: Dass es zu der Ausstellung in der eher ungeeigneten Villa Dessauer kam, ist nur dem bekannten Bamberger Kunsthändler Richard H. Mayer zu verdanken.

Im Gegensatz zu anderen Anbietern moderner Kunst hat sein an der Oberen Brücke beheimatetes Kunstkontor aus Verbundenheit zu Bamberg nicht abgewunken. Im Gegenteil: Mayer bestückte die "Zwölf Kunsträume" mit Werken unter anderem von Picasso, Dalí und Hundertwasser aus seinen Beständen.

Es gibt nicht wenige, die von einem Glücksfall sprechen. Doch was passiert in Zukunft? Hochkarätige Ausstellungen mit bedeutenden Namen findet man nicht ohne Grund vor allem in Metropolen. Auch deshalb hat die Idee, ein eigenes Haus für moderne Kunst zu schaffen, viele Anhänger. Auch Regina Hanemann ist davon angetan: "Ein großes Museum, mit dem wir die Dinge von Herrn Mayer in Bamberg halten können - das wäre ganz toll", sagte die Museumsleiterin unserer Zeitung. Doch sie weiß auch: "Die Stadt wird es nicht schultern können."

Bürgermeister Werner Hipelius (CSU) kennt die Forderungen aus der kunstinteressierten Bürgerschaft nur zu gut. Auch er bezweifelt nicht, dass der Mangel an einem angemessenen Ausstellungshaus objektiv besteht und Provisorien wie das "Kesselhaus" in der Unteren Sandstraße auf Dauer keinen Ersatz darstellen. "Doch muss ein solches Vorhaben auch finanzierbar sein", schränkt der Kulturreferent ein. Damit meint er nicht allein den Bau eines Hauses, sondern dessen Unterhalt. "Wenn man ein solches Ausstellungshaus professionell aufzieht, kostet es richtig Geld."

Schon heute leistet sich Bamberg die Kulturinfrastruktur einer Großstadt. 14 Millionen fließen jährlich aus dem Stadtsäckel in Institutionen wie die Staatsphilharmonie Bamberger Symphoniker, das E.T.A.-Hoffmann-Theater, die städtischen Sammlungen und andere Einrichtungen. Hipelius glaubt deshalb nicht daran, dass der Haushalt Neubau und Betrieb eines Kunstmuseums in absehbarer Zeit hergeben wird. Dafür seien die Aufgaben in der Zukunft, unter anderem für die Schulhaussanierung und die Konversion zu groß. "Einfach zu sagen, Stadt mach du, ist ein bisschen zu wenig."

Bürger "statt Stadt"


Diesen Vorwurf hören Hohmuth und seine Mitstreiter nur ungern. Mit der Ausstellung habe der Förderverein erfolgreich Dinge auf den Weg gebracht, "die keine städtische Institution angefasst hat", teilt Klaus Reuter mit. Er spricht vom Motiv "Bürger statt Stadt", das sich als erfolgreich erwiesen habe.
Vielleicht wird der Förderverein Gartenschau ja auch in Zukunft von sich hören lassen. An Unterstützung durch Kulturschaffende für die Idee mangelt es jedenfalls nicht. Neben dem Kunstverein hat auch der Berufsverband Bildender Künstler (BBK) ein starkes Interesse, dass Bamberg mehr als bisher für die zeitgenössische Kunst tut. Christiane Toewe, Vorsitzende des BBK, fände vor allem eine räumliche Kombination gut, in dem etablierte moderne Kunst und die Werke einheimischer Künstler ein Zuhause fänden.

Zufall oder nicht - einen Antrag hat dazu gestern Monika Bieber von der SPD-Fraktion beim OB gestellt. Bieber möchte, dass die Stadt ein Konzept für das Kesselhaus als "Haus der modernen Kunst" entwickelt. Das Kesselhaus des ehemaligen Krankenhauses, das seit einem Jahr vom BBK, vom Kunstverein und vom Architektur-Treff genutzt wird, sei auch für die Präsentation großer Objekte geeignet, meint die SPD-Fraktion. Nun soll die Stadt klären, zu welchen Bedingungen das Haus zu sanieren ist und ob es Fördermöglichkeiten gibt.