Wenn drei Mediziner ein Konsilium halten, dann gibt es oftmals auch drei Meinungen. In diesem Fall waren sich die Doktoren Norbert Ruß, Georg Knoblach und Gerhard Seitz jedoch einig: Ihr toter Kollege Johann Lukas Schönlein ist ein ganz Großer ihrer Zunft, ein vorbildlicher Arzt und großzügiger Mäzen seiner Heimatstadt Bamberg.

Die drei Ärzte stellten in der Vernissage das Leben und Wirken Schönleins hervor: exakt am 150. Todestag (23. Januar 1864) des Gewürdigten. Die Präsentation in der Staatsbibliothek Bamberg beleuchtet als feine Kabinettausstellung den Menschen Schönlein in all seinen Facetten als Wissenschaftler, Wohltäter, Sammler, Mäzen. Für Bibliothekschef Werner Taegert ist die Schau ein Muss.
Denn "die Staatsbibliothek hat allen Grund, Schönleins Gedächtnis zu bewahren". Schließlich habe dieser der vormals Königlichen Bibliothek rund 10 000 Bücher vermacht, größtenteils mit einem Bücherstempel versehen, der den Bamberger Stadtritter zeigt.

Norbert Ruß, Vorsitzender des Historischen Vereins Bamberg, blätterte die Biografie Schönleins auf. Dabei nahm er besonders "Schönlein als Bamberger" in den Blick. Der am 30. November 1793 als Sohn eines Seilermeisters geborene Schönlein müsse wohl ein rechter Lausbub gewesen sein, ein ausgesprochener Bücherfreund und leidenschaftlicher Petrefaktensammler (Versteinerungen) in der Fränkischen Schweiz. Ruß machte klar, dass Schönlein zeitlebens ein Bamberger blieb, auch wenn es ihn nach Würzburg, Zürich und Berlin verschlug. Als bezeichnende Besonderheit führte der Referent das Bamberger Schlenkerla-Bier an, das sich Schönlein andernorts liefern ließ.

Im Ruhestand kehrte Schönlein 1859 in seine Vaterstadt zurück. Norbert Ruß wusste von einer Villa in der Theuerstadt zu berichten, in der sich der Heimkehrer häuslich einrichtete: "Mit Besuchern schwere Zigarren rauchend, Zeitungen lesend und im Garten arbeitend". Vor allem hätte sich Schönlein als Wohltäter erwiesen, der öffentliche Aufgaben unterstützte und Bedürftigen half, wo er konnte. Es sei zudem sein Bestreben gewesen, den Zentralitäts- und Bedeutungsverlust, den die Eingliederung Bambergs in das Kurfürsten- und spätere Königtum Bayern bedeutete, ausgleichen zu helfen - getrieben von der Furcht, es könnte Bamberg Zukommendes nach München abgezogen werden.

Georg Knoblach, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Bamberg, verdeutlichte Schönleins Wirken als "revolutionärer Arzt". Vor Schönlein sei die traditionelle theoretische Medizin bei den Geisteswissenschaften angesiedelt gewesen. Schönlein habe eine naturphilosophische Richtung vertreten und sei der erste Arzt im deutschsprachigen Raum gewesen, der den Patienten in den Fokus rückte: "Er ging ans Krankenbett , sprach mit dem Patienten, stellte die Diagnose und setzte dann die Therapien fest", so Knoblach. Anders als in der damaligen Zeit üblich habe Schönlein erkannt, dass "Symptome nicht die Krankheit sind".
Knoblach kündigte an, dass der Ärztliche Kreisverband "als Dank und Anerkennung für einen großen Kollegen, aber auch als Mahnung, es Schönlein gleich zu tun", im ganzen Gedenkjahr 2014 verschiedene Veranstaltungen durchführen wird.

Stetiger Begleiter dieser Programmpunkte soll ein 135 Kilogramm schweres Bronzemedaillon sein, auf dem der Bamberger Bildhauer Adelbert Heil das Konterfei Schönleins als Relief verewigt hat: mit knolliger Nase, verschmitztem Blick, eher rustikal denn elegant. Im Dezember will der Ärztliche Kreisverband, der dieses Medaillon für einen fünfstelligen Betrag erworben hat, dieses dem Klinikum am Bruderwald als Leihgabe überlassen.
So lag es auch auf der Hand, dass Gerhard Seitz, kunstsinniger Chefpathologe am Klinikum und Wissenschaftlicher Leiter der Bamberger Morphologietage, den Vernissage-Besuchern dieses Kunstwerk nahe brachte, zumal es auch in der Ausstellung zu sehen ist. "Die größte Heil-Plastik in Bamberg", nannte Seitz vieldeutig die künstlerische Arbeit des Bildhauers.

Auch zwei weitere Bildkünstler stellen ihre Werke in der aktuellen Präsentation aus, die sie anlässlich des Schönlein-Gedenkjahres geschaffen haben: Florian Hüttner aus Hamburg, ehemaliger Stipendiat der Villa Concordia, lieferte einen "Entwurf zur Neugestaltung des Schönlein-Grabes" auf dem Bamberger Hauptfriedhof. Und Rainer Ehrt aus Kleinmachnow produzierte Kupferradierungen, auf denen etwa Schönlein als Arzt am Totenbett von Georg Büchner zu sehen ist. Alle drei Künstler waren bei der Ausstellungseröffnung anwesend und lieferten im humorigen Dialog mit Gerhard Seitz Erklärungen ihrer Werke.


Die Ausstellung
Öffnungszeiten "Johann Lukas Schönlein - Arzt und Mäzen. Hommage zum 150. Todestag" ist in der Staatsbibliothek Bamberg in der Neuen Residenz am Domplatz bis 11. April 2014 zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr, Samstag 9 bis 12 Uhr. Sonn- und feiertags geschlossen. Der Eintritt ist frei.