Eine Farbbeutelattacke dauert nur ein paar Sekunden. Die verschmutzten Wände zu reinigen, kostet viele Stunden. Niemand weiß das besser als der Bamberger Bildhauer und Restaurator Adelbert Heil.

Heil, der im Juli 2011 nach einer Farbeier-Attacke den Auftrag erhalten hatte, die Gedenktafel für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs auf der Unteren Brücke zu reinigen, war noch nicht ganz fertig, da schlugen der oder die Täter Anfang September erneut zu:

Eine Glasflasche, die mit blauer Farbe gefüllt war, prallte auf die Kalk-Steintafel, die gegenüber der Kunigundenstatue am Alten Rathaus hängt. Und das war nicht alles: In der gleichen Nacht wurde auch der Gedenkstein, der im Rathaus-Torbogen an Hitler-Attentäter Stauffenberg erinnert, erneut Ziel eines Farbanschlags.

Einen Monat später erinnert auf den beiden Brücken kaum noch etwas an die Schmierereien der Vergangenheit. Doch nach den Erfahrungen von mittlerweile acht Anschlägen in fünf Jahren Jahren ist es mit der Ruhe in der Stadtverwaltung dahin. Ordnungsreferent Ralf Haupt fürchtet, dass die möglicherweise politisch motivierten Täter auch in Zukunft weiter machen werden. "Eine politische Auseinandersetzung in Gestalt von Farbbeutel attentaten kann nicht akzeptiert werden", sagt Haupt.

In dieser schwierigen Situation greift die Stadt erstmals zu einem Mittel, das in Privatanwesen sehr verbreitet zur Abschreckung und Identifikation möglicher Täter eingesetzt wird: die Videoüberwachung.

Über einen Antrag, die gefährdeten Tafeln auf der Oberen und Unteren Brücke durch jeweils eine Infrarot-Kamera zu überwachen, entscheidet der Stadtrat am Mittwoch. Als Testphase wurde ein Zeitraum von fünf Jahren ins Auge gefasst. Der Datenschutzbeauftragte der Stadt, Bernd Bauer-Banzhaf, hat grünes Licht gegeben.

Auch Udo Skrzyp czak, Leiter der Polizei-Inspektion Bamberg-Stadt, befürwortet den erstmaligen Einsatz dieses an strenge Auflagen geknüpften Hilfsmittels in Bamberg. Die Häufung von Straftaten, von denen auch die Kunigundenstatue betroffen ist, lasse wenig Spielraum. Um eine Eskalation zu vermeiden, sei die Überwachung durch Kameras das beste Mittel: "Wir gehen davon aus, dass es zu einem Abschreckungseffekt kommt und mögliche Täter hinterher identifiziert werden können."

Viel Geld kostet die Video überwachung nicht:

Die zwei Kameras, deren Daten nach sieben Tagen gelöscht und von der Polizei nur im Fall von Straftaten ausgewertet werden dürfen, sind für rund 1500 Euro zu haben; das ist etwa das Doppelte dessen, was der letzte Anschlag an Aufwand verursachte.

SPD und CSU stehen dem Antrag aufgeschlossen gegenüber. Auch Ursula Sowa (GAL) will sich der Initiative nicht verweigern, zumal es wenig Alternativen gebe. Ein Abhängen der Tafeln kommt für sie ebensowenig wie für ihre Kollegen in Frage. "Wir knicken nicht ein", beschreibt Ulrike Siebenhaar, Sprecherin der Stadt, den politischen Willen in der Verwaltung. Zuletzt hatte sich der Ältestenrat im Juni 2010 mit dem Thema befasst.

Die Stadtspitze war sich einig, dass auch die umstrittene Kriegsopfertafel mit ihrer wenig kritischen Haltung zum NS-Regime ein wichtiges Zeitdokument ist und nicht entfernt werden soll.

Sie war 1957 unter dem damaligen OB Luitpold Weegmann aufgehängt worden. Dem Zeitgeist entsprechend verwendet sie aus heutiger Sicht bedenkliche Formulierungen. Kritisiert wird etwa der Satz: "Durch Bombenangriff gaben ihr Leben für die Heimat 242 Männer, Frauen und Kinder."

Der Bildhauer Adelbert Heil ist einer von denen, die glauben, dass solche Sätze dem Ansehen Bambergs schaden. Er schlägt vor, die Gedenktafel ins Museum zu geben. Zugleich sollte ein Wettbewerb für die Gestaltung einer neuen Tafel mit einem zeitgemäßen Text ausgelobt werden. Was die Täter angeht, hat der Restaurator eine eigene Theorie. An puren Vandalismus glaubt er nicht: "Die das tun, wissen genau, was sie machen."

1957 wurde die Gedenktafel für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs an der Rathausfassade der Unteren Brücke angebracht. Die Inschrift lautet folgendermaßen:
Im Weltkrieg 1939 bis 1945 fielen aus der Stadt Bamberg 1992 getreue deutsche Soldaten an den Fronten Europas und Afrikas. Durch Bombenangriffe gaben ihr Leben für die Heimat 242 Männer, Frauen und Kinder. Vermisst blieben 1642 Brüder und Schwestern. Wir gedenken Ihrer in unauslöschbarer Dankbarkeit.