Stegaurach
Umwelt

Jetzt wird mit Abwasser geheizt

Die Kläranlage der Gemeinde Stegaurach liefert künftig den größten Teil der von ihr benötigten Energie selbst. Die neue Heizung nutzt die Wärmeenergie des Wassers im Klärbecken.
Heizungsbauer Alexander Wächter (kniend) erläutert die Funktion und Bedienung der Wärmepumpe. Ingenieurin Martina Schlund-Wagner, Zweiter Bürgermeister Günther Litzlfelder, Bauamtchef Andreas Geck und Klärwärter Manfred Hofmann (von links) lauschen. Rechts ist der Wärmetauscher zu sehen. Foto: Matthias Hoch
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Es klingt ebenso genial wie einfach: Eine Kläranlage bezieht ihre Energie aus der Wärme des Abwassers, das sie selbst reinigt. Aber in ganz Franken gab es bislang nur eine solche Anlage, in Uettingen im Landkreis Würzburg. Jetzt wird das auch in Stegaurach so gemacht. Vorher wurden das Betriebsgebäude, die Werkstatt und das Rechengebäude der Kläranlage mit Nachtspeicheröfen und Heizstrahlern beheizt. Der Stromverbrauch der gesamten Anlage lag dadurch bei rund 50 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr (kWh/a). 37 500 Kilowattstunden - das entspricht in etwa dem Verbrauch von zehn Drei-Personen-Haushalten - will die Gemeinde nun mit der neuen Anlage einsparen. Die CO2 -Emission wird dadurch um 35 Tonnen im Jahr auf etwa 8,75 Tonnen reduziert.

Im Auftrag des Betreibers Südwasser hat der Heizungsbauer Andreas Wächter aus Volkach die gemeindliche Kläranlage im Ortsteil Unteraurach entsprechend umgerüstet: Die wichtigsten Elemente sind ein Wärmetauscher und eine Wärmepumpe. Und Ingenieurin Martina Schlund-Wagner von Südwasser erklärt das Prinzip: Abwasser ist im Winter mit sechs bis acht Grad in der Regel wärmer als die Außenluft. Im Wärmetauscher kann ihm daher Energie entzogen werden. Die Wärmepumpe verdichtet diese und hebt sie auf die für den Betrieb der Heizung nötige Vorlauftemperatur von maximal 45 Grad. Das um etwa vier Grad abgekühlte Wasser wird dann wieder dem Klärbecken zugeführt.

Die Gemeinde Stegaurach als Eigentümer der Kläranlage kostet die neue Heizung nichts, sie profitiert aber auch nicht direkt von der Einsparung bei den Stromkosten. Beides läuft über Südwasser, ein Tochterunternehmen des Energiekonzerns Eon, das in 80 bayerischen Kommunen den Betrieb der Kläranlagen führt. Die Gemeinde könnte aber - abgesehen davon, dass die Abwasserheizung sich hervorragend in die Klimaschutzbemühungen Stegaurachs einfügt - doch noch ihren praktischen Nutzen daraus ziehen. Wenn die neuen Heizung stark genug ist, könnten neben der Kläranlage Gewächshäuser errichtet werden, in denen dann Pflanzen des örtlichen Bauhofs überwintern. Ob es reicht, wird der nächste Winter zeigen.

Die Energieeffizienz der Kläranlage soll weiter gesteigert werden, sagt Bauamtsleiter Andreas Geck. So wird auch die warme Abluft aus dem Rechengebäude genutzt und auf dem Dach soll eine Photovoltaikanlage errichtet werden. Eine LED-Außenbeleuchtung soll den Stromverbrauch weiter senken.
Für den Fall, dass das Wasser dann aber doch zu kalt wird, steht aber immer noch eine Elektroheizung als Notanker zur Verfügung.

Wenn es also so genial einfach ist, aus Abwasser Energie zu gewinnen, warum wird es dann nicht überall gemach? Zum einen gibt es da Befürchtungen, dass durch den Wärmeentzug das Wasser für die im Klärprozess wichtigen Bakterien und Mikroorganismen zu kalt wird. Und für diesen Fall gilt, wie es Schlund-Wagner formuliert: Der Klärprozess geht vor.

Das andere Hemmnis ist die Kostenfrage. Und für die ist Südwasser-Geschäftsführer Johannes Schneider zuständig. Der Einsatz sei nur sinnvoll, wo schnell und effektiv Kosten gespart werden können, sagt er. Etwa dort wo noch Nachtspeicheröfen im Einsatz sind. Für die neue Heizung in Stegaurach rechnet er damit, dass sich die Investition von rund 37 000 Euro bereits nach fünf Jahren amortisiert hat.
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