Die Versorgung von Familien mit Kindertagesplätzen war, wie der Fachbereich Jugend und Familie dem Jugendhilfeausschuss in seiner jüngsten Sitzung darlegte, in der öffentlichen Berichterstattung ein Renner - bis das Thema "Flüchtlinge" aufkam. Dennoch gab es, auch wenn sich die breite Öffentlichkeit dafür weniger interessierte, keinen Stillstand. So stieg die Zahl der Betreuungsplätze von 6966 im 2014 auf 7498 Plätze im Jahre 2015 weiter an.

"Während es ausreichend Kindergartenplätze im Landkreis gibt, ist in einigen Kommunen bei den Krippen- und Hortplätzen ein weiterer Bedarf entstanden", heißt es im Jahresbericht. Zudem würden sich die Kindertageseinrichtungen durch die zunehmende Aufnahme von Kindern unter drei Jahren immer mehr zum Haus für Kinder entwickeln.
Ein neuer Kinderhort wurde letztes Jahr unter anderem in Gundelsheim geschaffen und in Gunzendorf wurde der vierte Waldkindergarten im Landkreis eröffnet.


138 Beratungskontakte

Fest etabliert werden konnte auch die "Koordinierende Kinderschutzstelle" (KoKi). Diese ist eine Beratungsstelle im Jugendamt, die auf den Bereich der frühen Kindheit fokussiert ist.

Zu ihren Aufgaben gehört neben der Beratung der Eltern die Weiterentwicklung der Angebotspalette der Frühen Hilfen und die Vernetzung aller mit diesem Bereich befassten Personen, Stellen und Institutionen. Letztes Jahr fanden 138 Beratungskontakte mit werdenden Eltern und Familien mit Kindern bis zu drei Jahren statt. Zudem wurden von den drei Hebammen im Landkreis 31 Familien betreut. Während im Jahre 2013 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) noch kein Thema waren, traf die Problematik den Landkreis im Jahr 2014 erstmals und wurde im vergangenen Jahr regelrecht zu einer großen Herausforderung für den Fachbereich Jugend und Familie.

Denn nach der UN-Kinderrechtskonvention, die in Deutschland uneingeschränkt gilt, steht den minderjährigen Flüchtlingen Jugendhilfe im selben Maße zu wie einem einheimischen Jugendlichen. Waren es im Jahre 2014 noch elf Plätze, die in speziellen Wohngruppen geschaffen wurden, stieg die Zahl der Plätze im vergangenen Jahr auf 91 an.

Hinzu kommen die Plätze, die in regulären Jugendhilfeeinrichtungen mit UMF belegt wurden. Insgesamt standen somit fast 100 Plätze für minderjährige Flüchtlinge zur Verfügung. Auch heuer sollen weitere Jugendwohngruppen eingerichtet werden. Der große Aufwand musste vonseiten der Verwaltung Anfang des vergangenen Jahres mit einer Vollzeitstelle sowie zwei Halbtagsstellen geschultert werden.


1,6 Millionen Euro Defizit

Im September wurde dann der Fachdienst UMF mit einer Vollbeschäftigten geschaffen. Haushaltstechnisch wies der Fachbereich Jugend und Familie ein Defizit von rund 1,6 Millionen Euro auf. Der Fehlbetrag entstand nicht zuletzt durch die nicht kalkulierbaren, gestiegenen Mehrkosten für die UMF. So sei man im letzten Jahr von 40 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ausgegangen.

Tatsächlich aber wurden vom Landkreis 121 minderjährige Flüchtlinge aufgenommen. Allerdings stehen noch Einnahmen für diese Jugendlichen in Höhe von rund 700 000 Euro aus, so dass das Defizit etwas geringer ausfällt.