Die glücklichen Zufälle sind natürlich die schönsten Zufälle. Rein zufällig jährt sich am Tage der Vernissage von Aldona Kut und Sebastian Kuhn auch die Gründung des Bamberger Kunstvereins zum 191. Mal. "Das war natürlich nicht so geplant", gibt denn auch Barbara Kahle, Vorsitzende des Kunstverein Bamberg, mit einem Schmunzeln zu; und freute sich sehr über diesen schönen Zufall.

Künstler wollen raus, raus an die Öffentlichkeit, ihr Werk weitmöglichst streuen. Ihre Handschrift sichtbar machen, Perspektiven anbieten, die Auseinandersetzung mit Materialen, Stoffen, Farben und Formen dokumentieren. Das Paar Aldona Kut und Sebastian Kuhn artikuliert diese Intentionen sehr präzise.


Die Ausstellung steht unter dem Motto "Controlled Collisions", das Kalkül des Kontrasts ist also quasi vorprogrammiert. Es kollidieren harte Materialen wie Stahl, Draht, Acryl-Glas mit weichen wie Papier, Textilien und Schaumstoff. Es kollidieren überbordende, großformatige Skulpturen mit sublimen, fein nuancierten Arbeiten. Gemeinsamkeiten lassen sich kaum finden, sollen auch nicht, das Paar sieht sich als gegenseitig zur Reflexion anregende Rezipienten und weniger als einmütigen Sender.

Sebastian Kuhn formiert seine harten Materialen als Sucher im Dickicht des Bildhauerbegriffs im 21. Jahrhundert. Seinen in der Villa Dessauer ausgestellten Werken haftet eine rhizomartige Struktur an, die Melange aus Alltagsgegenständen und Baustoffen bietet multiperspektivische Positionen. Die Titel seiner Konstruktionen helfen, "Deja-vu" als blasse Erinnerung an ein nie mehr fassbares Erlebnis, die grell beißenden Neonröhren des "Hangover Construktivism II" lassen zumindest positive wie negative Assoziationen zu einem rauschhaften Erlebnis zu.

Bei Aldona Kut dreht sich das Meiste um Linie, Punkt und Raum. "NYC" zeigt die flache Dimensionierung einer Stadt, vielleicht nicht unbedingt die peniblen, akkuraten Quarters Manhattans, deren Straßenzüge so sympathisch symmetrisch angeordnet wurden. Das "Groundwork"-Absperrband zielt auf einen städtebaulichen Prozess ab, auf "Work in Progress" - eine Assoziation, die man bei der Biografie einer Stadtforscherin und Architektin sicherlich als zulässig sehen muss.

Allerdings sollte man das biografische Kondensat der beiden Künstler nicht in jedem Werk suchen. Kuts "Korsen" evozieren vielleicht qua Titel naturalistische Konturen, die kräftig wirbelnden Bleistift-Linien lassen in diesem Kontext an korsische Winde denken, nicht weniger als sieben verschiedene Brisen gibt es dort jeden Sommer.

Den beiden Künstlern werden allerhand Affinitäten zu popkulturellen Phänomenen nachgesagt. "Enjoy the Silence" nennt Kuhn eines seiner Werke, nach dem Song von Depeche Mode. Kurz vor der Jahrtausendwende hat sich auch die belgische Artrock-Band dEUS mit kontrollierter Kollision befasst und nannte ihr Album "The Ideal Crash". Sie bewegt sich darauf im einem enormen Spannungsfeld aus Zugänglichkeit und Herausforderung, klarer Sicht und nebulösen Positionen. All das trifft auch auf die sehr sehenswerte Ausstellung "Controlled Collisions" zu.